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Das Hieronymitanerkloster Josefsberg

Hieronymitanerkloster St. Josefsberg, Nr. 1

Um 1670 errichtete ein aus Schwaben stammender Eremit (Waldbruder) in einem entlegenen Gelände am Marlinger Berg eine Einsiedelei nahe einer Quelle, die zur Keimzelle des 1681 ebendort gegründeten Klosters St. Josefsberg werden sollte. Die namengebende Kapelle zum hl. Josef war eine Stiftung der Grafen Brandis. Josefsberg war die erste Niederlassung des in Spanien und Italien sehr erfolgreichen Hieronymiten-Ordens auf österreichischem Boden und entstand wie zahlreiche weitere Klöster im 17. Jahrhundert im Zuge der von den Habsburgern geförderten Gegenreformation.
Die Einsiedler-Mönche des hl. Hieronymus (Hieronymiten oder Hieronymitaner) stellten Gebet und Buße in den Mittelpunkt ihres Lebens, in einigen Ländern des Habsburgerreiches wirkten sie an der Rekatholisierung der Bevölkerung mit. Grundsätzlich gehörten die Hieronymiten aber zu den sogenannten kontemplativen Orden und daher wurde Josefsberg nur ein Jahrhundert nach seiner Gründung im Zuge der josephinischen Klosteraufhebungen wieder aufgelöst. Klostergemeinschaften, die der Gesellschaft bzw. dem Staat keinen augenscheinlichen und unmittelbaren Nutzen brachten, hatten in den Augen der Reformer rund um Joseph II. ihre Daseinsberechtigung verloren und wurden aufgehoben. Ihr Vermögen wurde eingezogen und dem neu eingerichteten Religionsfonds einverleibt, durch den zahlreiche neue Pfarreien und Seelsorgestellen, auch in entlegeneren Gebieten, gegründet werden konnten.
Auch im Falle von St. Josefsberg, das 1786 aufgehoben wurde und dessen Güter über einige Jahre ein Administrator verwaltete, hatten die zuständigen Behörden geplant, am Josefsberg bzw. für die Katastralgemeinde Quadrat (Quadrathöfe) eine neue Seelsorgestelle zu errichten. Einvernehmlich mit dem zuständigen Ordinariat in Chur wurde dieser Plan aber zu Beginn der 1790er Jahre fallengelassen. Am 11. Jänner 1793 informierte das Innsbrucker Gubernium unter Landesgouverneur Maximilian Christoph Freiherr von Waidmannsdorf das Kreisamt an der Etsch über die Entscheidung, keine neue Expositur am Josefsberg zu errichten und die bestehenden Pfarreien unverändert zu lassen. Im darauffolgenden Jahr wurde das ehemalige Klostergebäude an Private verkauft, womit für das Haus ein unstetes Schicksal mit wechselnder Nutzung und wechselnden Besitzern begann. Es diente als Bad, als Gasthaus, als Sommerfrischhaus, als Pension und schließlich als Zentrum für Personen mit Suchtmittelproblemen.

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PT

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