Die Gretchenfrage: Museum, wie hast du's mit der Qualität?

Die Gretchenfrage: Museum, wie hast du's mit der Qualität?
Evelyn Kustatscher und Kathleen Bauer analysieren Ginko-Fossilien. Foto Naturmuseum Südtirol

So hätte es Goethes Faust wohl formuliert. Und so ähnlich lauten die Fragen in der musealen Leitbilddiskussion in Südtirol: Was ist ein gutes Museum? Welche Qualitätsstandards müssen eingehalten werden, um sich als solches bezeichnen zu dürfen? Und worin besteht der Unterschied zwischen einem Museum, einer Sammlung, einem Ausstellungsort oder ein Sammelsurium?

Ein Streifzug durch die Leitbilddiskussion in Südtirol, den Beitrag des Landes zum Erhalt und zur Förderung der Qualität der vielen unterschiedlichen Museen und Sammlungen unseres Landes und über die Neuigkeiten des neuen Landesgesetzes über die Museen und Sammlungen.

Die Museumslandschaft in Südtirol ist in den letzten Jahren stark angewachsen. Wir zählen über 80 Museen und Sammlungen (Stand Frühjahr 2017). Sie erstrecken sich beinahe über alle Täler, befassen sich mit Kultur, Kunst, Natur, Technik u.a. und stellen mit zirka einer Million Objekten ein reiches Kulturgut dar. Dazu kommen noch rund 60 kulturell hochwertige Ausstellungsorte, die jedoch nicht als Museum definiert werden können. Die musealen Strukturen des Landes sind also über 140. Sie weisen eine strukturelle Vielfalt auf (denkmalgeschützte Bauten, Burgen und Schlösser, neue Museumsbauten, Freilichtbereiche, u.a.) auf und unterschieden sich auch in Hinblick auf ihre Trägerschaft stark: Neben den Landes-, Stadt-, Gemeinde-, Diözesan- und Pfarrmuseen gibt es viele private Museumseinrichtungen, die überwiegend ehrenamtlich aufgebaut wurden und geführt werden. Und diese Vielfalt und eine angemessene Qualität der Museumsarbeit sollen auch in Zukunft erhalten bleiben.

Das Kulturgut ist also vorhanden. Aber ein gutes Museum braucht nicht nur gute Objekte. Mindestens ebenso wichtig ist, wie man das Kulturgut sammelt, wie man es aufbewahrt, die Forschung, publikumsorientierte Angebote und ganz allgemein die Wahrnehmung des Museums seitens des Publikums als Treffpunkt, Ort der Unterhaltung, der sinnvollen Freizeitgestaltung, als Bildungs- und Forschungsinstitution.

Die Museen und Sammlungen Südtirols äußerten daher den Wunsch nach einem gemeinsamen und richtungweisenden Konzept, das sie in ihrer Entwicklung begleiten und unterstützen sollte.

Vor diesem Hintergrund nahm die Abteilung Museen als Fachabteilung die Begleitung dieses Entwicklungskonzeptes als eine ihrer zentralen Aufgaben wahr.
Als erster Schritt wurden im Rahmen einer eigens dafür organisierten Fachtagung, dem ersten Südtiroler Museumstag im Jahr 2005, Grundsätze, Ziele und Visionen gesammelt und ausgearbeitet. Die

waren das Resultat dieser Überlegungen. Sie sind als Instrument und Orientierungshilfe zu sehen und sollen in der täglichen Museumsarbeit Anwendung finden sowie die Sammlungen und Museen bei ihrer Weiterentwicklung unterstützen.

Angesprochen wurden darin folgende Aspekte:

  • Definition von Sammlungen und Museen
  • Leistungen, Angebote und deren Vermittlung
  • Umgang mit Ressourcen
  • Organisations- und Führungsgrundsätze
  • Interne Kooperation und Kommunikation
  • Externe Kooperationen und Verhältnis zu Politik und Verwaltung

Das Entstehen von neuen musealen Strukturen und die Schwierigkeit, den nicht geschützten Museumsbegriff zu definieren, machten jedoch immer deutlicher, dass es weitere Orientierungsrichtlinien braucht, ohne solche Standards kann sich schließlich jede beliebige Struktur als Museum bezeichnen und damit werben. Braucht es also minimale Anforderungen für die Museumsarbeit? Und sollen diese verpflichtend eingeführt werden oder nur als Orientierung dienen? Sprich: Wie unterscheidet man ein Museum von einer Sammlung, einem Ausstellungsort oder von einer ungeordneten Sammlung? In vielen Ländern suchen Museumsfachleute nach Antworten auf diese Fragen.

Diesbezüglich sieh auch:

Auch die Südtiroler Museumswelt befasste sich im Laufe der vergangenen Jahre bei verschiedenen von der Abteilung Museen organisierten Aus- und Weiterbildungsveranstaltungen mit diesen Themen; erwähnt sei hier zum Beispiel der zweijährige Grundlehrgang Museumsarbeit: Referentinnen und Referenten aus den Landesmuseen vermittelten dabei theoretisches wie praktisches Wissen zum Aufgabenfeld im Museumsbereich - Sammeln, Bewahren, Ausstellen, Vermitteln und Forschen, während die Teilnehmenden in Workshops Konzepte und Methoden diskutierten, erprobten und Erfahrungen austauschten.

Das neue Landesgesetz über die Museen und Sammlungen

Das seit 5. Juli 2017 geltende neue Landesgesetz Nr. 6 vom 16. Juni 2017 über die Museen und Sammlungen entstand nach langjährigen Grundsatzdiskussionen, Überlegungen und Recherchen, aufgrund eines Vergleichs mit anderen Museumsgesetzen im europäischen Raum und in Anlehnung auf die Leitbilder der Südtiroler Landesmuseen und des Museumsverbandes Südtirol sowie ans geltende Landeskulturgesetz. Ausgearbeitet wurde der Entwurf von der Abteilung Museen zusammen mit Vertreterinnen und Vertretern von privaten Museen, Gemeindemuseen, kirchlichen Museen und Landesmuseen.

Ziele

Ziel des neuen Museumsgesetzes ist es, den Aktivitäten der Museen eine juridische Grundlage zu bieten, die den aktuellen Standards der musealen Praxis entspricht. Es ersetzt das veralterte Landesgesetz Nr. 38 vom 23. August 1988, das den grundlegenden Veränderungen im musealen Bereich der vergangenen 30 Jahre nicht mehr Rechnung trug.

Was sieht das neue Gesetz vor?

Der Internationale Museumsrat (ICOM) hat eine mittlerweile international anerkannte Definition von Museum und dessen Tätigkeit formuliert, worauf sich das neue Landesgesetz stützt. Es definiert zudem die Ziele, wonach sich das Land in der Förderung der Museen und Sammlungen orientiert; dabei berücksichtigt wird auch der soziale Beitrag, den sie im Rahmen der Südtiroler Autonomie leisten. Der Schwerpunkt liegt hier auf ihrer Rolle als Bildungseinrichtungen, die für Südtirol bedeutende Kulturgüter sammeln, aufbewahren und vor allem der lokalen Bevölkerung zur Verfügung stellen sowie Forschungsarbeit leisten.
Auf diese Ziele beziehen sich auch die allgemeinen Kriterien des Gesetzes. Diese regeln die Vergabe von Beiträgen seitens des Landes an die Museen und Sammlungen und an museale Vereinigungen.
Von Bedeutung ist weiters die Wiedereinführung des Museumsbeirats als beratendes Organ für die museumspolitische Ausrichtung. Er besteht aus Vertreterinnen und Vertretern aus dem Kultur- und Bildungsbereich.
Das Gesetz regelt außerdem die Aufgaben, die Organisation und die Finanzierung der Landesmuseen, die im Betrieb Landesmuseen vereint sind und das Ziel verfolgen, im Interesse einer demokratischen und offenen Gesellschaft eine kulturelle Vermittlungsarbeit zu leisten.

Ihre Ansprechperson:

Esther Erlacher
Tel. 0471 416834
E-Mail: esther.erlacher@provinz.bz.it