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Südtirols Bibliotheken punkten mit Qualität und Service

Südtirols Bibliotheken haben im deutschen Sprachraum Leuchtturmfunktion: Sie unterziehen sich regelmäßig einer externen Evaluation. 49 Bibliotheken hat LR Achammer das Qualitätszertifikat verliehen.

Rund 120 Vertreterinnen und Vertreter der Öffentlichen Bibliotheken und Schulbibliotheken bei der offiziellen Verleihung des Qualitätszertifikats für Bibliotheken durch Landesrat Philipp Achammer. (Foto: LPA/Edith Benischek)

Südtirols Öffentliche Bibliotheken und Schulbibliotheken haben nichts gemein mit den als verstaubt geltenden Büchertempeln oder einer einfach strukturierten Buchausleihstelle, im Gegenteil: Sie sind moderne Dienstleistungsbetriebe und haben keine Scheu davor, sich einer externen Qualitätsüberprüfung, einem sogenannten Audit, zu unterziehen. Alljährlich feiern sie gemeinsam die erreichte Zertifizierung.

Hierfür haben sich in der vergangenen Woche rund 120 Menschen aus dem Bereich der Öffentlichen Bibliotheken und Schulbibliotheken sowie einzelne Bürgermeisterinnen und Bürgermeister, Kulturreferentinnen und Kulturreferenten im Innenhof des Palais Widmann in Bozen eingefunden. Insgesamt 49 Qualitätszertifikate überreichte Kulturlandesrat Philipp Achammer den Vertreterinnen und Vertretern der Bibliotheken, 38 Zertifikate für Öffentliche Bibliotheken und elf für Schulbibliotheken. Der Landesrat blickte sichtlich stolz auf Südtirols Bibliothekslandschaft.

Orte der Demokratie und sozialen Integration

Um die gesellschaftlich wichtige Rolle der Bibliotheken  zu unterstreichen, bediente er sich der Theorie des Soziologen Ray Oldenburg, der die Bedeutung von sogenannten "Dritten Orten", neben dem ersten Ort Wohnung und dem zweiten Ort Arbeitsplatz oder Bildungseinrichtungen, herausgearbeitet hat. Demnach sind für Landesrat Achammer Bibliotheken "unverzichtbare öffentliche Einrichtungen, wo Demokratie gelebt wird, wo Menschen aufeinandertreffen, wo sie verweilen und sich austauschen können, aber wo auch soziale Integration passiert", sagte der Landesrat. Dass Südtirols Bibliotheken sich gegenüber dem Wandel hin zu einer digitalen Informationsgesellschaft nicht versperrt, sondern sich stattdessen den großen Herausforderungen gestellt haben, bestätigt auch Branchenkenner Markus Fritz vom Landesamt für Bibliotheken und Lesen: "Aus dem deutschsprachigen Raum blickt man sogar ein wenig neidvoll auf unsere Bibliotheken, wo Menschen im Zentrum stehen und nicht nur Bücher." 

"Ständig neu erfinden"

Ausleih- oder Besucherzahlen allein sind heute nicht mehr die einzigen Indikatoren für gute Bibliotheken. In Zeiten der Digitalisierung müssen auch sie sich ständig neu erfinden, um den Anforderungen der Zeit und den Bedürfnissen ihrer Kunden gerecht zu werden, ohne dass dabei die Qualität sinkt. Marion Gamper, geschäftsführende Direktorin im Landesamt für Bibliotheken und Lesen, erklärte: "Gerade die Mobilität der Menschen trägt dazu bei, dass Dienstleistungen vergleichbar werden, dass sich Menschen dort bedienen, wo sie das 'bessere' Angebot bekommen." Auch unter diesem Aspekt mache somit eine Qualitätszertifizierung aller Südtiroler Bibliotheken Sinn. Ob die kleine Bibliothek im Dorf oder die größere Stadtbibliothek, die Zweigstelle mit ihrem weiter entfernt gelegenem Hauptsitz oder die Schulbibliothek, sie alle müssen, je nach Bibliothekstyp, sogenannte Mindeststandards erfüllen, um ein Qualitätszertifikat zu erhalten. Dabei decken die zu prüfenden Standards verschiedenste Themenfelder ab: von der Raumfläche über zu Veranstaltungs- oder Medienarbeit hin zu den Öffnungszeiten, um nur einzelne von vielen zu nennen.

Die Grundidee, Südtirols Bibliotheken auf eine einheitliche Qualitätsschiene anzuheben, hat sich in den letzten Jahren etabliert und bewährt. Gesteuert und organisiert wird der gesamte Zertifizierungsprozess alljährlich vom Landesamt für Bibliotheken und Lesen.

jw

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