Apfeltriebsucht (Besenwuchs ) - Apple proliferation phytoplasma

Geschichtliche Entwicklung und Verbreitung

Die Apfeltriebsucht (Besenwuchs) zählt zu den wichtigsten Krankheiten im Apfelanbau. Die Krankheit wurde in den 1950er Jahren in den Regionen Veneto und Trentino erstmals beschrieben.

Auch im Südtiroler Obstbaugebiet ist die Apfeltriebsucht schon seit den 50er Jahren eine bekannte Pflanzenkrankheit, aber erst in den Jahren 1998 - 2000 trat sie – nach Jahren der Ruhe – in Intensivapfelanlagen, verstärkt in Erscheinung. Dabei waren vorwiegend Hügellagen und der Vinschgau betroffen.

Mit dem Auftreten des Sommerapfelblattsaugers 2005 musste im ganzen Südtiroler Obstbaugebiet eine starke Zunahme von erkrankten Bäumen festgestellt werden. Die Krankheit hatte sich insbesondere im Burggrafenamt und dem unteren Vinschgau zu einer ernsten wirtschaftlichen Bedrohung entwickelt, weshalb die Südtiroler Landesregierung im Mai 2006 ein Programm zur Bekämpfung der Apfeltriebsucht verabschiedete, welches unter anderem die Rodungspflicht symptomatisch erkrankter Bäume als eine der Maßnahmen zur Eindämmung dieser Pflanzenkrankheit vorsah.

Symptome

Die typischen Symptome der Apfeltriebsucht sind Hexenbesen (Triebsucht) und vergrößerte Nebenblätter. Im Frühjahr treiben erkrankte Bäume früher aus. Die Hexenbesen weisen ein gerötetes, schlecht ausgereiftes Holz auf. Weniger spezifische Symptome sind frühzeitige Rotlaubigkeit im Herbst, Chlorosen, Kleinfruchtigkeit sowie die Blüte im Herbst.

Übertragung

Beim Krankheitserreger handelt es sich um zellwandlose Bakterien (Phytoplasmen), welche nur in den Siebröhren (Phloem) der Pflanze vorkommen. Bekannte Überträger des Krankheitserregers sind der Weißdornblattsauger (Cacopsylla melanoneura) und vor allem der Sommerapfelblattsauger (Cacopsylla picta). Beide Arten bilden nur eine Generation pro Jahr und überwintern als Adulte auf Nadelgehölzen und kehren im zeitigen Frühjahr zur Kopulation und zur Eiablage auf die Wirtspflanzen zurück.

Die Apfeltriebsucht kann auch bei der Veredelung (Pfropfung) über infiziertes Veredelungsmaterial sowie durch Wurzelverwachsungen übertragen werden.

Bekämpfung

Eine direkte Bekämpfung der Apfeltriebsucht bzw. des Krankheitserregers ist derzeit nicht möglich, deshalb sind vorbeugende Maßnahmen von entscheidender Bedeutung.

In erster Linie gilt es die Vektoren zu bekämpfen. Der beste Zeitpunkt für die Bekämpfung des Weißdornblattsaugers ist zu Beginn der Eiablage bei Knospenaufbruch. Den Sommerapfelblattsauger bekämpft man am Besten unmittelbar nach der Nachblüte. Um die Ausbreitung der Krankheit vorzubeugen, ist es weiters notwendig, gesundes Pflanzgut zu verwenden.

Erkrankte Bäume stellen eine ständige Infektionsquelle dar und müssen daher umgehend und konsequent gerodet werden.

Gesetzliche Bestimmungen

In Italien wurde mit Ministerialdekret vom 23. Februar 2006 die obligatorische Bekämpfung der Apfeltriebsucht vorgeschrieben.

In Südtirol wurden ergänzende gesetzliche Maßnahmen mit Dekret des Amtsdirektors vom 13. Dezember 2016, Nr. 24113 erlassen. Gemäß Art. 1 dieses Dekretes gelten jene Pflanzen als symptomatisch erkrankt, die so genannte „Hexenbesen" oder wenigstens zwei der folgenden Krankheitssymptome aufweisen:

  1. vergrößerte Nebenblätter,
  2. Kleinfruchtigkeit,
  3. vorzeitiger Austrieb,
  4. frühzeitige Rotfärbung der Blätter.

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