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Treffen: Südtirols Wirtschaft kooperiert verstärkt mit Burkina Faso

Auf Initiative des Landes ist im NOI Techpark eine Delegation aus Burkina Faso mit Wirtschaftstreibenden zusammengetroffen, um Handelsbeziehungen zu stärken.

LH Kompatscher: "Wir haben die Basis geschaffen, um nun einen Qualitätssprung in der Zusammenarbeit zu machen." Foto: LPA/Amici del Burkina Faso

"Die Bilder, die die Menschen von Afrika im Kopf haben, sind die von Krieg, Krankheit und Hunger. Doch die Realität vor Ort ist oft die der Normalität – eine Normalität, in der Kinder zur Schule gehen und dann Ärzte oder Ingenieure werden oder ein erfolgreiches Unternehmen gründen", sagte Cleophas Adrien Dioma, Berater aus Burkina Faso, der seit vielen Jahren in Parma lebt und seit 2016 die Arbeitsgruppe “Migration und Entwicklung” des Ministeriums für äußere Angelegenheiten und Entwicklungszusammenarbeit (MAECI) koordiniert.

Demokratie und Aufrichtigkeit, aber auch Extremismus

Der Name Burkina Faso steht für "Land der aufrichtigen Menschen"; das Land ist nach Jahren der frankophilen Diktatur seit 2015 eine aufstrebende Demokratie. Es hatte allerdings heuer auch einen terroristischen Angriff von Islamisten zu beklagen – gestern Abend (27. November) kam es in der Hauptstadt der ehemaligen französischen Kolonie, Ouangadougou, zu Anschlägen anlässlich des Besuchs des französischen Präsidenten, Emmanuel Macron.

Derweil sind sich gestern Abend im NOI Techpark Unternehmensvertreter, IDM Südtirol und eine Reihe Gäste aus Burkina Faso nähergekommen. Das Ziel war es, in größerem Maße als bislang eine nächste Phase der Entwicklungszusammenarbeit einzuläuten. Eine Phase, in der das westafrikanische Binnenland zwischen Mali und Ghana seine neue Rolle als Handelspartner für Südtirol ausbauen könnte.

"Ein Qualitätssprung in der Zusammenarbeit"

"Entwicklungszusammenarbeit bedeutet in erster Linie Zusammenarbeit. Sie soll es dem jeweiligen Volk ermöglichen, die Instrumente zu erhalten, um besser für sich selbst sorgen zu können", sagte einleitend Landeshauptmann Arno Kompatscher. Burkina Faso sei einer der Staaten, in dem das Land Südtirol über Vereine schon seit rund zwanzig Jahren Entwicklungszusammenarbeit betreibe. "Damit haben wir die Basis geschaffen, um nun einen Qualitätssprung in der Zusammenarbeit zu machen", sagte der Landeshauptmann. Jetzt ergebe sich aus dem Interesse der Handelskammer an Burkina Faso und der öffentlichen Verwaltung an Südtirols hochwertigen Produkten und Leistungen die Chance "eine Win-win-Situation zu entwickeln, in der einerseits Südtiroler Unternehmen dem afrikanischen Land ihr Know-how weitergeben, dort aber auch ihre Produkte vertreiben". Nach Abwägung aller Risiken, die ein solcher Schritt mit sich bringe, sei dies eine Gelegenheit, auf dem afrikanischen Markt Fuß zu fassen.

Zum Treffen geladen hatte das Landesamt für Kabinettsangelegenheiten, das die Entwicklungszusammenarbeit des Landes koordiniert. Involviert waren außerdem der Brixner Verein Amici del Burkina Faso, Gastgeber war IDM Südtirol. Durch den Abend führte der Journalist Michele Klaus Vollaro.

Der Einladung gefolgt waren eine Reihe interessierter Vertreter von Südtiroler Unternehmen, beispielsweise Troyer Turbinenbau, die Beratungsunternehmen Zuegg Com GmbH und TIB Consulting Engineering, der Südtiroler Rinderzuchtverband, die Metallbaufirma Weico, die Gruppe Santini, die Baumschule Kaneppele und das Unternehmen Buratti .

Billy Moussa Nebie von der Handelskammer der Hauptstadt Ouangadougou  erläuterte, welch großen Markt Südtirols Unternehmen im Bereich Wasserwirtschaft und -aufbereitung in Burkina Faso vorfinden würden, da die neue Regierung große Investitionen planen würde. Nebie zeigte auch anhand eines Schemas, dass Investoren, die in Burkina Faso Unternehmen gründen wollen, für ein paar Jahre steuerfrei und dann mit starken Steuernachlässen rechnen könnten.

Roland Buratti vom gleichnamigen Unternehmen erzählte, dass er seit zwanzig Jahren immer wieder Kunststoff-Wasserleitungen nach Burkina Faso geliefert habe. Aber weil der Transport mehr koste als das Produkt selbst, sei es eigentlich das Beste, eine Produktionsstätte vor Ort aufzubauen.

Auch für die Lagerung und die Weiterverarbeitung vor Ort von landwirtschaftlichen Produkten der Burkiner gäbe es einen großen Markt und wissensdurstige jungen Menschen, die von Südtirol lernen möchten. Der in Burkina Faso gebürtige Madi Sakandé, Unternehmer in Bologna, der Kühlzellen vertreibt, erzählte, wie einzelne Mitglieder der großen Diaspora an Burkinern in Italien, vor allem junge Leute mit europäischer Bildung, den Unternehmen nützlich sein könnten, um im westafrikanischen Land leichter Fuß zu fassen.

Mario Beccia von der Italienischen Agentur für Entwicklungszusammenarbeit AICS schilderte, wie auch auf nationaler Ebene die Zusammenarbeit mit der Wirtschaft Einzug in die Förderprogramme gehalten habe. 25 Unternehmen, viele davon innovative Start-ups, haben an einem Wettbewerb teilgenommen, über den Beccias Agentur die unternehmerischen Projekte in Verbindung mit der Bereitschaft der Unternehmen zur Entwicklungszusammenarbeit und zum Know-how-Transfer mit bis zu 200.000 Euro bezuschusst.

Sowohl der Direktor der IDM Südtirol, Hansjörg Prast, als auch deren Head of Sales, Bettina Schmid, informierten über die aktive Rolle, die IDM in der Förderung und Begleitung der Unternehmen zu neuen Märkten, auch in Afrika, einnimmt. Angedacht wurde zuletzt, ob sich eine kleine Delegation finden würde, die im kommenden Februar die Messe Afrikallia in Burkina Fasos Hauptstadt besuchen möchte.

Die burkinische Delegation wird in den kommenden Tagen noch einige Südtiroler Unternehmen besuchen.

LPA

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