Forschungsprojekte

Die Absiedlung der Schwachen. Kranke, alte und pflegebedürftige Südtirolerinnen und Südtiroler 1939–1945

Gedenktafel an der Pfarrkirche von Oberammergau für 36 verstorbene Südtiroler, die im Rahmen der Umsiedlung der "Alten und Siechen" in einem dortigen Altersheim untergebracht waren. Foto: Ludwig Utschneider, Oberammergau, 2014

2011 wurde auf dem Gelände des Psychiatrischen Krankenhauses Hall in Tirol ein aufgelassener Friedhof aus den Jahren 1942 bis 1945 entdeckt. Ein von der Tiroler
Landesregierung initiiertes interdisziplinäres Forschungsprojekt sollte klären, ob es sich beid en Toten um Opfer der dezentralen NS-Euthanasie handelt.
In einem Teilforschungsprojekt des Südtiroler Landesarchivs, unterstützt von „Geschichte und Region/Storia e regione“, wurde der relativ hohe Anteil von Südtirolerinnen und Südtirolern unter den dort Bestatteten (etwa ein Viertel) untersucht.
Im Zuge der Option von 1939 waren knapp 600 psychisch kranke Südtiroler Optantinnen und Optanten für Deutschland in die Heil- und Pflegeanstalt Hall eingewiesen worden. Im Rahmen der Projektarbeit stellte sich aber heraus, dass zwischen 1940 und 1943 nicht nur psychisch Kranke, sondern auch alte und pflegebedürftige Menschen sowie Gehörlose (sog.Taubstumme) forciert abgesiedelt wurden. Das Nachfolgeprojekt „Die Absiedlung der Schwachen“ baut auf das Haller Projekt auf und
geht der Frage nach, wie es zur Absiedlung dieser, häufig unteren sozialen Schichten angehörenden Südtirolerinnen und Südtiroler kam. Ferner wird ihrem Schicksal im
Deutschen Reich und den Umständen ihrer Hospitalisierung und Psychiatrisierung nachgegangen und überprüft, ob sie Opfer von Zwangssterilisation oder des NS-Krankenmordes wurden.

Dieses Projekt wird von Mag. Dr. Stefan Lechner (Pfalzen) durchgeführt, die Ergebnisse sollen 2016 in der Reihe der „Veröffentlichungen des Südtiroler Landesarchivs“ im Druck erscheinen.

PT

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