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Entwicklungszusammenarbeit | 22.05.2017 | 14:25

Winterhilfe für Flüchtlinge in Jordanien

Südtirol hat für winterfeste Aufrüstung der Flüchtlingscamps in Jordanien gesorgt. Scott Craig, Sprecher des UNHCR, über den Winter der Flüchtlinge.

.Die Zelte müssen vor der Kälte und dem Schnee gesichert werden. Foto: UNHCR

Wie war dieser Winter in Jordanien?

Scott Craig: Die Temperaturen sind empfindlich gefallen, häufig auch unter Null Grad. Schneestürme und Regenfluten im Januar haben Millionen von Flüchtlingen und Binnenvertriebenen noch mehr Probleme verursacht. Betroffen waren die Menschen in der Türkei, im Libanon, besonders Vertriebene in Aleppo in Syrien und Mosul im Irak. In Jordanien war das ganze Land von heftigen Winden, niedrigen Temperaturen genauso betroffen wie von Schneefall und Regen. Die Flüchtlinge sind geschwächt, daher brauchen sie Unterstützung, um diese zusätzliche Herausforderung zu stemmen.

Das UNO-Flüchtlingshilfwerk UNHCR nennt das Aufrüsten gegen Kälte "winterization", was gehört da dazu?

Wir verwenden den Begriff, um Hilfsprogramme zu beschreiben, die flüchtenden Menschen helfen, die kalte Jahreszeit zu überbrücken. Es gibt verschiedene Formen der Unterstützung: Das können Barzahlungen sein oder Hilfsgüter wie Winterkleidung, Schlafsäcke, Teppiche, Decken u.ä. oder zusätzliche Plastikplanen, um Zelte zu flicken, Wohnbereiche vor Kälte zu schützen. Diese Programme werden von den hierzulande aktiven Partnern der Humanitären Hilfe koordiniert und bereitgestellt.

Ist die Winterhilfe 2016/2017 gelungen?

Wir, also UNHCR, haben bis Dezember 2016 das Projekt dank der Unterstützung des Landes Südtirol umsetzen können. Unser Ziel war, an die 300.000 Menschen auszurüsten und wir haben es zu 100 Prozent geschafft. Unser mobiles Betreuungsteam hat auch Familien versorgt, die in informellen Siedlungen leben, von denen es im ganzen Land sehr viele gibt. Zudem wurde eine öffentliche Sensibilisierungs-Kampagne gestartet, um die Flüchtlinge vor den Schlecht-Wetter-Einbrüchen und deren Risiken zu warnen. Durch die Vorsichtsmaßnahmen konnte verhindert werden, dass die heftigen Regenfälle im Januar nicht größere Schäden in den Flüchtlingscamps Zaatari und Azraq verursacht haben.

Das UN Flüchtlingshilfswerk betreut auch Flüchtlinge in Syrien?

Ja, es gibt in Syrien 6,3 Mio Binnenflüchtlinge, auch sie brauchen Winterhilfe. Unser Programme haben wir im September 2016 gestartet und wir konnten für 1,2 Mio Menschen, für mehr als 250.000 Familien, Winterhilfe leisten: Kleidung, warme Decken, Plastikplanen, um ihre Behausungen abzudecken, Schlafsäcke und andere Hilfsgüter.

Wieviele Flüchtlinge leben in Jordanien und sind sie Syrer?

Im März 2017 wurden von UNHCR insgesamt 733.210 betroffene Personen registriert. Der größte Teil davon, 658.015, sind Flüchtlinge aus dem Syrienkonflikt, von denen rund 21 Prozent in einem Lager leben. Die anderen sind 62.455 irakische Flüchtlinge, 7.441 Jemeniten, 3.466 Sudanesen und 787 Somalis.

Sind die meisten Syrer vor landesinternen Konflikten geflüchtet?

Die syrischen Flüchtlinge sind wegen des Konflikts in ihrem Land, der nun schon sieben Jahre andauert, nach Jordanien geflüchtet. Familien suchten Zuflucht in Jordanien ebenso wie in anderen Ländern der Region. In der Türkei leben mit über 3 Mio. die meisten syrischen Flüchtlinge. Sie suchten Schutz vor einem Konflikt, der der Zivilbevölkerung sehr großen Schaden zufügt und der in den umliegenden Ländern für heftige Spannungen sorgt, die zugleich sehr viel für Fliehende aus dem Konflikt tun.

Kinder und die Jugend stellen für die humanitäre Hilfe eine besondere Herausforderung dar?

Allerdings. Diese Herausforderung wächst, denn immer mehr ungeschützte Flüchtlinge leben unter der Armutsgrenze. Mehr als 70 Prozent der hilfsbedürftigen Menschen sind Frauen und Kinder. Ungefähr ein Drittel der von der Syrienkrise betroffenen sind Kinder zwischen zehn und 24 Jahre alt. Diese jungen Leute sind am schlimmsten betroffen, da sie neben dem Mangel an Schutz und Grundversorgung auch nur begrenzt Zugang zu Bildung haben. Diese eingeschränkten Lebens- oder besser Überlebensbedingungen tragen dazu bei, dass ihre Gemeinschaften in Hoffnungslosigkeit heranwachsen. Für die Zukunft dieser Region sind starke und gut ausgebildete junge Menschen entscheidend.

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