Kormoran

Kontrollen über den Verlauf der Kormoranpräsenz in Südtirol

In den 60er Jahren war der Kormoran in Mitteleuropa fast vollständig verschwunden. Auf Grund des Aussterberisikos  wurde die Vogelart in den 70ern unter Schutz gestellt. Die Folge dieser Schutzmaßnahmen war ein ständiger Anstieg der Populationen seit den 1980er Jahren. Ein solcher exponentieller Anstieg konnte für keine andere Vogelart beschrieben werden. Der notwendige Schutz des Kormorans hat im Laufe der letzten 30 Jahre dazu geführt, dass nun Fischarten vor dem Kormoran geschützt werden müssen.

Kormoran auf dem See

Der Kormoran in Südtirol

In Südtirol gehört der Kormoran nicht zu den Brutvögeln und ist hier nur im Winter anzutreffen. Er zieht im Herbst aus den großen Brutgebieten in Mittel- und Nordeuropa zu uns um im milderen Klima zu überwintern. Im Frühjahr ziehen die Vögel wieder nach Norden. Seit über 10 Jahren ist der Kormoran in den Wintermonaten mit etwa 50-100 Individuen, verteilt auf die Hauptflüsse (Etsch zwischen Meran und Salurn, Eisack zwischen Atzwang und Mündung)und den Kalterer See ständig präsent. In den letzten Jahren weitete sich das Vorkommen auf mehrere Gewässer, wie der Rienz zwischen St. Lorenzen und Olang und dem Franzensfester Stausee aus. Insbesondere im Jahr 2014/15 wurde das Wasserreservoir Kniepass (etwas außerhalb von St.Lorenzen) von 8 bis 25 Individuen regelmäßig bis Mitte April zur Nachtruhe genutzt.

Die Prädation des Kormorans auf die lokale Fischfauna

Die Fließgewässer der Provinz Bozen sind stark reguliert und durch menschliche Aktivitäten geprägt. Die Errichtung von Flussverbauungen in den letzten Jahrzehnten hat den geeigneten Lebensraum und die Wandermöglichkeiten vieler Fischarten stark eingeschränkt. Flussbegradigungen führen zu einem erhöhten Prädationsdruck auf die Fischfauna. Durch die fehlenden Unterstände des schlecht strukturierten Lebensraumes führt die Gruppenjagd des Kormorans zu hohen Verlusten in der lokalen Fischfauna.

Der Kormoran ernährt sich ausschließlich von Fisch und hat unter anderem aufgrund seiner Größe einen geschätzten Nahrungsbedarf von durchschnittlich etwa 500 Gramm Fisch pro Tag. Das bedeutet, dass die Anwesenheit von 100 Vögeln, einen täglichen mittleren Fischverbrauch von etwa 50 Kilogramm zur Folge hat. In der Regel spiegeln unsere Fließgewässer mit kleinen bis mittleren Wasserständen nicht das typische Habitat des Kormorans wider. Durch hohe Dichten verlagert sich das Jagdgebiet auf kleinere Gewässer und die Anwesenheit des effektiven Jägers kann zu hohen Schäden führen. Es ist anzunehmen, dass eine starke Präsenz des Kormorans nicht nur zu Konflikten mit der lokalen Fischerei führt, sondern auch ein ernstzunehmendes ökologisches Problem darstellt. Nationale und europäische Normen zum Schutz der biologischen Vielfalt und Lebensräume stehen im Konflikt mit der starken Präsenz des Kormorans. In Südtirol betrifft dies insbesondere gefährdete Fischarten wie die Marmorierte Forelle welche durch das „Natura-2000-Netzwerk“ geschützt werden. Sie repräsentiert zusammen mit der Äsche die autochthonen Salmoniden in den Südtiroler Fließgewässern. Vor allem die Äsche bietet durch ihre Gewohnheit, sich in Gruppen im deckungsarmen Hauptstrom aufzuhalten, eine bevorzugte Beute für den Kormoran.

In den letzten Jahren beklagen Fischer einen drastischen Rückgang der Fänge in der Etsch. Das Monitoring über die Fischfauna, welche vom Amt für Jagd und Fischerei seit mehreren Jahren durchgeführt wird, zeigt einen starken Rückgang der Fischgemeinschaft im Hauptfluss und erreicht drastisch tiefe Dichten vor allem im Flussabschnitt südlich von Bozen. Die Gründe für den starken Rückgang sind vielfältig und noch nicht eindeutig geklärt. Ursachen sind unter anderem die Strukturarmut, zu welcher die kanalähnliche Verbauung geführt hat und tagesrhythmische Unterschiede in der Wasserführung aufgrund von Wasserkraftwerken. Zu diesem Umstand kommt zusätzlich der Prädationsdruck des Kormorans, welcher in einem bereits geschwächten System zusätzlich einen stark negativen Einfluss auf die Fischfauna hat.

Dieser Einbruch der Fischbestände in der Etsch hat wahrscheinlich dazu geführt, dass der Kormoran auf fischreichere Gewässer ausweicht und sich wie bereits erwähnt die Beobachtungen im Vinschgau und Pustertal häufen.

Grafik Kormoranzählungen 2003-2016

Der Kormoran im Winter 2014/15

Die wöchentliche Überwachung der Schlafbäume ermöglicht einen guten Überblick der Kormoranpräsenz in Südtirol. Von Ende Oktober bis heute wurden in den fischereilich genutzten Gewässern zwischen 8 und 111 Kormorane gleichzeitig gezählt. Durch die hohe Flexibilität in der Raumnutzung schwankt die Präsenz des Vogels im Laufe des Winters: im November stieg die Abundanz kontinuierlich an und erreichte ihren Höhepunkt im Dezember mit 75 Individuen. Die Dichte nahm im Januar wieder ab, erreichte dann aber im März ihren Höhepunkt von 111 Tieren. In der Folge sank die Kormoranpräsenz und schwankte ab Anfang April zwischen 30 und 40 Tieren. Bis Ende Mai verblieben noch über 10 Individuen in unserer Region, dies zeigt einen jährlichen Anstieg der Aufenthaltsdauer an unseren Gewässern.
Wie bereits erwähnt haben sich die Vögel an der Rienz bei St. Lorenzen über den Winter dauerhaft angesiedelt. Gleichzeitig häufen sich aber auch Sichtungen in anderen Gewässern mit hoher Fischbiomasse, wie beispielsweise am Oberlauf der Etsch im Vinschgau.

Abschussmaßnahmen zur Abschreckung

Mit Dekret des Assessors für Forstwirtschaft der Provinz Bozen vom 8. Jänner 2013, Nr. 3/32.4 wurde ein 5 Jahres-Managementplan genehmigt, zum Schutz der heimischen Salmoniden in den Südtiroler Flüssen, nach den vorgeschlagenen Kriterien, der provinziellen Wildbeobachtungsstelle unter dem Beschluss Nr. 8 vom 8. März 2012. Dieses Dekret beinhaltet die selektive Entnahme einer begrenzten Anzahl von Kormoranen. Die Wildbeobachtungsstelle des Landes hat auf der Grundlage von technischen Berichten (Der Kormoran in Südtirol - 2013 und Monitoring und Kontrolle des Kormorans – 2014) folgende Kriterien zur Kormorankontrolle festgelegt:

  • Die Fortsetzung des Monitorings zur Überwachung der Kormorananwesenheit und die Entwicklung der Salmonidenpopulationen.
  • Die Erhöhung von Vergrämungsmaßnahmen an ausgewählten Orten, wo erhöhter Prädationsdruck eine Gefahr für Salmonidenpopulationen darstellt. Vergrämungen erfolgen entweder akustisch oder durch gezielte Abschüsse, beginnend im Spätherbst mit häufig wiederholten Aktionen um eine größtmögliche Störungswirkung zu erhalten.
  • Es dürfen maximal 15% der gezählten Kormorane gekeult werden, insgesamt aber nicht mehr als 10 Tiere während der gesamten Winterperiode. Die erlegten Tiere werden einer Mageninhaltsanalyse unterzogen.
  • Zur Erhaltung der heimischen Salmonidenarten soll die fischereiliche Entnahme, vor allem von Äschen und der marmorierte Forelle in der Etsch gesenkt werden.
  • Die getroffenen Maßnahmen müssen sorgfältig dokumentiert werden und am Ende des fünften Jahres wird ein vollständiger und umfassender Abschlussbericht erstellt.

Mit dem Start der Zählungen im Jänner 2015 konnte das Vorhandensein von größeren Kormorangruppen auf den Schlafbäumen bestätigt werden und der selektive Abschuss von befugten.

Zählungen
DatumUhrzeitLokalitätAnzahl Abschüsse
21/12/2014 10.00 Schlafbaum BZ sud 41 1
26/12/2014 09.00 Schlafbaum BZ sud 46 1
28/12/2014 08.45 Schlafbaum Ora-Egna 51 2
11/01/15 17.15 Schlafbaum BZ sud 9 1
04/02/15 17.15 Kniepass 22 2
11/02/15 17.20 Kniepass 18 1
16/02/15 07.30 Kniepass 18 1
18/02/15 17.30 Kniepass 19 1

Es kann gesagt werden, dass die durchgeführten Vergrämungsabschüsse keine relevant abschreckende Wirkung auf die Anwesenheit des Kormorans in Südtirol ergeben hat. Der tatsächlich beobachtete Rückgang in der dritten Märzwoche ist wahrscheinlich auf natürliche Schwankungen zurückzuführen und wurde bereits in den letzten drei Jahren festgestellt.