Genossenschaften

Genossenschaften

Es gibt drei Arten von genossenschaftlichen Körperschaften: die Genossenschaft, das Genossenschaftskonsortium und die Gesellschaft zur gegenseitigen Unterstützung.

Eine genossenschaftliche Körperschaft ist eine Gesellschaft, welche von physischen und juristischen Personen gegründet werden kann. Charakterisiert ist eine Genossenschaft vom Gegenseitigkeitscharakter, der gegenseitigen Unterstützung und Förderung der Mitglieder. Das bedeutet, dass für die Mitglieder der Genossenschaft bessere Bedingungen geschaffen werden sollen, als sie jedes Mitglied für sich alleine auf dem Markt erzielen könnte.

Die Grundsätze und Werte, auf die sich die Genossenschaften stützen, sind aufgrund ihrer großen sozialen Bedeutung durch die Verfassung geschützt und anerkannt. So heißt es im Artikel 45: “Die Republik erkennt die soziale Aufgabe des Genossenschaftswesens an, sofern es nach dem Grundsatz der Gegenseitigkeit und ohne Zwecke der Privatspekulation aufgebaut ist. Das Gesetz fördert und begünstigt mit den geeigneten Mitteln seine Entfaltung und sichert durch eine zweckdienliche Aufsicht seine Eigenart und Zielsetzung."

Die 9 Grundsätze einer Genossenschaft

  1. Ein Kopf, eine Stimme
    Die Genossenschaft ist die einzige Unternehmensform, die eine Konzentration des Gesellschaftseigentums in wenigen Händen nicht zulässt. Jedes Mitglied verfügt unabhängig von seinem Kapitalanteil über eine Stimme in der Vollversammlung.
  2. Demokratische und aktive Verwaltung durch die Mitglieder
    Die Genossenschaft wird von ihren Mitgliedern in demokratischer Form verwaltet.
    Eine Genossenschaft ist verpflichtet, die aktive Beteiligung aller Mitglieder an den Entscheidungsprozessen durch deren Einbeziehung in das Gesellschaftsleben zu fördern. Das Verwaltungsorgan muss sich mehrheitlich aus Genossenschaftsmitgliedern zusammensetzen.
  3. Gegenseitigkeitscharakter (Mitgliederförderung)
    Das Hauptziel einer Genossenschaft ist nicht die Gewinnmaximierung, sondern die gegenseitige Unterstützung und Förderung der Mitglieder. Das bedeutet, dass für die Mitglieder der Genossenschaft bessere Bedingungen (Preis, Arbeitsentgelt usw.) geschaffen werden sollen, als sie jedes Mitglied für sich allein auf dem Markt erzielen könnte.
  4. Der nicht spekulative Charakter
    Wenn eine Genossenschaft aufgelöst wird, dürfen die Mitglieder das Vermögen der Genossenschaft weder untereinander aufteilen noch die Genossenschaft verkaufen. Das Gesetz gewährt eine günstigere Besteuerung der Gewinne, vorausgesetzt, dass diese in die Entwicklung der Genossenschaft investiert werden.
  5. Die offene Tür
    Die Genossenschaft ist eine offene Gesellschaftsform. Jeder, der den Grundsatz der Gegenseitigkeit teilt und in der Lage ist, zur Erreichung des Gesellschaftszwecks beizutragen, kann die Mitgliedschaft beantragen.
  6. Die Solidarität zwischen den Generationen
    Eine Genossenschaft soll langfristig für die künftigen Generationen erhalten bleiben. Das Fortbestehen wird durch die Unteilbarkeit des Gesellschaftsvermögens und die Weitergabe der Erfahrungen und Führungsverantwortung von den älteren an die jüngeren Genossenschaftsmitglieder sichergestellt.
  7. Unabhängigkeit und gegenseitige Unterstützung
    Jede Genossenschaft ist ein unabhängiges Unternehmen, welches sich selbst verwaltet, auch wenn in der Regel die Zugehörigkeit zu einem Genossenschaftsverband angestrebt wird. Zwischen den Genossenschaften gibt es Formen der gegenseitigen Unterstützung, sowohl was ihre Entwicklung als auch ihre Behauptung auf dem Markt betrifft.
  8. Der Förderauftrag nach außen
    Zu den zahlreichen Aufgaben der Genossenschaften gehört es auch die Entstehung von neuen Genossenschaften durch direkte und indirekte Beihilfen zu fördern. Zu diesem Zweck zahlen alle Genossenschaften 3% ihres Nettogewinns in eigene Mutualitätsfonds für die Förderung und Entwicklung des Genossenschaftswesens ein.
  9. Soziale Verantwortung
    Das Genossenschaftswesen setzt sich für die Entwicklung der Einzelpersonen, der Familien, der sozialen Gruppierungen und der Gesellschaft ein. Durch die Genossenschaften werden die Qualitätspotenziale des Territoriums aufgewertet und geeignete Lösungen für Bedürfnisse der Gemeinschaft angeboten.

Die Wahl der Genossenschaftsform macht es einfacher und weniger riskant, ein Unternehmen zu gründen und wirtschaftlich selbstständig zu werden. Durch die Gründung einer Genossenschaft können die unternehmerischen Vorstellungen mehrerer Personen gebündelt werden: ihre Ideen, Erfahrungen und Ressourcen werden zusammengelegt, um eine gemeinsame und somit effizientere Umsetzung des Vorhabens zu ermöglichen.

Die Genossenschaft ermöglicht außerdem die Aufnahme einer unternehmerischen Tätigkeit ohne hohe Kapitalinvestitionen. Das Gesetz legt einen Mindestbetrag von 25 Euro als Kapitalanteil pro Mitglied fest. Die Gesellschaftsanteile sind das einzige Risikokapital, für das die Mitglieder haften, da die Genossenschaften Gesellschaften mit beschränkter Haftung sind. Genossenschaften mit vorwiegender Mitgliederförderung genießen darüber hinaus Steuervergünstigungen.

Wie jede Gesellschaftsform, ist auch die Genossenschaft von bestimmten Eigenschaften, Vorteilen und Einschränkungen gekennzeichnet. Aufgrund der auszuübenden Tätigkeit und der Zielsetzungen sowie Eigenschaften der Mitglieder wird entschieden, ob die Genossenschaftsform die geeignete Rechtsform für die geplante unternehmerische Initiative ist. Die Wahl der passenden Rechtsform ist ein wichtiger Schritt für den Erfolg einer Initiative.

Wer eine Idee hat und diese umsetzen will, kann sich bei den Vertretungsverbänden (Raiffeisenverband, Confcooperative Bolzano, Legacoopbund, A.G.C.I. Südtirol-Alto Adige), melden, welche Start-Up Beratungen anbieten.

Welche Genossenschaftsformen gibt es?

Eine Genossenschaft kann praktisch jede unternehmerische Tätigkeit ausüben. Aufgrund des Tätigkeitsbereiches unterscheidet man folgende Genossenschaftsformen:

Konsumgenossenschaft
Zweck dieser Genossenschaften ist es, die Nachfrage nach Verbrauchsgütern zu befriedigen. Eine Konsumgenossenschaft ist bestrebt, die Spanne zwischen Verkaufspreisen und Einkaufspreisen gering zu halten und somit den Mitgliedern den Erwerb von Gütern zu niedrigeren Preisen als den üblichen Marktpreisen zu ermöglichen. Typische Beispiele für Konsumgenossenschaften sind die in Genossenschaftsform organisierten großen Handelsketten.
Produktions- und Arbeitsgenossenschaften
Die Mitglieder dieser Genossenschaften sind gleichzeitig Unternehmer und Arbeitnehmer des Unternehmens. Die Mitglieder teilen die Arbeit untereinander auf und organisieren ihre Tätigkeit selbst. Diese Genossenschaftsform ist vor allem im Bereich des Handwerks und im Dienstleistungssektor verbreitet. Sie wird gegründet, um für die Mitglieder in qualitativer und wirtschaftlicher Hinsicht bessere Arbeitsbedingungen zu schaffen, als sie auf dem Arbeitsmarkt üblich sind.
Dienstleistungsgenossenschaften
Gemeinsames Merkmal aller Dienstleistungsgenossenschaften ist die Ausübung einer Tätigkeit in gemeinschaftlicher Form, um die daraus resultierenden Vorteile zu nutzen. Es handelt sich um eine sehr vielschichtige Gruppe von Genossenschaften, die in den unterschiedlichsten Bereichen tätig sind.
Wohnbaugenossenschaften
Ihr Zweck ist der Bau und die Verteilung von Wohnungen an die Mitglieder zum Selbstkostenpreis, indem der Unternehmergewinn entfällt und alle vorgesehenen Begünstigungen genutzt werden. Sie befriedigen den Wohnbedarf der Menschen, da sie Wohngebäude errichten, die anschließend den Mitgliedern zugewiesen werden: als Eigentum, wenn es sich um eine Genossenschaft mit "geteiltem Eigentum" handelt, oder zur Nutzung, wenn es sich um eine Genossenschaft mit "ungeteiltem Eigentum“ handelt. In Südtirol wird das erste Modell gewählt.
Sozialgenossenschaften
  • Die Sozialgenossenschaften verfolgen das allgemeine Interesse der Gemeinschaft und zwar die menschliche Förderung und soziale Integration der Bürger, insbesondere für gesellschaftlich benachteiligte Menschen durch die rationelle Nutzung der zur Verfügung stehenden Mittel. Man unterscheidet zwischen den Sozialgenossenschaften, welche die Wahrnehmung von sozio-sanitären, kulturellen und erziehungsbezogenen Dienstleistungen verfolgen (sog. Sozialgenossenschaften des Typs A);
  • und den Sozialgenossenschaften, welche auf die Ausübung verschiedener Tätigkeiten im Landwirtschaft-, Industrie-, Handels- und Dienstleistungssektor verfolgen, die auf die Arbeitseingliederung von sozial benachteiligten Personen abzielen, deren Anteil mindestens 30% der Arbeitnehmer der Genossenschaft entsprechen muss (sog. Sozialgenossenschaften des Typs B)
  • Konsortien von Sozialgenossenschaften (Typ C) - 2/3 der angegliederten Genossenschaften müssen Sozialgenossenschaften sein.
Landwirtschaftliche Anlieferungs- und Zuchtgenossenschaft
Sie werden von Landwirten gegründet und kümmern sich um die Verarbeitung und Vermarktung der von den Mitgliedern angelieferten landwirtschaftlichen Erzeugnisse. Typische Beispiele für diese Genossenschaftsform sind Obstgenossenschaften, Sennereigenossenschaften und Kellereigenossenschaften.
Genossenschaftskonsortien
Sie bestehen aus Genossenschaften und anderen Unternehmen, die eine gemeinsame Organisationsstruktur errichten und ihre wirtschaftlichen Tätigkeiten gemeinsam ausüben.
Raiffeisenkassen (Kreditgenossenschaften)
Ziel dieser Genossenschaften ist es, die wirtschaftlichen Bedingungen ihrer Mitglieder zu verbessern, indem sie die Ersparnisbildung fördern und vor allem lokalen Kleinunternehmern Kredite gewähren. Die Raiffeisenkassen sind Banken in Genossenschaftsform, die tief mit dem Gebiet verwurzelt sind und eine breite Mitgliederbasis haben. Die Mitglieder sind in der Regel in einer bestimmten Gemeinde oder in angrenzenden Gemeinden ansässig und die Kredite werden hauptsächlich einheimischen Betrieben gewährt. Aufgrund der gesetzlichen Bestimmungen sind die Raiffeisenkassen verpflichtet, das Kreditgeschäft vorwiegend zugunsten der Mitglieder zu betreiben.
Garantiegenossenschaften
Sie werden normalerweise von Unternehmern eines bestimmten Wirtschaftszweiges oder auf Initiative eines Verbandes gegründet, um den Betrieben durch die gesamtschuldnerische Leistung von Garantien den Zugang zu Krediten und anderen Finanzierungsformen zu erleichtern.
Landarbeitergenossenschaften
Landarbeitergenossenschaften kümmern sich vorwiegend um die Bewirtschaftung, die Produktion und den Verkauf von landwirtschaftlichen Produkten. Die Mitglieder kaufen und verwalten zusammen Maschinen zur Bearbeitung des Bodens und Maschinen zur Verteilung von Agrarprodukten.
Landwirtschaftliche Konsortien
Ein landwirtschaftliches Konsortium ist eine Vereinigung von Landwirten in Genossenschaftsform, um in- oder auch außerhalb der Provinz, die Lieferung von Gütern oder Dienstleistungen durchzuführen.
Einzelhändlergenossenschaft
Einzelhändlergenossenschaften haben den Zweck den Ankauf und die Lieferung der Güter und Dienstleistungen zu Wettbewerbsbedingungen im Interesse der Einzelhändler zu ermöglichen.
Transportgenossenschaften
Transportgenossenschaften setzen sich aus Transportunternehmer zusammen, welche sowohl Personentransporte, Warentransporte, Be- und Entladungen von Gütern und Lieferungen ausführen.
Fischereigenossenschaften
Eine Fischereigenossenschaft wird zwischen Fischern gegründet, welche zusammen und mit eigenen Mitteln oder jener der Genossenschaft, die Tätigkeit der Fischerei und der Fischzucht - sei es in Binnengewässer oder im Meer - ausüben. Außerdem kümmern sie sich auch um anderne Aktivitäten bezüglich der Ausübung der Fischerei wie den Ankauf, die Erhaltung der Geräte, und die Aufbewahrung der Produkte.
Sonstige Genossenschaften
Alle anderen Genossenschaften, welche keinen Bezug zu den vorherigen Genossenschaftstypen haben, werden als sonstige Genossenschaften eingestuft.

Daten zum Genossenschaftswesen in Südtirol

Zum 31.12.2015 waren im Landesregister der genossenschaftlichen Körperschaften insgesamt 1046 Genossenschaften eingetragen.

Die im Register eingetragenen Genossenschaften haben insgesamt ca. 165.000 Mitglieder, wobei aber zu beachten ist, dass die Mitgliedschaft bei mehreren Genossenschaften möglich ist.

Die 1046 Genossenschaften sind in folgenden Bereichen tätig:

  • 96 Landwirtschaftliche Anlieferungs- und Zuchtgenossenschaften
  • 5 Landarbeitergenossenschaften
  • 1 Landwirtschaftliche Genossenschaft
  • 15 Konsumgenossenschaften
  • 181 Produktions- und Arbeitsgenossenschaften
  • 282 Dienstleistungsgenossenschaften und andere Genossenschaften
  • 208 Sozialgenossenschaften
  • 187 Wohnbaugenossenschaften
  • 2 Garantiegenossenschaften
  • 6 Genossenschaftskonsortien
  • 47 Raiffeisenkassen bzw. Kreditgenossenschaften

Die verschiedenen Genossenschaftstypen sind Ausdruck der sozialen und wirtschaftlichen Struktur Südtirols sowie der Entwicklungsgeschichte des lokalen Genossenschaftswesens.

Von den 1046 Genossenschaften sind:

  • 907 aktiv
  • 139 in freiwilliger Auflösung oder einer Zwangsliquidierung bzw. Zwangsauflösungsprozedur unterworfen.

Von den 1046 Genossenschaften sind 961 als Genossenschaften mit vorwiegender Mitgliederförderung und 85 als Genossenschaften mit nicht vorwiegender Mitgliederförderung eingetragen.

In Südtirol gibt es zur Zeit vier anerkannte Genossenschaftsverbände. Von den 1046 im Landesregister eingetragenen Genossenschaften sind

  • 331 Mitglieder des Raiffeisenverbandes Südtirol
  • 298 Mitglieder der Confcooperative Bozen
  • 184 Mitglieder des Bundes der Genossenschaften Südtirols
  • 88 Mitglieder der A.G.C.I. Alto Adige - Südtirol

145 Genossenschaften treten keinem anerkannten Genossenschaftsverband bei.

Daten zum Genossenschaftswesen in Südtirol

Zum 31.12.2016 waren im Landesregister der genossenschaftlichen Körperschaften insgesamt 1031 Genossenschaften eingetragen.

Die im Register eingetragenen Genossenschaften haben insgesamt ca. 165.000 Mitglieder, wobei aber zu beachten ist, dass die Mitgliedschaft bei mehreren Genossenschaften möglich ist.

Die 1031 Genossenschaften sind in folgenden Bereichen tätig:

96 Landwirtschaftliche Anlieferungs- und Zuchtgenossenschaften
5 Landarbeitergenossenschaften
1 Landwirtschaftliche Genossenschaft
13 Konsumgenossenschaften
189 Produktions- und Arbeitsgenossenschaften
280 Andere Genossenschaften
222 Sozialgenossenschaften
169 Wohnbaugenossenschaften
2 Garantiegenossenschaften
7 Genossenschaftskonsortien
47 Raiffeisenkassen bzw. Kreditgenossenschaften

Die verschiedenen Genossenschaftstypen sind Ausdruck der sozialen und wirtschaftlichen Struktur Südtirols sowie der Entwicklungsgeschichte des lokalen Genossenschaftswesens.

Von den 1031 Genossenschaften sind:

887 aktiv
144 in freiwilliger Auflösung oder einer Zwangsliquidierung bzw. Zwangsauflösungsprozedur unterworfen.

Von den 1031 Genossenschaften sind 936 als Genossenschaften mit vorwiegender Mitgliederförderung und 95 als Genossenschaften mit nicht vorwiegender Mitgliederförderung eingetragen.

In Südtirol gibt es zur Zeit vier anerkannte Genossenschaftsverbände. Von den 1031 im Landesregister eingetragenen Genossenschaften sind

340 Mitglieder des Raiffeisenverbandes Südtirol
285 Mitglieder der Confcooperative Bozen
185 Mitglieder des Bundes der Genossenschaften Südtirols
89 Mitglieder der A.G.C.I. Alto Adige - Südtirol

132 Genossenschaften treten keinem anerkannten Genossenschaftsverband bei.

Aktualisierte Liste vom 31. Dezember 2016 der Genossenschaften in Südtirol