Bildungsverlauf und Lebensplanung

Das Landesgesetz vom 14. Juli 2015, „Teilhabe und Inklusion von Menschen mit Behinderungen“ definiert in Abschnitt 1, Artikel 3 den allgemeinen Grundsatz, dass das individuelle Lebensprojekt und die damit verbundenen Maßnahmen mit personenbezogenen Methoden zu erarbeiten und umzusetzen sind.
Artikel 6 des Landesgesetzes sichert allen, also auch Schülerinnen und Schülern mit Behinderungen, auf der Grundlage eines individuellen Lebensprojekts und der allgemeinen Bestimmungen zur Einschreibung die Wahlfreiheit bei der Einschreibung in die Kindergärten und die Schulen sowie die Teilnahme an etwaigen Aufnahmeverfahren zu. Dies beinhaltet auch ein subjektives Recht auf die Wahl einer Bildungseinrichtung der Oberstufe, auf die individuelle Anpassung von Aufnahmeverfahren und auf reservierte Plätze im Verhältnis zur Gesamtzahl aller Plätze für Schüler und Schülerinnen mit Behinderungen.
Das individuelle Lebensprojekt öffnet den Horizont in Richtung Zukunft und erfordert eine Sichtweise und Planung, die über die Zeit der Schul- und Bildungspflicht hinausgehen. Die Familie und die anderen am Inklusionsprozess mitwirkenden Akteure sind daher gefordert, den Prozess mitzutragen. Durch geeignete Methoden ist die Beteiligung der direkt betroffenen Person zu garantieren. Die dabei gewonnenen Erkenntnisse sind bei der Erstellung des Individuellen Bildungsplans, bei der Wahl der weiterführenden Bildungswege nach der Mittelschule und bei der Berufseingliederung zu berücksichtigen.

Im Schuljahr 2018/2019 sollte die Landesregierung in einem Beschluss die Gestaltung von Lebensprojekten konkret regeln. Wir halten Sie hier auf dem Laufenden.

Bei der Einschreibung in Kindergarten und Schule gilt für alle Kinder, Schülerinnen und Schüler bis zur Mittelschule das Wohnortsprinzip. Bei der Einschreibung in die Oberstufe gilt die freie Wahl der Schule auf der Grundlage des individuellen Lebensprojekts. Die Einschreibung erfolgt schriftlich. Eine Ablehnung kann in der Oberstufe in bestimmten Fällen vorkommen, muss aber schriftlich und mit Begründung erfolgen. Begründung für eine Ablehnung kann sein: zu viele Einschreibungen, zu späte Einschreibung, zu viele Kinder mit Beeinträchtigungen, nicht bestandenes Aufnahmeverfahren, fehlender Bezug zum individuellen Lebensprojekt und anderes mehr.

 

Mit einem Rundschreiben der Bildungsdirektion vom Juni 2016 wurden für die deutschen Kindergärten und Schulen Maßnahmen und Mittel zur Früherkennung, zur Frühförderung sowie den Informationsaustausch zwischen Kindergarten und Grundschule verbindlich festgelegt. Als Unterstützung und Rahmen für diesen Auftrag wurde ein Konzept zur förderpädagogischen Unterstützung in der Schuleingangsphase und Übersicht über Verfahren zur Einschätzung des Lern- und Entwicklungsstandes erarbeitet.

Kinder und Jugendliche beim Übertritt zu begleiten und die notwendigen Informationen sind wichtige Maßnahmen für einen erfolgreichen Bildungsweg. Noch wichtiger ist es, den Übergang bei Kindern und Jugendlichen gut zu gestalten, die aufgrund einer Beeinträchtigung, einer Lern- und Entwicklungsstörung besondere Unterstützung beim Lernen brauchen.

Das Rundschreiben der Bildungsdirektion Nr. 4/2015 beinhaltet die Regelungen, die Kindergärten und Schulen beim Übertritt von Kindern und Jugendlichen mit Funktionsdiagnose oder klinischem Befund beachten müssen.

Alle Schülerinnen und Schüler mit einem Individuellen Bildungsplan haben bei der Abschlussprüfung Anrecht auf geeignete Hilfsmittel, Unterstützung, Förder- und Ausgleichsmaßnahmen, so wie sie im IBP festgehalten und im Laufe des Schuljahres angeboten wurden.