Interkulturelle Kompetenz und Jugendarbeit

Interkulturelle Jugendarbeit versteht sich als verbindende Jugendarbeit, die Heimat für alle bietet und zur Überwindung von kulturellen Trennungen beiträgt. Um dieser Aufgabe nachzukommen, braucht es eine „kultursensible“ Kompetenz, die Verständnis für andere erzeugt und den interkulturellen Dialog fördert.

Die Auseinandersetzung mit den verschiedenen Kulturen innerhalb unseres Landes ist Voraussetzung, um den Migrationshintergrund von Kindern und Jugendlichen – den neuen Südtirolerinnen und Südtirolern – zu verstehen und angemessen mit ihnen kommunizieren zu können.

Alle gesellschaftlichen Bereiche, und besonders auch die Jugendarbeit, sind deshalb gefordert, der Angst vor Veränderung einerseits und der Ausgrenzung andererseits entgegen zu wirken.
Der interkulturelle Dialog setzt die Kompetenz voraus, mit Personen anderer Kulturkreise in Kommunikation zu treten - ohne Gefühl der Überlegenheit der eigenen Kultur, ohne fixe Vorstellungen von der anderen und ohne Angst, durch Begegnung mit Fremdem die eigene Identität zu verlieren. Wichtig ist sich immer vor Augen zu halten, dass jedes Denken, Handeln und Verhalten abhängig ist von persönlichen Voraussetzungen und von der Herkunftskultur. Diese ist ihrerseits niemals statische „Reinkultur“, sondern das Produkt vieler Fremdeinflüsse und Entwicklungen. Wir sollten uns allen Menschen – und besonders jenen aus fremden Kulturen – mit dem Wissen um Differenzen, die im Rahmen der Grundrechte zu respektieren sind, nähern. Wenn wir Fremden neugierig und wertschätzend begegnen, erleichtern wir ihnen den Zugang zu unseren Kulturen und Eigenheiten.

Angebote für Jugendeinrichtungen

Internationale Studientagung

Das Amt für Jugendarbeit organisiert im Auftrag des Netzwerkes Jugendarbeit in Südtirol und in Zusammenarbeit mit der Abteilung Gesellschaft und Arbeit des Landes Tirol (ex JUFF) und dem Bezirksjugendring Oberbayern eine Internationale Studientagung zum Thema "Diversität" vom 06.12. - 08.12.2017 in Brixen (Folgeveranstaltung der Studientagung "Zwischen Migration und Integration - Schärfung einer diversitätsbewussten Perspektive auf Jugendarbeit in Österreich, Deutschland und Südtirol" vom 29.09. - 02.10.2016 in Igls).

FORUM 20:18

Das Amt für Jugendarbeit organisiert in Zusammenarbeit mit dem Verein Forum Lebensqualität (Gerald Koller) ein Meeting FORUM 20:18 "männer: macht: moneten" vom 08.10. - 09.10.2018 im HUB 37 in Schloss Hofen, Lochau am Bodensee.

Mädchen mit Henna TatooHallo Ciao Maroc

Das Pilotprojekt des Jugendaustausches Hallo Ciao Maroc, mit einwöchigem Aufenthalt in Rabat, startete 2010 und wurde auch 2011, 2013, 20152016, 2017 und 2018 mit Erfolg weiter geführt. Vom 25. Juli bis 03. August 2019 ist ein weiterer Jugendaustausch geplant.

Reisebericht 2018

Flyer Hallo Ciao Maroc 2019
Anmeldeformular für 2019

 

 

 

Jugendliche aus Marokko und SüdtirolBonjour Salam Südtirol

2012, 2014 und 2017 erfolgte in Südtirol ein Gegenbesuch der marokkanischen Jugendlichen.

Jugendliche aus Israel, Palästina, Nordtirol und Südtirol tanzen am Gerichtsplatz

•   2018:  Building Bridges
•   2017:  Building Bridges
•   2016:  Bunte/eine/deine WELT
•   2015:  Building Bridges
•   2014:  Participation: be part an get active
•   2013:  Partizipation: Vom Gegen- und Nebeneinander zum Miteinander und Füreinander
•   2012:  Roots and Wings for Youngsters: Tradition trifft Jugendkultur
•   2011:  Eine Brücke für den Frieden bauen
•   2010:  Austausch Südtirol-Tirol-Israel

 

Srebrenica

Durch die Studienreise nach Bosnien werden die TeilnehmerInnen mit folgenden Themen konfrontiert:

•  Identitäre Bestrebungen, Nationalismus und Konflikte
•  Ausgrenzung, Fremdenhass und Rassismus
•  Menschenrechte, Minderheitenrechte, Kultur des Zusammenlebens
•  Aufarbeitung kollektiver Geschichte
•  Umgang mit traumatisierten Menschen
•  Interkulturelle Jugendarbeit unter sozial und politisch widrigen Bedingungen

Das Projekt ermöglicht die direkte Auseinandersetzung mit Überlebenden und Zeitzeugen, die unter schwierigsten Bedingungen auch im Bereich der Jugendarbeit versuchen, ein friedliches Zusammenleben wieder aufzubauen. Die Tragödie des Krieges, die Konsequenzen eines katastrophal gescheiterten Zusammenlebens, die verheerenden Folgen auf die Zivilbevölkerung und die langsame, mühsame und unschätzbar wertvolle Arbeit derer, die heute trotz allem für eine interethnische, interreligiöse und interkulturelle Gesellschaft kämpfen, können in Bosnien, und insbesondere in Srebrenica, in erster Person wahrgenommen werden. Die TeilnehmerInnen erwerben Erfahrungen und Instrumente, die sie zur Planung und Durchführung gezielter Tätigkeiten und Projekte in Jugendvereinen, -diensten, -treffs und -zentren als Multiplikatoren einer Ethik der Interkulturalität und des friedlichen Zusammenlebens einsetzen können.

Das Projekt entsteht aus der Kooperation zwischen ARCI Bolzano in der Person von Andrea Rizza Goldstein (erfahrener Fachexperte, Historiker, Organisator und Begleiter zahlreicher Studienreisen nach Bosnien), Amt für Jugendarbeit, N.E.T.Z., AGJD und Südtiroler Jugendring. Die Studienreise wird von Andrea Rizza Goldstein und Gianluca Battistel koordiniert, sie findet ein Mal jährlich statt und wird von den 2 Koordinatoren begleitet.

Marokko

Gruppe2017 hat das Amt für Jugendarbeit eine Studienreise für Jugendarbeiterinnen und Jugendarbeitern nach Rabat angeboten. Die Unterbringung in Privatfamilien gab ihnen die Möglichkeit, hautnah das Leben in Marokko und das Gebiet und die Menschen in Fkih Bensalah (Gebiet aus dem die meisten marokkanischen, in Italien ansässigen Immigranten stammen) kennen zu lernen und dadurch mehr Sensibilität und Verständnis im Umgang mit marokkanisch stämmigen Jugendlichen zu bekommen.




 



marokkanische Schulkinder2015 organisierte das Amt in Zusammenarbeit mit Bezirksjugendring Oberbayern, Ufficio Servizio Giovani Bolzano, Ufficio Servizio Giovani Trento und Amt der Tiroler Landesregierung Abteilung JUFF Innsbruck, eine Studienreise für Fachkräfte der Jugendarbeit nach Rabat.


 

 

 

 

 

spielende Jungs2009 organisierte das Amt erstmals eine Studienreise für Jugendarbeiterinnen und Jugendarbeiter nach Marokko. Während der Studienreise traten wir mit Jugendlichen, politischen Vertreterinnen und Vertretern sowie Multiplikatorinnen und Multiplikatoren in Kontakt. Wir konfrontierten uns mit Fragen der gesellschaftlichen Entwicklung und wollten die Faktoren erkennen, die Jugendliche zur Auswanderung bewegen. Dadurch können wir das Verhalten vieler von ihnen besser verstehen bzw. angemessener damit umgehen.

 



 

 

Bassma-Verein aus Rabat

Im Zusammenhang mit der Studienreise nach Marokko entwickelten sich intensive Kontakte mit dem marokkanischen Jugendministerium und dem gemeinnützigen Verein Bassma in Marokko, die interkulturelle Projekte mit Marokko ermöglicht haben und weiterhin ermöglichen.

 

Albanien (Süden)

Männer beim Kartenspielen2013 wurde erneut eine Studienreise nach Albanien organisiert, diesmal mit einem Abstecher nach Mazedonien.

 

 

 

 



 

Kosovo

Newborn Monument von Pristina2011 organisierten die Ämter für Jugendarbeit eine Reise zum Kennenlernen des Kosovo, aus dem ebenfalls, vor allem als Folge des Krieges, viele neue Mitbürgerinnen und Mitbürger stammen. Wir hatten dabei Gelegenheit, uns ein Bild von den Konflikten zwischen Ethnien, dem Leben von Minderheiten sowie den Lebensbedingungen für Jugendliche nach dem Krieg zu machen.

 

 



 

Albanien (Norden)

2010 war das Ziel der Studienfahrt Albanien, das Land, aus dem die meisten Einwandererinnen und Einwanderer in Südtirol stammen. Anschließend wurde von den Teilnehmenden eine Fotoausstellung, ein Video und eine Broschüre erstellt und in einem Info-Abend anderen interessierten Jugendarbeiterinnen und Jugendarbeiter vorgestellt. Die Materialien können ausgeliehen werden.

 

 

 

 

Wer sind wir

Pic-group-Treffen

Die PIC-Gruppe (PraxisInterCultura) setzt sich aus Vertreterinnen und Vertretern von Einrichtungen der Jugendarbeit in Südtirol zusammen, die sich seit Herbst 2010 3 Mal im Jahr treffen, um sich zum Thema interkulturelle Jugendarbeit auszutauschen und gemeinsame Projekte in die Tat umsetzen. Die Gruppe ist offen, d. h. interessierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Jugendeinrichtungen in Südtirol sind herzlich zur Teilnahme an den PIC-Gruppentreffen eingeladen: Dazu reicht eine Kontaktaufnahme mit Abdel El Abchi (Abdelouahed.ElAbchi@provinz.bz.it) oder Gianluca Battistel (Gianluca.Battistel@provinz.bz.it) vom Amt für Jugendarbeit.

Themen, Schwerpunkte und Tagesordnung der jeweiligen Treffen werden im Vorfeld aufgrund der Vorschläge und Anliegen der Teilnehmerinnen und Teilnehmer von einer Steuergruppe festgelegt. Diese besteht aus Vertreterinnen und Vertretern des Amtes für Jugendarbeit, AGJD, NETZ, Jukas Kassianeum, Forum Prävention und Südtiroler Jugendring.


Grundsätze und Leitziele

Die Jugendarbeit fördert Kinder und Jugendliche, indem sie hilft, sich persönlich und in der Gesellschaft zu entfalten. Sie nimmt kulturelle Unterschiede wahr und die Chance, voneinander zu lernen. Allen Kindern und Jugendlichen soll somit sowohl eine eigenständige Entwicklung in unserer Gesellschaft ermöglicht werden, als auch das Kennenlernen anderer Gesellschaftsformen und -normen. Durch die gezielte Gestaltung von Begegnungsmöglichkeiten kann Integration gefördert werden.

Wir sprechen gemeinhin von interkultureller Jugendarbeit, wenn in Jugendstrukturen mit sichtlich unterschiedlichen Kulturen bewusst gearbeitet wird. Dabei können Jugendarbeiterinnen und Jugendarbeiter kulturspezifische, interkulturelle (im Sinn der Kulturenbegegnung) oder transkulturelle Entwicklungsprozesse (im Sinne der Überwindung von Differenzen) einleiten. Alle drei Ansätze sollen Kinder und Jugendliche bei der Identitätsbildung unterstützen. Welcher der Geeignetste ist, hängt von den Zielen und den Voraussetzungen (1. oder 2. Generation, Herkunftsländer, persönliche Erfahrungen oder Traumata, usw.) ab.

Zur Rolle der Jugendarbeit steht zusammenfassend: Was kann Jugendarbeit zur Integration von (ausländischen) Jugendlichen beitragen? Jugendarbeit fällt eine zentrale Rolle zu, wobei eine Vernetzung mit anderen Partnerinnen und Partnern der Jugendlichen (Familie, Schule, Verbände) zwingend ist.

Natur verbindet

2014 organisierte das Amt für Jugendarbeit in Zusammenarbeit mit dem Forstinspektorat Meran und dem VKE eine Waldexkursion für Menschen mit Migrationshintergrund aus Afghanistan, Marokko, Tunesien, Rumänien und einheimischen Familien. Dieser Veranstaltung lag der Gedanke zu Grunde, dass jeder der sich in Südtirol zuhause fühlen möchte es leichter schaffen wird, wenn er die Vielfalt und Schönheit der Bergnatur und -kultur in sein Leben aufnimmt.

Eine Woche anders Watten: zwei Kulturen ins Spiel bringen

Das Amt für Jugendarbeit hat im Februar 2008 zusammen mit der OEW "Eine Woche anders Watten. Zwei Kulturen ins Spiel bringen" geplant und in verschiedenen Jugendzentren durchgeführt. Eine Einführung in marokkanische Kartenspiele kann auf Anfrage weiterhin angeboten werden.

4 = 1: vier Redewendungen - eine Bedeutung

Der interkulturelle Monatskalender mit Redewendungen in Deutsch, Italienisch, Ladinisch und Arabisch wurde 2010 und 2011 von der Organisation für eine solidarische Welt OEW in Zusammenarbeit mit dem Amt für Jugendarbeit herausgegeben.

Wissensaustausch

Das Amt für Jugendarbeit hat in Zusammenarbeit mit Bildungshaus Kassianeum, UFO, Netz und Forum Prävention ein Wissensaustauschprojekt organisiert. 2 Jugendarbeiterinnen/Jugendarbeiter aus Marokko kommen nach Südtirol und arbeiten freiwillig in Südtiroler Jugendorganisation und -zentren, um die Jugendarbeit des Landes Südtirol kennenzulernen.

Interkulturelle Sexualpädagogik

2014 hat das Amt für Jugendarbeit in Zusammenarbeit mit Bildungshaus Kassianeum einen Lehrgang zu Liebe, Sexualität und Beziehungen im interkulturellen Kontext organisiert und durchgeführt.
Pädagogisch Tätige konnten sich mit Moral- und Wertvorstellungen in verschiedenen Kulturkreisen auseinander setzen und hinterfragen, welche Rolle Herkunft und Religion auf die Beziehung zum Körper und zur Sexualität von Jugendlichen haben. Durch den Lehrgang begleiteten drei interkulturelle Mediatorinnen/Mediatoren, die neben den genannten Themen auch die Geschlechterbilder und Familienrollen in arabischen, indo-pakistanischen und albanischen Gesellschaften beleuchteten. Zusätzlich waren die Sexualpädagogin Lucyna Wronska und die Rechtsanwältin Marcella Pirrone als Referentinnen engagiert.
Der Lehrgang war vom Amt für Jugendarbeit angeregt und vom Schulamt unterstützt worden. Menschen, die Kinder und Jugendliche aus verschiedenen Herkunftsländern begleiten, konnten befähigt werden, heikle Themen im Alltag nicht auszugrenzen, sondern die für Jugendliche zentralen Fragen zu Liebe, Sexualität und Beziehungen aufzugreifen. Dazu braucht es Sachkompetenz zum kulturellen Hintergrund und mehr Sicherheit im Umgang mit der zweiten Generation, die sich zwischen verschiedenen oder bestenfalls in mehreren Kulturen bewegt.

Interkulturelle Beratung

  • Informieren
  • Begleiten
  • Hilfestellung zur Orientierung
  • Umgang mit der Aufnahmekultur
  • Konfliktsituationen mit andere Jugendlichen
  • Konfliktsituationen mit den Eltern
  • Überblick über das Land Südtirol
  • Freiwillige Arbeit

Ansprechpartner

Das Amt versteht sich als Ansprechpartner für Fragen des Zusammenlebens unterschiedlicher Sprachgruppen und Kulturen und arbeitet auch eng mit dem italienischen Amt zusammen.

ReferentInnen

  • Ana Agolli Cela, interkulturelle Mediatorin, Schwerpunkt Gender und Albanien. Tel. 340 4190141, ana.cela@libero.it
  • Adrian Luncke, Bereichsleiter 'Vielfalt und Miteinander' bei der OEW – Organisation für eine solidarische Welt. Tel. 0472 208208, adrian.luncke@oew.org
  • Verein Frauen Donne Nissà – Solidarität mit ausländischen Frauen. Cagliaristraße 22/a, 39100 Bozen, Tel. 0471 935444, donnenissa@dnet

Aus- und Weiterbildungen

Im Jugendhaus Kassianeum werden Veranstaltungen zur interkulturellen Arbeit angeboten.

Zum Weiterlesen und Vertiefen

  • Abdelouahed El Abchi: Zwei Kulturen ins Spiel bringen. Watten, Runda, Mau-Mau und Futak. Ein Beitrag zur Integration. Raetia 2008
  • Elisa Betti Pavone: Lebensgeschichten von Frauen. In sospensione tra due mondi, Hrsg. Region Trentino Südtirol
  • Johanna Ehlers, Ariane Bentner, Monika Kowalsczyk (Hg.): Mädchen zwischen den Kulturen. Anforderungen an eine Interkulturelle Pädagogik. Edition Hipparchia
  • Jugendzentrum Papperlapapp (Hrsg.): Intercult. Wissenschaftliche Grundlagen und Praxiserfahrungen zur interkulturellen Jugendarbeit. Ein- und Ausblicke für die Jugendarbeit in Südtirol. 2006
  • NEUE HEIMAT. Migration in Südtirol. Filmreihe auf DVD zu den Themen Migration und Arbeit, soziale Belange, Familie/Schule/Jugend, auszuleihen im Amt für Jugendarbeit
  • 4 = 1 vier Redewendungen - eine Bedeutung; der interkulturelle Monatskalender mit Redewendungen in Deutsch, Italienisch, Ladinisch und - Arabisch

Kontakte

Abdelhouahed El Abchi
Tel. 0471 413373
E-Mail: Abdelouahed.ElAbchi@provinz.bz.it

    Gianluca Battistel
    Tel. 0471 413382
    E-Mail: Gianluca.Battistel@provinz.bz.it