Archivale des Monats

August 2014: Kriegsjahr 1914 – Eine Propagandapostkarte des Witwen- und Waisenhilfsfonds

Sammlung Helene Oberleiter

Sammlung Helene Oberleiter (Nr. 484)

Bereits in der zweiten Augusthälfte - wenige Wochen nach Ausbruch des Ersten Weltkrieges - hatte das österreichisch-ungarische Heer nicht nur in Serbien, sondern vor allem in Galizien, wo Russland als Bündnispartner Serbiens den Österreichern entgegentrat, zahlreiche Gefallene und Verwundete zu beklagen. Nachdem die österreichisch-ungarischen Truppen erste Siege in Galizien,  wenngleich mit sehr hohen Verlusten, errungen hatten, wurden sie ab September zunehmend zurückgedrängt. Nach den ersten Kriegsmonaten waren bereits mehrere hunderttausend österreichisch-ungarische Soldaten gefallen, verwundet oder in Kriegsgefangenschaft geraten.
Der Tod einer so großen Zahl von Männern, darunter viele Familienväter, hatte auch für die Zivilbevölkerung schwerwiegende wirtschaftliche und gesellschaftliche Folgen. Bereits zu Kriegsbeginn waren das Kriegsfürsorgeamt und das Kriegshilfsbüro gegründet worden, mit dem Ziel, die Versorgung der Hinterbliebenen und der invaliden Soldaten zu gewährleisten. Die beiden Ämter durften Postkarten drucken lassen, durch deren Vertrieb sie zusätzliche Einnahmen erzielen konnten. Die Postkarten zeigten Propagandabilder des Krieges, wie etwa Abbildungen der eigenen heroisch kämpfenden Truppen oder auch satirische Darstellungen des Feindes. Als Beispiel hierfür steht eine Postkarte mit einem Werk der Künstlerin Isa Jechl, auf der ein Soldat schweren Herzens Abschied von seiner Frau und seinen Kindern nimmt, um in den Krieg zu ziehen. Der Erlös aus dem Verkauf dieser Postkarte aus dem Jahr 1914 war für den „Witwen- und Waisenhilfsfond nach Angehörigen der gesamten bewaffneten Macht" bestimmt.

Evi Pechlaner

PT

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