Bau und Einrichtung

Bau und Einrichtung
Bibliothek Kaltern - Foto: © Ludwig Thalheimer / LUPE

Bibliotheken etablieren sich neben dem Zuhause (erster Ort) und der Arbeitswelt/der Ausbildungsstätte (zweiter Ort) als sog. Dritter Ort. Menschen können sich dort treffen, austauschen, gemeinsam lernen, die verschiedenen Medien-, Bildungs- und Beratungsangebote nutzen oder einfach ihre Freizeit verbringen.

In Südtirol gibt es in nahezu allen Gemeinden Bibliotheken, die in der Regel gut ausgestattet sind und sich attraktiv präsentieren. Das Land Südtirol unterstützt die Errichtung zeitgemäßer Bibliotheken, sodass in den letzten Jahren zahlreiche Bibliotheken gebaut, erweitert oder neu eingerichtet werden konnten.

 

Die rechtlichen Rahmenbedingungen

Den rechtlichen Rahmen für die Errichtung von Bibliotheken bilden in erster Linie das Südtiroler Bibliotheksgesetz und die entsprechende Durchführungsverordnung. Für Schulbibliotheken gelten die Schulbaurichtlinien.

Die Errichtung von Bibliotheken wird finanziell von Seiten des Landes gefördert. Es gelten die mit Beschluss der Landesregierung Nr. 1322 vom 9. September 2013 genehmigten Förderkriterien. Hier finden Sie nähere Informationen zu Beiträgen im Investitionsbereich.

 

Die Rolle des Amtes im Planungsprozess

Das Amt für Bibliotheken und Lesen als Fachstelle für die Südtiroler Bibliotheken ist wichtiger Partner im Planungsprozess.

Es geht darum, den Verantwortlichen vor Ort Ideen und Visionen einer zeitgemäßen Bibliothek nahe zu bringen und gemeinsam ein Konzept für die zukünftige Bibliothek zu entwickeln. Das Amt übernimmt häufig eine vermittelnde Rolle im Zusammenspiel zwischen Bauherren (Träger der Bibliothek), Nutzerinnen und Nutzern (Bibliotheksteam) und Planerinnen und Planern (Architektinnen bzw. Architekten).

Im Falle von Schulbibliotheken bietet das Amt zusammen mit der Beratungsstelle zur Schularchitektur der Pädagogischen Abteilung Unterstützung an.

Bibliothek Lana

 

Damit die Bibliothek zu einem attraktiven öffentlichen Ort werden kann, müssen geeignete Räumlichkeiten bereitgestellt werden. Dabei spielen das Gebäude und seine bauliche Struktur, die zur Verfügung stehende Fläche, die Einrichtung sowie die technische Ausstattung eine zentrale Rolle.

Ausgehend von einem Zielbestand, der je nach Nutzung mindestens zwei und höchstens drei Medieneinheiten pro Einwohner des Einzugsgebietes beträgt, wird der Berechnung der erforderlichen Nutzfläche ein Erfahrungswert von 30 Quadratmetern pro 1.000 Medieneinheiten zugrunde gelegt.

Im Planungsprozess sind eine ganze Reihe von Aspekten zu berücksichtigen. Grundlage für alle Planungsschritte ist das für das jeweilige Vorhaben erstellte Raumprogramm, wo alle Anforderungen festgehalten sind.

Die von der Fachkonferenz der Bibliotheksfachstellen in Deutschland herausgegebene und 2018 aktualisierte Handreichung zu Bau und Ausstattung öffentlicher Bibliotheken gibt einen Überblick über alle wichtigen Fragen im Zusammenhang mit dem Bau, der Einrichtung und Ausstattung öffentlicher Bibliotheken.

Bibliothek Innichen Copyright: Ludwig Thalheimer-LUPE

 

Bibliothekseinrichtung ist mehr als nur ein Mittel zur Aufbewahrung von Medien. Die Bibliothek als Treffpunkt verlangt nach Räumen, in denen sich die Besucher*innen wohlfühlen und gerne aufhalten. Ein ansprechender Raumeindruck wird durch die Farben, Materialien und Formen beim Mobiliar, eine angenehme Beleuchtung, einen adäquaten Bodenbelag sowie eine abwechslungsreiche und stimmige Dekoration erreicht. Lesebereiche mit Sofas und/oder bequemen Sesseln sowie eventuell einem Kaffeeautomaten machen die Bibliothek zum attraktiven Wohnzimmer in einer Gemeinde. Ruhezonen mit Arbeitsplätzen ermöglichen das Lernen in der Bibliothek. Von zentraler Bedeutung ist es, dass die Einrichtung sich an den Bedürfnissen und Vorstellungen der Zielgruppe orientiert.

Im Bereich des Mobiliars gibt es eine Vielzahl von funktional ausgereiften und ausbaufähigen Serienmöbeln. Möbel auf Maß hingegen werden von Tischlern angefertigt. Sie bieten die Möglichkeit, auf besondere Anforderungen zu reagieren oder der Bibliothek durch Highlights einen besonderen Anstrich zu verschaffen. In verschiedenen Bereichen (z.B. Kinder, Sitzmöbel) bietet es sich an, nicht nur auf Bibliotheksausstatter zurückzugreifen, sondern sich auch bei Speziallieferanten beispielsweise für Schule und Kindergarten umzuschauen. In Südtirol gibt es eine ganze Reihe von Einrichtungsfirmen, welche Bibliotheksmöbel anbieten.

Beleuchtung

Die Beleuchtung spielt für die Nutzungs- und Aufenthaltsqualität der Bibliotheksräumlichkeiten eine zentrale Rolle. Tagsüber sollten möglichst alle Bereiche ausreichend mit Tageslicht versorgt werden. Ergänzend dazu ist eine von der Einrichtung unabhängige allgemeine Grundbeleuchtung vorzusehen, die in bestimmten Bereichen durch Schreibtischlampen, Stehlampen, Spots usw. ergänzt werden kann. In Bereichen, wo gelesen oder gearbeitet wird, ist eine Beleuchtungsstärke von mind. 500 Lux vorzusehen. Ein zu starker Sonneneinfall ist durch einen adäquaten Sonnenschutz zu vermeiden.

Ein Leit- und Orientierungssystem soll klar verständlich innerhalb einer Gemeinde und innerhalb eines Mehrzweckgebäudes den Weg zur Bibliothek und innerhalb der Bibliothek den Weg zu den verschiedenen Angeboten und Diensten weisen.

Ein Leitsystem führt von weit vor dem Haus nach innen zu immer tieferen Informationsebenen. Es geht bei der Straßenbeschilderung oder einem Ortsleitsystem los, beinhaltet eine Beschilderung oder Beschriftung außen am Gebäude und reicht bis hin zu einer detaillierten Fachbodenbeschriftung am Regal.

Ein Leitsystem ist abhängig von der Architektur eines Hauses und wird oft gemeinsam mit dem Corporate Identity der Bibliothek / des Hauses in Zusammenarbeit mit einem Graphiker entwickelt. Verfügt die Bibliothek bereits über ein ansprechendes CI, so soll man das aufgreifen.

Weitere Informationen zum Thema Leitsystem bieten die Grundsätze zur Ausstattung von Öffentlichen Bibliotheken.

Die technische Ausstattung von Bibliotheken gewinnt zunehmend an Bedeutung. EDV, Internet über LAN oder WLAN, mobile Geräte wie Laptop, Tablet-PC und Smartphone, Selbstverbuchung und Diebstahlsicherung auf der Grundlage von RFID, E-Books, Technik für Veranstaltungen usw. eröffnen zahlreiche neue Möglichkeiten für das Angebot und die Verwaltung der Bibliothek.

Aber Achtung!!! Technik braucht Strom und Netz. Die Anschlüsse sind bereits in einer frühen Planungsphase zu definieren. Eine gute Ausstattung und Flexibilität in diesem Bereich sind vor dem Hintergrund einer rasant fortschreitenden technischen Entwicklung unabdingbar.

Als Hilfestellung für die Planung dient die Checkliste zur technischen Ausstattung einer Bibliothek.

Weiterführende Informationen zur EDV-Infrastruktur einer Bibliothek bietet die im Land Nordrhein-Westfalen im Rahmen eines Pilotprojektes entwickelte Handreichung „Auf dem Weg in die digitale Zukunft“.

Bibliotheken haben sich zu attraktiven Treffpunkten mit einer hohen Aufenthaltsqualität entwickelt. Neben der Ausleihe von Büchern und Medien gibt es eine Vielzahl weiterer, intensiv genutzter Angebote und Dienste

Die Leistung einer Bibliothek ist also weit mehr als die Anzahl der erzielten Entlehnungen. So kommen beispielsweise Menschen in die Bibliothek, um die Tageszeitung oder eine Zeitschrift zu lesen, um eine Auskunft zu erhalten, um Informationen zu suchen und zu kopieren/drucken, um Veranstaltungen zu besuchen, um ihren Kindern vorzulesen oder mit ihnen zu spielen oder einfach, um dort ihre Zeit zu verbringen und anderen zu begegnen.

Um diesen immer stärker werdenden Aspekt der Bibliotheksarbeit sichtbar zu machen, ist es wichtig, nicht nur die Entlehnungen zu erfassen, sondern darüber hinaus auch die Anzahl der Besucher*innen zu zählen. Damit kann Bibliotheksarbeit auch mit anderen Einrichtungen (z.B. Museen, Kinos, Schwimmbad) verglichen werden. Und Bibliotheken schneiden hier wahrlich gut ab!

Für kleine Bibliotheken ist nach wie vor eine Zählung per Strichliste möglich, in größeren Bibliotheken werden Besucherzählgeräte installiert. Es gibt kostengünstigere Besucherzählgeräte in Form einer einfachen Lichtschranke. Etwas teurer und nur für größere Bibliotheken interessant sind jene Besucherzählgeräte, die eine statistische Auswertung nach Monaten, Tagen und Tageszeiten erlauben.

RFID (radio frequency identification) wird in Bibliotheken für die Selbstverbuchung der Medien durch die Besucher*innen und für die Diebstahlsicherung eingesetzt. Auch in einigen Südtiroler Bibliotheken wird RFID eingesetzt, um das Personal von Routinetätigkeiten zu entlasten. Umfangreiche Informationen zu RFID gibt es auf dem Bibliotheksportal.

RFID ist auch die Voraussetzung für das Konzept der Offenen Bibliothek, bei dem Besucher*innen bzw. ausgewählten Besuchergruppen mit dem Leseausweis der Zugang zur Bibliothek auch außerhalb der Öffnungszeiten ermöglicht wird. Einen guten Einblick ins Thema Offene Bibliothek gibt der Vortrag von Carolin Rohrßen Mehr Flexibilität und längere Öffnungszeiten für den Kunden“.

Wer kennt das nicht? Die Frist für entliehene Bücher und Medien ist abgelaufen und eine Verlängerung nicht mehr möglich. Unliebsame Mahngebühren drohen. Oder man ist gerade auf dem Weg ins Ortszentrum und hat einen Stapel Bücher und Medien daheim, der nur noch darauf wartet, zurückgebracht zu werden, aber die Bibliothek ist gerade geschlossen.Eine in solchen Fällen sehr praktische und bereits von einer Vielzahl von Bibliotheken angebotene Rückgabemöglichkeit außerhalb der Öffnungszeiten erfreut sich bei den Bibliothekskundinnen und -kunden größter Beliebtheit.

Hier gibt es Infos und Beispiele für verschiedene Rückgabemöglichkeiten außerhalb der Öffnungszeiten.

Rueckgabestelle Bibliothek St. Martin in Passeier

Rückgabeklappe der Bibliothek St. Martin in Passeier

Neue Bibliotheken

Im Jahr 2020 konnten wiederum einige neue Bibliotheken in den Gemeinden Hafling und Terlan sowie in der Brunecker Fraktion Reischach in Betrieb genommen werden.

Neue Bibliotheken seit 2005

Ahrntal (2008), Auer (2012), Bozen/Firmian (2014), Bozen/Gries (2007), Bozen/Oberau (2011), Bozen/Rentsch (2014), Bruneck (2013), Burgstall (2007), Deutschnofen (2018), Feldthurns (2007), Gais/Uttenheim (2017), Graun/St.Valentin auf der Haide (2013),   Innichen (2017), Jenesien (2012), Jenesien/Afing (2017), Kaltern (2018), Kastelbell (2009), Kastelruth/Seis (2017), Kurtatsch (2009), Lana (2005), Latsch/Goldrain (2015), Marling (2010), Martell (2012), Moos in Passeier/Platt (2015), Natz/NatzSchabs (2015), Neumarkt (2005), Partschins/Rabland (2012), Percha (2012),  Pfalzen (2012), Prettau (2012), Riffian (2008), Ritten (2005), Ritten/Lengstein (2014), Schenna (2008), Schluderns (2006), St. Christina (2010), St. Lorenzen (2007), St. Martin i. Pass. (2017), St. Pankraz (2011), St. Ulrich (2013),  Taufers im Münstertal (2013), Terenten (2017), Toblach (2010), Tramin (2010),  Vahrn (2007), Villnöss (2018), Vintl/Weitental (2016), Völs am Schlern (2008), Vöran (2010),  Welschnofen (2009), Wolkenstein (2008).

Für nähere Informationen die einzelnen Ortschaften anklicken.

Grundlagen

Einen umfassenden Überblick zu allen wichtigen Themen eines Bibliotheksbauvorhabens bietet die Handreichung zu Bau und Ausstattung Öffentlicher Bibliotheken der Fachkonferenz der Bibliotheksfachstellen in Deutschland.

Auf dem Bibliotheksportal des Deutschen Bibliotheksverbandes (dbv) sind die Planungsgrundlagen für den Bau von Bibliotheken aufgelistet, die zum Teil auch elektronisch verfügbar sind.

Fachstellen

Landesfachstelle für das Öffentliche Bibliothekswesen Bayern

Büchereizentrale Niedersachsen

IFLA-Sektion Library Buildings and Equipment

Fortbildung

Fachstellenkonferenz der Bibliotheksfachstellen in Deutschland / Bau-Seminare

LIBER Architecture Group

Literatur

Literatur zum Thema Bau und Einrichtung von Bibliotheken gibt es auch in unserer Fachbibliothek.

Schulbibliotheken

Beratungsstelle für Schularchitektur

Netzwerk Lernen & Raum

Downloads

Pernthaler, Verena: Schulbibliotheken planen im Dialog. Bozen, 2016

Innovative Schulbibliotheken, hrsg. von Markus Fritz und Josef Watschinger. Bozen, 2013

Pernthaler/Huebser: Ein langer Weg mit vielen Stolpersteinen … Bozen, 2007



Ihre Ansprechperson

Verena Pernthaler, Tel. 0471 413323, E-Mail verena.pernthaler@provinz.bz.it
täglich vormittags, Mi und Fr auch nachmittags