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Schulreformen/pädagogische Konzepte

Schlüsselkompetenzen für das 9. und 10. Pflichtschuljahr

Die Regierung hat mit Beginn des Schuljahres 2007/2008 die Schulpflicht um zwei Jahre verlängert. In Südtirol können die zwei neuen Pflichtschuljahre nach der Mittelschule auch im Rahmen der Berufsbildung absolviert werden. Darüber hinaus bleiben das Recht und die Pflicht zur Bildung bis zum 18. Lebensjahr aufrecht.
Am Ende des 10. Schuljahres sollen die Schüler/-innen über die Schlüsselkompetenzen verfügen, wie sie nach der Empfehlung des Rates der EU vom 18. Dezember 2006 als unverzichtbare Grundlage für das lebenslange Lernen formuliert wurden.
Das Unterrichtsministerium hat den diesbezüglichen Referenzrahmen, der acht Schlüsselkompetenzen umfasst, in vier sog. „Assi culturali“ (Bildungsfelder) zusammengefasst:

  1. Sprachliches
  2. Mathematisches
  3. Wissenschaftlich-technologisches
  4. Geschichtlich-gesellschaftliches Bildungsfeld

Diese Bildungsfelder beschreiben vier unterschiedliche Bereiche von Grundkompetenzen (Fähigkeiten, Fertigkeiten und Kenntnisse). Die Verbindung dieser vier Bildungsfelder soll zu jenen Schlüsselkompetenzen führen, welche für die weitere Bildungs- und Berufslaufbahn und für die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben wichtig sind:

  • Lernen lernen
  • Entwerfen, Planen, Gestalten
  • Kommunizieren
  • Kooperieren und Teilnehmen
  • Autonom und verantwortlich Handeln
  • Problemlösen
  • Beziehungen und Zusammenhänge wahrnehmen
  • Informationen aufnehmen und verarbeiten.

Die Vermittlung dieser Kompetenzen ist das Ziel des 9. und 10. Pflichtschuljahres an allen Schul- und Bildungstypen.


Lernfeldkonzept

Unterricht und Lernen erfolgte bisher zumeist nach Fächern getrennt und als ein Nacheinander von verschiedenen und fachsystematisch geordneten Fachinhalten, deren Zusammenhang für die Schüler/-innen und Lehrlinge oft wenig einsehbar wurde. Lernen für Gegenwart und Zukunft, zumal berufliches Lernen, orientiert sich hingegen vor allem an betrieblichen Handlungsabläufen und zielt auf die Ganzheitlichkeit der Lernprozesse ab. Dafür steht der Begriff und das Konzept „Lernfeld“.

Ein Lernfeld ist die Bündelung von Inhalten und Themen aus verschiedenen Fächern und Sachgebieten zu sachlogischen Einheiten, deren Zusammenhang auch für die Schüler/innen und Lehrlinge als notwendig und daher als sinnvoll erkannt wird. Dies stärkt die Lernmotivation der Jugendlichen und führt dazu, dass sie am Ende des Ausbildungsabschnittes die beruflichen Handlungsabläufe in ihrer Gesamtheit (Auftragsakquisition, -analyse, -planung, -durchführung und -auswertung) beherrschen.

Die unterrichtliche Planung orientiert sich daher nicht mehr ausschließlich an fachsystematischen Inhaltskatalogen, sie hat berufliche und betriebliche Handlungsabläufe und die Person des Lehrlings, der Schülerin, des Schülers im Blick. Dadurch geht dieses  fächerübergreifende Lernen in Lernfeldern über die reine Vermittlung von Fachkompetenz hinaus, indem es zusätzlich auf den Erwerb von Methoden-, Sozial- und Individualkompetenzen abzielt. Dafür muss allmählich auch die traditionelle Segmentierung der Lernzeiten überwunden werden, muss die traditionelle Stundentafel größere Zeitgefäße vorsehen.

Das Lernfeld wird zu einem Identitätsmerkmal der Berufsbildung, welches folgende Vorzüge aufweist:

  • die Lernenden können möglichst eigenständig analysieren, planen, durchführen, kontrollieren, korrigieren und ihre eigenen Leistungen bewerten;
  • berufliches Fachwissen und das Wissen um Arbeitsabläufe wird in ganzheitlicher Form, d.h. mitsamt den notwendigen Kommunikativen, Sozial und Methodenkompetenzen vermittelt;
  • die Eigenverantwortung der Einzelnen tritt in den Vordergrund, das Individuum wird gestärkt für einen produktiven Umgang mit dem gesellschaftlichen Wandel und mit pluralen Werten.

Mehrjahresplan Berufsbildung 2002-2006


(Letzte Aktualisierung: 13.06.2008)