Das paritätische Modell: Wie funktioniert das ladinische Schulsystem?

Das paritätische Schulmodell ist geprägt von einem sprachlich-kulturellen Gleichgewicht zwischen der deutschen und italienischen Unterrichtssprache und dem Einsatz zum Erhalt und zur Entwicklung der ladinischen Sprache und Kultur.

Im Kindergarten wird vornehmlich die ladinische Sprache benutzt, wobei es auch Aktivitäten auf Deutsch und Italienisch gibt, um die Kinder auf spielerische und altersgemäße Weise der Mehrsprachigkeit näher zu bringen.

In der ersten Klasse der Grundschule werden die Kinder in den drei Sprachen Ladinisch, Italienisch und Deutsch alphabetisiert, und zwar möglichst ausgeglichen. Dies ist nicht immer einfach, wenn man die unterschiedlichen familiären Hintergründe betrachtet sowie die Verwendung der verschiedenen Sprachen im häuslichen Bereich. Eine Schule dieser Art braucht Lehrkräfte mit guter Vorbereitung, nicht nur was die Kompetenzen in mehreren Sprachen betrifft, sondern auch die Fähigkeit, zwischen mehreren Sprachen zu wechseln. Zu diesem Zweck ist ein Studiengang zur Ausbildung der ladinischen Lehrkräfte an der Freien Universität Bozen eingerichtet worden, der in etwa zu je einem Drittel aus ladinischen, deutschen und italienischen Unterrichtseinheiten besteht. Darüber hinaus müssen die ladinischen Lehrkräfte eine anspruchsvolle Dreisprachigkeitsprüfung bestehen.

Ab der zweiten Klasse Grundschule werden alle Lehrinhalte abwechselnd eine Woche lang auf Deutsch und auf Italienisch unterrichtet. Dabei dient Ladinisch immer als Behelfssprache. Außerdem sind wöchentlich zwei Unterrichtseinheiten in ladinischer Sprache und Kultur vorgesehen.

Eine weitere Besonderheit der ladinischen Schule ist der Unterricht des Faches Religion in den drei Schulsprachen. Ab der vierten Klasse Grundschule kommen zwei Wochenstunden Englisch hinzu. Die ladinische Schule ist daher ausgesprochen mehrsprachig und die Ergebnisse sind im Allgemeinen vielversprechend, v.a. was das Erlernen anderer Sprachen betrifft, denn dieses Schulmodell führt zu größeren sprachübergreifenden Fähigkeiten.

In der Mittel- und Oberschule wird das partitätische Modell hingegen anders umgesetzt, indem die Hälfte der Fächer immer auf Italienisch und die andere Hälfte immer auf Deutsch unterrichtet wird. Es gibt also nicht die wöchentliche Rotation der Sprachen wie in der Grundschule, sondern wird z.B. Mathematik immer auf Deutsch unterrichtet während z.B. Geographie für die gesamte Dauer des Zyklusses immer auf Italienisch unterrichtet wird. Der ladinischen Sprache wird auch weiterhin eine curriculare Präsenz garantiert und zwar überall dort, wo es die Lehrperson als angebracht erachtet. 
Dieses mehrsprachige Modell wird bis zum Abschluss der Oberschule fortgesetzt. Auch die staatliche Abschlussprüfungen reflektieren diese mehrsprachige Organisation des Unterrichts, indem sie Prüfungen in den verschiedenen Unterrichtssprachen vorsehen.

Eines der Hauptziele der ladinischen Schulordnung ist neben dem Erhalt und der Förderung des Ladinischen auch die paritätische Kompetenz in der italienischen und deutschen Sprache.

Auf der Grundlage der Ergebnisse von Kompetenztests und wissenschaftlichen Untersuchungen kann behauptet werden, dass die dank dem paritätischen Modell erzielten Bildungsleistungen sicherlich einen Mehrwert für die Schülerinnen und Schüler bringen; dieser macht sich nicht nur auf dem Arbeitsmarkt bezahlt, sondern auch im Hinblick auf eine verstärkte interkulturelle Öffnung gegenüber einer globalisierten Welt.

Die größere Anstrengung, die sowohl Lehrkräfte als auch Schüler und Schülerinnen in einem solchen Schulmodell unternehmen müssen, zahlt sich aufgrund der Bildungsergebnisse aus. Nichtsdestotrotz sollte nicht das Problem verschwiegen werden, dass das Ladinische auf dem Stundenplan der Schulen einen relativ kleinen Platz einnimmt. Zwei Wochenstunden Unterricht reichen absolut nicht aus, um die ladinische Sprache in dieser sich so rasch wandelnden Gesellschaft zu erhalten, v.a. angesichts der Vormachtstellung anderer weit verbreiteter Sprachen, insbesondere in den Massenmedien.