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Text aus Jahresbericht

Forstschutz-Überwachungsdienst

Der Forstschutz-Überwachungsdienst wird seit Jahren vom Personal der Abteilung Forstwirtschaft durchgeführt und ist integraler Bestandteil des landesweiten Pflanzenschutzdienstes, wobei die Hauptaufgabe das Monitoring aller im Wald auftretenden Schäden ist. Anhand von Beobachtungen, Feldaufnahmen und Untersuchungen der Schadfaktoren innerhalb der Waldflächen wird der Gesundheitszustand der Südtiroler Wälder seit Jahren aufmerksam verfolgt. Zusätzlich werden mittels chemischer Nadel- und Bodenanalysen spezifische Untersuchungen über Umweltschäden durchgeführt, welche großteils durch Schadstoffe hervorgerufen werden.


Klimaverlauf

Die saisonalen Witterungsbedingungen haben einen beträchtlichen Einfluss auf das Entstehen von Forstschäden im Ökosystem Wald. Eine Vielzahl der beobachteten Phänomene ist auf spezielle Begebenheiten im Laufe eines Jahres zurückzuführen, wie z.B. schneearme Winter, Spätfröste, extrem regenreiche Frühlinge, Sommertrockenheit, Hagel oder Wind.

Die Auswirkungen dieser klimatischen Bedingungen auf das forstliche Ökosystem müssen nicht sofort eintreten, sondern können sich auch über Jahre hinziehen und die Entwicklung von Pathogenen oder Forstinsekten (z.B. Borkenkäfer, Fichtennadelblasenrost, Prozessionsspinner) begünstigen. Weiters kann es, bedingt durch Witterungextreme, zu physiologischem Stress und dadurch zu einer abgeschwächter Vitalität und Fitness von einzelnen Bäumen oder ganzer Bestände kommen.

Nach einer Reihe von Jahren geprägt von Trockenheit und Hitze (2003 bis 2007), die einen bevorstehenden Klimawandel ankündigten, waren die Jahre 2008 und 2009 dann witterungsmäßig eher als kühl und niederschlagsreich einzustufen.

Während das Jahr 2011 temperaturmäßig wieder über dem langjährigen Mittel lag, sank der Niederschlag im Jahresmittel deutlich unter den Durchschnitt.

Auf den milden Winter und dem teilweise regnerischen März, folgte ein warmer und trockener April. Der Mai 2011 war der wärmste Mai seit es die Temperaturaufzeichnungen gibt, auch wenn gegen Ende des Monats „kühlere" Temperaturen gemessen worden sind.

Juni und Juli präsentierten sich recht regnerisch und kühl, was günstige Bedingungen für die Entwicklung des Fichtennadelblasenrostes zur Folge hatte. Im Gegensatz dazu war es im August sowie im ganzen Herbst wieder überdurchschnittlich warm. Erwähnenswert sind die heftigen Niederschläge, auch in Form von Schnee in tieferen Tallagen, gegen Ende September. Das Jahr ging mit relativ milden Temperaturen im Dezember zu Ende.

Einen genaueren Überblick über die klimatischen Besonderheiten des Jahres 2011 wird im Kapitel der Versuchsanstalt Laimburg gegeben.


Abiotische Schäden

Abiotische Schäden, hervorgerufen durch Witterungsextreme, spielten auch im Jahre 2011 eine wichtige Rolle in der heimischen Forstwirtschaft.

Wie bereits in den vergangenen Jahren blieben wir in Südtirol auch 2011 von verheerenden Orkanstürmen, welche vermehrt nördlich des Alpenhauptkamms vorkamen, verschont. Ausgegangen durchwegs von atlantischen Störungen waren diese Orkantiefs auf ihrer Verwüstungsspur nördlich des Alpenhauptkammes von Westen nach Osten gezogen und hatten gewaltige Schadholzmengen verursacht. Im Gegensatz dazu spielten in Südtirol die Schäden durch Schneedruck die größere Rolle.

Im Winter 2010/11 sind 68.000 Vfm als Schadholz infolge von Schneedruck angefallen, was einem Rückgang von 7% zum Vorwinter entspricht. Hinzugekommen sind noch 33.000 Vfm Schneedruckschadholz, welche nach den verfrühten Schneefällen am 18. – 19. September im Obervinschgau, Pustertal und Sarntal angefallen sind.

Bei den Windwürfen gab es hingegen mit insgesamt 41.484 Vfm Schadholz nahezu eine Verdopplung gegenüber dem Vorjahr. Insgesamt war die saisonale Verteilung der Windwurfschäden ausgeglichen, jeweils die Hälfte des Schadholzes entfiel auf das Frühjahr sowie auf die Sommermonate.

Windwurffläche - PustertalWindwurffläche - Pustertal

Hagelschäden blieben, wie im Vorjahr, weitgehend aus. Deshalb werden, im Gegensatz zu 2008, auch keine Folgeschäden erwartet, welche in Form von Verfärbung der Baumkrone, hervorgerufen durch die Rindenverletzungen der Äste durch die Hagelkörner, auftreten.

Trockenschäden an Waldbäumen wurden nur kleinflächig aus Bozen und Sterzing gemeldet und stellen somit einen starken Rückgang gegenüber den ausgedehnten Trockenschäden des Vorjahres im Etsch- und Wipptal dar.


Biotische Schäden - Insekten

Ein relativ straffer Zusammenhang zwischen abiotischen und biotischen Schäden kann durch den Befall der Borkenkäfer nachgewiesen werden, deren Entwicklung und Verhalten sehr stark von den Witterungsbedingungen (Windwurf, Schneebruch, Trockenheit) abhängt.

Der Schadholzanfall durch Borkenkäfer lag 2011 bei 32.017 Vfm (davon 61% im Sommer) und damit infolge der für Borkenkäfer günstigen Entwicklungsbedingungen um 14.000 Vfm über dem Vorjahr.

Buchdrucker – UltenBuchdrucker – Ulten

Der Großteil des Schadholzes entfiel auf die Fichte (90% mit 28.900 Vfm), weiters war auch die Kiefer mit 9,5% (3.044 Vfm) betroffen, welche im Vergleich zum Vorjahr volumsmäßig stärker betroffen war. Meist handelte es sich dabei um den scharfzähnigen Kiefernborkenkäfer (Ips acuminatus) sowie lokal auch  um den 12-zähnigen Kiefernborkenkäfer (Ips sexdentatus) (z.B. bei Glurns und Naturns).

Ohne forstliche Relevanz blieb der Triebfraß an der Kiefer durch den „Waldgärtner" (Tomicus sp.), welcher ein Vergilben der frischen Triebe bewirkt. 2011 sind ca. 400 ha Waldfläche (ca. 25.000 Bäume) mit Tomicus-Befall beobachtet worden, vor allem im Raum Schlanders, Kaltern und Ritten.

Nur lokal konnte man den Befall durch den Lärchenborkenkäfer (Ips cembrae) beobachten, so etwa in Kaltern (70 Vfm) an im Wald gelagerten Blochen.

Im vergangenen Jahr hat man viel Zeit in das Monitoring der Borkenkäferpopulationen mittels Phäromonfallen investiert. Dank dieser Monitoringmethode ist es möglich, wichtige Informationen über die Entwicklung und Populationsdynamik der Borkenkäfer zu erhalten, welche als Grundlage für einzuleitenden Vorbeugemaßnahmen dienen.

Monitoring mittels Pheromonfalle - AltreiMonitoring mittels Pheromonfalle - Altrei

Im weitläufigen Umkreis von Meran (Ulten, Lana, Tisens, Meran, Schenna, Passertal) wurde ein ausgedehntes Projekt zum Monitoring des Buchdruckers (Ips typographus) initiiert. In Villnöss führte man die Beobachtung vom Scharfzähnigen Kiefenborkenkäfer (Ips acuminatus) fort. In Altrei hat man mit der Einrichtung eines Kupferstechermonitorings (Pityogenes chalcographus) begonnen.

Die Forstinsekten zeigten in Südtirol im Jahr 2011 insgesamt einen Befallsverlauf, der im Bereich der natürlichen Schwankungen lag. Manche dieser Befallsbilder sind auffällig, für die Waldgesundheit aber bedeutungslos. So z.B. die im Frühjahr aufgetretenen Verfärbungen des Buchenlaubes durch den Buchenspringrüssler (Rhynchaenus fagi) vor allem in der Umgebung von Kaltern, Lana, Tisens, Ritten und Jenesien. Das Populationswachstum sowie die Befallsfläche war im Vergleich zum Vorjahr schwächer ausgeprägt und betrug 540 ha, wobei ungefähr 56.000 Rotbuchen befallen waren.

Unverändert stationär verlief im Frühjahr das auffällige, aber harmlose Auftreten der Traubenkirschengespinstmotte (Yponomeuta evonymellus), mit starken Gespinstbildungen an den Ufergehölzen entlang von Flussläufen im Vinschgau (Prad und Schnalstal), Sarntal, Gröden, Eisacktal und im Pustertal (Bruneck und Welsberg) auf insgesamt 90 ha (red. 10 ha). Die alljährliche Erhebung dieses, sowie weiteren, forstlich eigentlich unbedeutenden Forstinsekten, soll zur Ermittlung der vorhandenen Bioindikatoren dienen.

Wenig auffällig und weiterhin stationär und forstlich irrelevant waren die  Verfärbungen durch den Blattfraß des Gartenlaubkäfers (Phyllopertha horticola) und des Maikäfers (Melolontha sp.) vor allem an Birken, aber auch anderen Laubgehölzen, welche auf einer Fläche von 20 ha (red. 5 ha) beobachtet werden konnten.

Bei den forstschädlichen Kleinschmetterlingen konnte für die Lärchenminiermotte (Coleophora laricella) weiterhin eine sehr starke Zunahme in allen Landesteilen beobachtet werden. Im Vergleich zum Vorjahr (290.000 befallene Lärchen auf 3.676 ha, red. 1.150 ha) wurden heuer landesweit auf 10.500 ha (red. 5.600) ein Befall gemeldet, wobei ca. 963.000 Lärchen betroffen waren.

Beim Grauen Lärchenwickler (Zeiraphera griseana) war es 2009/10 im Vinschgau zum Anlauf eines neuen Generationszyklus gekommen, der sich im Alpenraum alle acht Jahre wiederholt. In Schlanders und Meran/Passeier war 2010 mittelstarker Befall mit Kronenverfärbungen an 606.000 Lärchen auf 1.628 ha (red. 800 ha) aufgetreten. 2011 waren nur mehr 217.000 Lärchen auf 1.170 ha (red. 780) mittelstark betroffen.

Weitere Kleinschmetterlingsarten sind an Nadelbäumen aufgetreten. Der Fichtennestwickler (Epiblema tedella) hat in Freienfeld auf 1.000 ha (red. 300 ha) an  die 90.000 Fichten befallen, jedoch trotz Befallszunahme kam es zu keinen nennenswerten Schäden. Im Etschtal und Unterland, in Lana, Tisens und Neumarkt blieb das letztjährige Auftreten vom Tannenwickler (Zeiraphera rufimitrana) hingegen aus.

Wirtschaftlich wenig relevant war ein flächiges Auftreten der Zirbennadelmotte (Ocnerostoma copiosellum) an Zirben im Schlandraun- und Pfossental (1800-2200m): auf 440 ha (red. 350 ha) waren ca. 75.000 Zirben betroffen.

In Kaltern wurde eine Zunahme des Befalls der Kleinen Fichtenblattwespe (Pristiphora abietina) registriert: betroffen waren ca. 2.800 Fichten auf 8 ha (red. 6 ha).

2011 konnte kein Befall des Schwammspinners (Lymantria dispar) in Form von schädlichem Raupenfraß verzeichnet werden. Der zuletzt 2007/08 aufgezeichnete Massenbefall des Großschmetterlings in Atzwang und Kastelruth ist seither erloschen. In Südtirol kommt es im Abstand von 10-20 Jahren zu Massenauftreten vor allem in den Niederwäldern des Eisack- und Etschtals.

Nach wie vor aktuell ist die Lage des Kiefernprozessionsspinner (Thaumetopoea pityocampa), da dieser mediterrane Schädling durch die zunehmend wärmeren Temperaturen der letzten Jahre in seiner Entwicklung deutlich begünstigt wurde. Nach einer letzten starken Befallszunahme im Jahre 2009 war aber seit 2010 ein signifikanter Befallsrückgang zu verzeichnen (mit landesweit geschätzten 154.000 Gespinstnestern auf 57.000 Kiefern). Dieser Befallsrückgang setzte sich 2011 weiter fort, so dass auf 1.150 ha (red. 214) nur mehr 41.500 Bäume mit 93.000 Gespinstnestern vorhanden waren. Dies bedeutet einen Rückgang von 30% der betroffenen Bäume und 40% der vorhandenen Raupengespinstnestern. Besonders bemerkenswert war der jährliche, landesweite Rückgang der durchschnittlichen Anzahl von Nestern pro Baum auf unter drei Nester pro Baum im zweiten Jahr hintereinander.

In den letzten Jahren konnte der starke Befall der Schwarzkiefern im Vinschgau durch wiederholte, flächige Bekämpfung mit dem biologischen Präparat Bacillus thuringiensis eingedämmt werden. Auch die letzthin festgestellte Zunahme natürlicher Gegenspieler sowie die tieferen Temperaturen der letzten beiden Winter hatten offenbar einen positiven Einfluss auf den Befallsrückgang des Prozessionsspinners. Der extrem kalte Spätwinter 2011/12 lässt zudem auf eine günstige Prognose zur weiteren Entwicklung hoffen.

Auch in den übrigen Befallsgebieten des Kiefernprozessionsspinners wurde durchwegs schwächerer bis stationärer Befallsverlauf gemeldet. In diesen Gebieten erfolgten Teilbekämpfungen nur in Wohngebieten, um die öffentliche Gesundheit zu garantieren. Weiterhin befallsfrei blieb das kühlere Puster- und Wipptal.

Allochtone („gebietsfremde") Schadinsekten

Für Unruhe bei den Kastanienbauern sorgte auch 2011 die Neuausbreitung der Chinesischen Kastanien-Gallwespe (Dryocosmus kuriphilus). 

Chinesische Kastanien-Gallwespe - SchlandersChinesische Kastanien-Gallwespe - Schlanders

Dieser aus China stammende, dann nach Nordamerika und Italien verschleppte invasive Schädling der Esskastanie war in Südtirol erstmals 2009 lokal im Raum Meran (Labers, Schenna, Burgstall, Dorf Tirol) und im mittleren Eisacktal bei Vahrn und Aicha aufgetreten.

Bereits 2008/09 wurde das Vorkommen der Kastanien-Gallwespe im Trentino gemeldet. 2010 kam es zur Ausbildung von weiteren drei Befallsherden und 2011 trat eine weitere beachtliche Befallsausdehnung der erwähnten Gebiete in Vahrn-Aicha (bis zum Vahrnersee), sowie im oberen Vinschgau (Schlanders, Kortsch, Vezzan) ein. In Zusammenarbeit mit der Universität Turin wurden auch 2011 Gegenmaßnahmen eingeleitet, welche mittels Einsatz von natürlichen Parasitoiden, die Entwicklung und Ausbreitung der Kastanien-Gallwespe verhindern sollten.

Wirtschaftlich bedeutungslos waren auch andere nicht autochtone Schadinsekten,  welche seit einigen Jahren in Südtirol vorkommen und vor allem das Laubholz (Rosskastanie, Linde und Robinie) als Entwicklungsstation nutzen. Es handelt sich vor allem um Miniermotten (Cameraria, Phyllonorycter) und Gallmücken (Obolodiplosis robiniae). Sie sind inzwischen landesweit verbreitet und werden, aus ästhetischen Gründen, lokal in urbanen Gebieten (Brixen, Bozen) bekämpft.

Phyllonorycter issikii - MontigglPhyllonorycter issikii - Montiggl

Sporadisch wurde die Präsenz der aus Asien stammenden Japanische Linden-Miniermotte (Phyllonorycter issikii) in Südtirol nachgewiesen, so 2006 in Völs und 2010 in Montiggl. 2011 wurde ein massives Auftreten der Linden-Miniermotte im Montiggler Wald auf einer Fläche von 150 ha (red. 7 ha) festgestellt, sowie auch im Raum Tisens und Völlan.


Biotische Schäden - Pilzkrankheiten

Von den Pilzkrankheiten an Waldbäumen zeigt der Fichtennadelblasenrost (Chrysomyxa rhododendri), welcher die diesjährigen Triebe der Fichte befällt und somit für die Verfärbung ganzer Bestände verantwortlich ist, das auffälligste Schadbild.

Nach jahrelangem, stationär schwachem Verlauf, augrund warmer und trockener Witterung, kam es 2010 zu einer enormen Befallszunahme, welche in starker Korrelation zur feucht-warmen Witterung im Frühjahr steht.

Insgesamt wird die Anzahl der befallenen Bäume auf ca. 6,5 Mio. auf einer Fläche von 30.000 ha (red. 10.000 ha) geschätzt, was einer Verdreifachung der Befallsfläche des Vorjahres entspricht. Zu einer weiteren Zunahme kam es im Jahr 2011:  47.000 ha (red. 21.000 ha) Wald waren betroffen, wobei geschätzte 7,3 Mio. Bäume vom Rostpilz befallen worden sind, darunter dieses Jahr auch verstärkt Individuen der jüngsten Altersklassen, bei welchen der Pilz nach mehrjährigem Befall auch zum Absterben der Pflanze führen kann.

Junge Fichte mit Chrysomyxa-Befall Junge Fichte mit auffälligem Chrysomyxa-Befall -  Hafling

Die Infektion durch Chrysomyxa findet ihren Beginn im Frühsommer (Juni/Juli), während der Blütezeit der Alpenrosen. Die auf der Blattunterseite der Alpenrosen gebildeten Basidiosporen werden durch den Wind verbreitet und der Wirtswechsel auf die Fichte ist vollzogen. Nach ausreichend feuchter Witterung (Tau, Regen, Nebel) keimen die Sporen auf den diesjährigen Trieben der Fichte. Der Pilz infiziert nur die frisch hervorbrechenden, jungen Nadeln. Erst im Juli bis Aug./Sept. kommt es dann zur Ausbildung der auffälligen Fruchtkörper auf den Nadeln sowie den teilweise großflächigen Kronenverfärbungen. 

Als chronische Pilzkrankheiten traten weiterhin Kastanienrindenkrebs, Lärchenkrebs, Hallimasch und Ulmenwelke lokal in Erscheinung, wobei insbesondere vom Kastanienrindenkrebs (Cryphonectria parasitica) landesweit rund 1.000 Edelkastanien (200 Vfm) auf 10 ha (red.) betroffen waren und an insgesamt 2.800 Nadelbäumen (450 Vfm) wurde Hallimaschbefall beobachtet. Eine genaue, flächenmäßige Erfassung der Befallsfläche ist speziell bei Hallimasch und Lärchenkrebs nicht möglich, da die Symptome wenig evident sind. 

 Der Kiefernrindenpilz Cenangium war wiederum im Vinschgau, Bozen und Brixen anzutreffen. Vom Kiefernsterben betroffen waren 1.600 Kiefern mit rund 450 Vfm auf 150 ha (red. 4 ha). Aus dem Eisacktal (Ritten, Kastelruth, Brixen), wo diese Pilzkrankheit in den letzten Jahren als „Kiefernsterben", infolge der großen Sommertrockenheit von 2003 aufgetreten war, wurde nur mehr schwacher Befall gemeldet.

Auch 2011 kam es wieder zu großflächigen Lärchenverfärbungen, doch waren diese weiterhin rückläufig und betrafen nur mehr rund 11.000 Lärchen auf einer Gesamtfläche von 500 ha (red. 250 ha).

Das Phänomen der Nadelverfärbungen der Lärche ist neben dem Spätfrost (Kastelruth, Steinhaus, Abtei), auch auf die Präsenz weiterer Pathogene zurückzuführen, wie z.B. Meria-Lärchenschütte (Meria laricis) und Hypodermella laricis.

Hypodermella laricis – MartellHypodermella laricis  – Martell

Allochtone Pathogene

Ausschließlich auf der Grauerle (Alnus incana) wurde der Erlenblattrost (Melampsoridium hiratsukanum) festgestellt. Dieses Pathogen, welches in Südtirol zum ersten Mal 2010 beobachtet wurde, konnte dieses Jahr im Schnalstal, im Erlenwald von Schlanders und im Eggental nachgewiesen werden. Dieser Rostpilz, sichtbar vor allem im Sommer als oranger „Staub" auf der Unterseite der Erlenblätter, ist für das frühzeitige Abfallen der Blätter verantwortlich.

Chalara fraxinea ist ein Pathogen, welches seit 1990 häufig in Verbindung mit dem Eschensterben in Polen gebracht wurde. In den Folgejahren hat sich der Pilz relativ schnell ausgebreitet und auch unsere Nachbarländer (Österreich und Schweiz) erreicht, wo er verantwortlich war für den Tod unzähliger Eschen (hauptsächlich Fraxinus excelsior). 2010 konnte die Präsenz auch in Italien, entlang der italienisch-slowenischen Grenze bestätigt werden und 2011 wurden im Gadertal Eschen (Fraxinus excelsior) gefunden, welche ganz ähnliche Symptome aufgewiesen haben.

Esche mit Kronenverlichtung - Gadertal.Esche mit Kronenverlichtung - Gadertal

Andere Schäden

2011 traten, im Vergleich zum Vorjahr, deutlich weniger Wipfelschälschäden an Lärchen auf, welche durch Nagetiere (Siebenschläfer, Eichhörnchen) verursacht wurden. Dieses Phänomen beschränkte sich auf einige wenige Befallsgebiete im Raum Sterzing und Freienfeld. Insgesamt wurden auf 15 ha (red. 5 ha) rd. 300 Lärchen (100 Vfm) beschädigt.

Zusammenfassend kann man für das Jahr 2011 festhalten, dass 21,3% der Waldfläche von Schadereignissen (biotischer und abiotischer Art) betroffen war. Die Widerstandsfähigkeit der forstlichen Ökosysteme gewährleistet bei den meisten dieser Schadereignissen eine vollkommene Erholung derselben und garantiert auf längere Sicht gesehen die Regeneration der betroffenen Pflanzenarten oder -teile sowie die Vitalität der Lebensgemeinschaft Wald. Nur auf 0,4% der gesamten Waldfläche bewirkten die Schadereignisse das Absterben von Pflanzen. Dabei handelt es sich vor allem um abiotische Faktoren, wie Windwurf und Schneebruch und den meist anschließenden Befall von Borkenkäfern. Aber auch in diesen Fällen ist der Wald in der Lage, die unbestockte Fläche im Laufe der Zeit wieder zu verjüngen. 

Die Prozentwerte der Grafik beziehen sich auf  die gesamte Waldfläche Südtirols und ergeben sich nach objektiven Parametern wie Verursacher des Schadens (Pathogene, Witterungsextrema, usw.), Flächenausmaß des betroffenen Gebietes und Verlust an Holzmasse (wichtig für die Kohlenstoffbilanz!). Aus diesem Grund sind diese Werte nicht mit den Ergebnissen der Stichprobenerhebungen, die in Europa ab den 80er Jahren durchgeführt wurden, vergleichbar.

Betroffene Waldfläche von Schadereignissen


6.4.2. Nationales Stichprobennetz ConEcoFor (Controllo degli Ecosistemi Forestali)

Auch im Jahr 2011 wurden, im Rahmen des nationalen Projekts ConEcoFor, vom Personal der Abteilung Forstwirtschaft die Erhebungen zum Gesundheitszustand der Pflanzen auf den insgesamt 29 in Südtirol liegenden, permanent markierten Flächen, die ein Teil des gesamtstaatlichen Stichprobenrasters sind, durchgeführt.

Stichprobenrasters Stichprobennetz in Südtirol des Projekts ConEcoFor

Im Zuge der Erhebungen wurden 627 Bäume erhoben, von denen 498 Symptome von biotischen oder abiotischen Schäden aufwiesen. Der Großteil der Schäden wurde im Bereich der Baumkronen festgestellt und war meist von geringem Ausmaß.

Befallsort Anzahl der
Beobachtungen
% davon auf Schadereignisse
im Jahr 2011 zurückzuführen

%

Krone 782 77 329 91
Stamm 238 23 32 9
Gesamt 1.020 100 361 100

Genauer untersucht wurden die Schäden in der Baumkrone auf Grund folgender Parameter:

Art der Beobachtung Anzahl der Beobachtungen
(Ereignisse von 2011)
% durchschnittlicher Anteil
von befallener Krone in %
Frühzeitiger Abfall von Blätter oder Trieben 114 35 11
Verfärbungen der Blätter 117 35 7
Austrocknen der Blätter oder Triebe 52 16 9
Anderes 46 14 11
Gesamt 329 100 9

Der Großteil der im Jahr 2011 im Rahmen der ConEcoFor beobachteten Schäden ist auf den Befall des Fichtennadelblasenrostes (Chrysomyxa rhododendri) zurückzuführen.

Die erhobenen Ergebnisse auf den Flächen des ConEcoFor-Netzes werden verwendet, um den Gesundheitszustand der Wälder auf nationaler sowie europäischer Ebene zu beschreiben.

 

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