Europäisches Sprachenportfolio - ESP

Das Portfolio entsteht als Bewertungsinstrument in den Schulen der Vereinigten Staaten, um auf eine Beurteilungsform zu reagieren, die fast ausschließlich auf Tests beruht.
Es dient als Dokumentation der Lernprozesse und Lernerfahrungen sowie der erworbenen Kompetenzen.
Das Portfolio ist eine Mappe, mit welcher die Geschichte und die Ergebnisse des eigenen Lernens dokumentiert werden.
Unter den Portfolios nimmt das Europäische Sprachenportfolio eine besondere Position ein: Es ist ein Projekt des Europarates und hilft, das Sprachenlernen zu belegen und einzuschätzen. Das Europäische Sprachenportfolio ist Eigentum der Lernenden, die mit Unterstützung der Lehrpersonen eigenverantwortlich damit arbeiten.

Verschiedene Portfolios

Portfolios gibt es in fast allen Lebens- und Arbeitsbereichen. Sie dokumentieren Prozesse und Produkte. Künstler z.B. sammeln in Portfolios ihre Arbeiten, um sie ihren Galeristen oder Kunden vorzustellen.

Nach und nach ist dieses Instrument auch von anderen Sektoren übernommen worden. Je nach Zielsetzung unterscheiden wir eine Vielzahl von Portfolios:

Einige davon sind produktorientiert und andere prozessorientiert.

Das Europäische Sprachenportfolio (ESP) ist ein Instrument des Europarats für alle Altersgruppen zur Förderung des sprachlichen und interkulturellen Lernens und damit auch zur Förderung der Vielfalt von Sprachen und Kulturen im europäischen Raum. Es erfüllt im Wesentlichen zwei Aufgaben:

  • es dokumentiert die sprachlichen Fähigkeiten und interkulturellen Erfahrungen (= Dokumentationsfunktion);
  • es begleitet Kinder, Jugendliche und Erwachsene auf ihrem Weg des sprachlichen und interkulturellen Lernens, gibt Anregungen, über das Lernen von Sprachen nachzudenken und die eigenen Fähigkeiten einzuschätzen (= pädagogische Funktion).

Es gibt in diesem Zusammenhang den Lernenden Impulse und Anregungen, über das Lernen von Sprachen nachzudenken und die eigenen Fähigkeiten einzuschätzen.Gibt es rechtliche Vorgaben, das Europäische Sprachenportfolio einzusetzen?
Es gibt keine Verpflichtung zur Arbeit mit dem ESP. Jedoch empfehlen führende Sprachdidaktiker, das ESP im Unterricht einzusetzen. Allerdings ist für eine zielführende Arbeit mit dem ESP sehr zu empfehlen, dass sich die Lehrpersonen im Rahmen eines Fortbildungskurses intensiv mit dem ESP auseinandersetzen. Bei Abschluss der Sekundarschule, ist es im Interesse der Schülerinnen und Schüler, ein vom Europarat validiertes ESP einzusetzen, da Arbeitgeber und Bildungseinrichtungen formal akkreditierte Europäische Sprachenportfolios auf Grund ihrer Verbindlichkeit und der Vergleichbarkeit auf europäischer Ebene bevorzugen.

  • 1991: Ausarbeitung des ESP wird von den politischen Gremien des Europarats beschlossen.
  • 1998 - 2000: Erprobung von Portfolio-Fassungen für unterschiedliche Alters- bzw. Zielgruppen und Sprachen in 15 Ländern und Regionen, sowie im Rahmen von vier transnationalen Projekten.
  • Im Herbst 2000 setzt der Europarat eine Validierungskommission ein, die laufend neue Portfolio-Fassungen akkreditiert und durch die Anwendung strikter Regeln über die Qualität der unterschiedlichen Portfolio-Modelle und ihre Vergleichbarkeit wacht.
  • August 2008 arbeiten ca. 1.250.000 Lernende mit einem der 95 akkreditierten Modelle des ESP,
  • weitere Modelle befinden sich in der Erprobung...

Das ESP hilft den Lernenden...

  • ihre sprachlichen Kompetenzen zu beschreiben, einzuschätzen und den international vergleichbaren Niveaustufen des Gemeinsamen europäischen Referenzrahmens zuzuordnen;
  • schulische und außerschulische Erfahrungen beim Sprachenlernen sowie interkulturelle Erfahrungen zu dokumentieren und zu reflektieren;
  • über ihre sprachlichen Kompetenzen zu informieren (z. B. im Zusammenhang mit Schulwechsel, Sprachkursen, Austauschprogrammen, Bewerbungen);
  • Ziele für das Sprachenlernen zu setzen, das weitere Lernen zu planen, umzusetzen und zu evaluieren.

Das ESP hilft Unterrichtenden, den Schulen und anderen Bildungsinstitutionen...

  • die Leistungen auf nationaler und internationaler Ebene transparent und nach anerkannten europäischen Beschreibungsstandards zu dokumentieren;
  • erreichte sprachliche Mindeststandards, Abschlüsse und Zertifikate den Niveaustufen des Gemeinsamen europäischen Referenzrahmens (Externer Link) zuzuordnen;
  • die Qualität ihrer Arbeit im sprachlichen Bereich zu dokumentieren, weiterzuentwickeln und Hilfen für konkrete Unterrichts- bzw. Schulprogrammentwicklung bereit zu stellen;
  • die spezifischen Angebote ihres Sprachunterrichts zu beschreiben und Bestätigungen über die spezifischen Erfahrungen der Lernenden auszustellen;
  • die spezifischen Bedürfnisse und Motivationen von einzelnen Lernenden kennen zu lernen und sie bei der Umsetzung ihrer individuellen Sprachlernbedürfnisse und Interessen zu unterstützen.

Das ESP hilft privaten Unternehmen, Dienststellen und Arbeitgebern...

  • sich ein differenziertes Bild der sprachlichen Kompetenzen von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern oder von Stellenbewerbern zu verschaffen;
  • die Qualifizierung von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sowie die innerbetriebliche Aus- und Weiterbildung zu planen;
  • Bestätigungen über die Verwendung von Sprachen am Arbeitsplatz und über Arbeits- oder Weiterbildungsaufenthalte auszustellen.

Alle Modelle des ESP bestehen aus drei Elementen:

  1. Sprachenbiographie
    • dokumentiert die persönliche Geschichte des Sprachenlernens und der interkulturellen Erfahrungen;
    • enthält zusätzlich Instrumente zur Selbstbeurteilung und Hilfen zur Reflexion und Planung des Sprachenlernens, um sich selbst Ziele zu setzen und diese überprüfen zu können;
    • hilft, über Arbeitstechniken und Methoden des sprachlichen Lernens nachzudenken.
  2. Dossier/Schatzkiste
    • enthält eigene Arbeiten unterschiedlicher Art, die exemplarisch veranschaulichen, was man in verschiedenen Sprachen bereits geleistet hat bzw. zu leisten im Stande ist;
    • dokumentiert Lernprozesse;
    • begleitet das alltägliche Sprachenlernen;
    • illustriert den aktuellen Lern- und Erfahrungsstand.
  3. Sprachenpass
    • weist die sprachlich/kulturelle Identität aus und dokumentiert kommunikative Fähigkeiten für alle Sprachen, über die eine Person verfügt – ganz gleich, ob sie innerhalb oder außerhalb der Schule erworben wurden;
    • enthält weiterhin Informationen über erworbene Zertifikate und abgelegte Prüfungen sowie über belegte Kurse und Auslandsaufenthalte;
    • kann bei Klassen- oder Schulwechsel, beim Übergang von einer Bildungsphase in die nächste und schließlich bei Bewerbungen und beruflichen Veränderungen vorgelegt werden.

Alle Formen der Selbstevaluation sowohl in der Sprachenbiographie als auch im Sprachenpass geschehen nach den Niveaustufen und Kriterien, wie sie im Gemeinsamen europäischen Referenzrahmens (Externer Link) dargestellt und beschrieben sind.