Give 'Peas' a Chance!
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Give 'Peas' a Chance!

2016 - Internationales Jahr der Hülsenfrüchte

Linsen, Erbsen (Engl. Peas), Bohnen, Kichererbsen… Hülsenfrüchte sind ein uraltes und weltweit verbreitetes Nahrungsmittel, das auch in den traditionellen Gerichten der mediterranen und alpinen Bauernküche verwertet wird: Ob Abruzzesische Berglinsensuppe oder Südtiroler Fisolensuppe, 'Pasta e fagioli' aus dem Veneto oder 'Ungimochte Poan' (Ackerbohnen mit Zucker unf Mohn), Saubohnenpüree aus Apulien oder Altreier Lupinenkaffee, Hülsenfrüchte sind mit ihrem großen Arten-, Farben- und Formenreichtum in unserer Esskultur stark verankert und können schmackhaft und vielfältig zubereitet werden.

Bescheiden, aber nährstoffreich

Schon seit jeher galten sie als bescheidene Speise, ein typisches Arme-Leute-Essen: In einem Sarner Volkslied über lustige Knechte reimen sich die "Nockn mit Kas" bezeichnenderweise auf "Kraut und Fisöln und deralei Gfraß". Herren aßen hauptsächlich Fleisch, besonders Wild, und Fisch, allein schon als Zeichen ihrer Macht und ihres Reichtums. Mit der Verbreitung der Massentierhaltungen und dem daraus folgenden breiten Zugang zu billigem Fleisch, besonders in der Nachkriegszeit, sind Hülsenfrüchte in Mitteleuropa aus 'Küchensnobismus' aus der Mode geraten. Bis dahin sind sie aber bei denen, die sich kein Fleisch leisten konnten, fast täglich auf den Tisch gekommen, auch weil sie aufgrund ihres hohen Proteingehalts noch bis heute eine gute Alternative zum Fleisch darstellen: 100 g gekochte Hülsenfrüchte enthalten bis zu 15 g pflanzliches Eiweiß. In Indien - dem weltweit größten Hülsenfrüchteproduzenten -, Asien, Afrika und Lateinamerika sind Hülsenfrüchte nach wie vor für die Proteinzufuhr von größter Bedeutung. Heute erleben sie aufrgund der wachsenden Anzahl von Menschen, die in ihrer Ernährung aus ethischen und/oder gesundheitlichen Gründen bewusst auf Fleisch verzichten, eine neue Renaissance.

Weltweit zweitwichtigstes Nahrungsmittelprodukt

Zur Aufwertung des zweitwichtigsten Weltnahrungsmittelproduktes nach dem Getreide haben die Vereinten Nationen für 2016 das "Internationale Jahr der Hülsenfrüchte" ausgerufen. Mit dieser Initiative will die FAO dazu beitragen, die Bedeutung dieser uralten Kulturpflanze für eine gesunde Ernährung und für eine nachhaltige Nahrungsmittelproduktion weltweit hervorzuheben: Leguminosen sind nämlich nicht nur für Mensch und Tier gesund, sondern tun auch der Natur gut, weil sie den Boden mit Stickstoff, einem grundlegenden Nährstoff versorgen und die Reife Altreier LupinenschotenBodenfruchtbarkeit erhöhen, wie man bereits im Mittelalter beim Betreiben der Dreifelderwirtschaft wusste. Leider werden viele positive Auswirkungen durch den massiven Einsatz von Chemie und genmanipuliertem Saatgut, wie dies beispielsweise in den USA und Argentinien beim Intensivanbau von Soja der Fall ist, zunichte gemacht.

Hülsenfrüchte gehören zu den artenreichsten Pflanzenfamilien und zu den ältesten pflanzlichen Lebensformen, die auf unserem Planeten vorhanden sind. Die ersten Ackerbauern haben im Vorderen Orient vor allem Linsen, in Südchina Sojabohnen und in Mittelamerika Stangen- und Feuerbohnen angebaut. Händler und Einwanderer haben sie schließlich auch nach Europa gebracht, wo sie sich rasch verbreitet haben und zahlreiche klimaresistente Lokalsorten entstanden sind. In Südtirol werden sie hauptsächlich für den Eigenbedarf und in Kleinstmengen angebaut; unter den hiesigen Sorten findet man die Stangenbohnen „Schmalzer Aldein“ und „Butterbohne Schenna“, die 'Ultner Boa', eine Ackerbohne aus dem Ultental, aber auch den zur Familie der Lupinengewächse gehörigen „Altreier Kaffee“.

Wichtiger Bestandteil einer gesunden Ernährung

Hülsenfrüchte weisen eine hohe Nährstoffdichte auf und sind reich an Mineralstoffen (Eisen, Magnesium und Zink), Vitaminen (Vitamine B1, B6, Folat) und unverdaulichen Kohlenhydraten oder Ballaststoffen. Mit Ausnahme der Sojabohne und der Erdnuss, die, wie wenige wissen, ebenfalls zu den Leguminosen gehört, sind Hülsenfrüchte fettarm und liefern im Verhältnis zur Menge wenig Kalorien: ca. 30 % der durch Hülsenfrüchte zugeführten Kalorien verwertet der Organismus nämlich gar nicht. Der regelmäßge Verzehr von Hülsenfrüchten, wenigstens ein paarmal pro Woche, entspricht einer gesunden Ernährungsgewohnheit, weil sie durch ihre Eigenschaften dazu beitragen können, klassische Zivilisationskrankheiten wie Übergewicht, Diabetes, Herzerkrankungen und Krebs vorzubeugen.

Schwacher Konsum von Hülsenfrüchten in Südtirol

Nur 23,7 Prozent der Südtiroler Bevölkerung essen mindestens einmal pro Woche getrocknete oder in Dosen verpackte Hülsenfrüchte (Quelle: Astat, Essgewohnheiten 2015); in Italien verspeisen im Verhältnis mehr als doppelt so viel Menschen einmal oder mehrmals pro Woche Hülsenfrüchte (2014 waren es 48,3 Prozent der Gesamtbevölkerung). Die jüngste Astat-Erhebung zu den Essgewohnheiten der SüdtirolerInnen zeigt außerdem deutlich auf, dass der Konsum von Hülsenfrüchten in der deutschsprachigen Bevölkerung wesentlich geringer ist als in der italienischsprachigen: Nur 14,6 Prozent der deutschsprachigen SüdtirolerInnen essen mindestens einmal pro Woche Hülsenfrüchte, bei den italienischsprachigen SüdtirolerInnen sind es 42,2 Prozent.

Vielseitig, schmackhaft und ganzjährig verfügbar

Im getrockneten, tiefgekühlten oder vorgegarten Zustand können Hülsenfrüchte lanSuppenschale mit Linsensuppege aufbewahrt und somit während des ganzen Jahres verspeist werden. Den ganzen Sommer lang gibt es die bekanntesten Sorten jedenfalls frisch - Fisolen, Linsen, Erbsen, Bohnen, Kichererbsen, Saubohnen usw. -, und die lassen sich vielfältig und schmackhaft zubereiten: kalt in frischen Salaten und Brotaufstrichen oder warm in Suppen, Pürees, Nudelgerichten oder Eintöpfen (N.B. die Kombination mit Getreideprodukten erhöht den Wert des pflanzlichen Eiweißes!). Zu beachten ist dabei, dass sie immer nur im gegarten Zustand verzehrt werden sollen, weil sie, mit Ausnahme der Erbsen, natürliche Giftstoffe enthalten, die erst beim Kochen zerstört werden.
Für eine leichtere Verdauung und zur Vermeidung von eventuellen Darmblähungen, sollte das Wasser, in dem die trockenen Hülsenfrüchte eingeweicht werden, anschließend besser nicht zum Kochen weiterverwendet werden; auch die Beigabe von Kräutern oder Gewürzen wie Lorbeer, Thymian und Rosmarin, Fenchel- oder Dillsamen, Kümmel, Kurkuma und selbstverständlich das würzige Bohnenkraut hilft, unliebsamen Nebeneffekten vorzubeugen.

 

Quellen:
https://www.dge.de/presse/pm/ein-hoch-auf-huelsenfruechte/
http://www.slowfood.com/network/de/huelsenfruechte-10-nuetzliche-dinge-die-man-wissen-sollte-3/
Wissen erleben. Hülsenfrüchte. Hrsg. Fachschule für Land- und Hauswirtschaft Salern. Bozen, 2013