Kartoffelzystennematoden

Die Zystennematoden der Kartoffel (Globodera rostochiensis und Globodera pallida) sind mikroskopisch kleine Fadenwürmer, die ursprünglich aus Südamerika stammen und vermutlich schon in der Mitte des 19. Jahrhunderts nach Europa eingeschleppt wurden. Bei den Zystennematoden handelt es sich um die wirtschaftlich wohl bedeutendsten tierischen Schädlinge der Kartoffeln. Sie sind weltweit verbreitet und können Ertragseinbußen von 30% bis 80% verursachen. Die Kartoffeln sind zwar die wichtigsten Wirtspflanzen, aber auch andere Nachtschattengewächse und zum Teil auch einige Vertreter anderer Pflanzenfamilien können befallen werden.

Biologie und Aussehen

Die Weibchen der Kartoffelnematoden behalten die 300 – 800 produzierten Eier im Körperinneren, bis die Weibchen anschließend absterben. Nach dem Absterben wandelt sich die Außenhaut in ein dunkles, braunes Gebilde, die so genannte Zyste um. In dieser Form können die Kartoffelnematoden im Boden auch ohne Wirtspflanze über mehrere Jahre überleben. Der Schlupf der Larve erfolgt erst, sobald sie durch bestimmte Stoffe in den Wurzelausscheidungen von Wirtspflanzen stimuliert werden. Dann dringen sie in die Wurzeln ein und entwickeln sich durch mehrere Häutungen zu geschlechtsreifen Tieren.

Schadbild

Die Schäden durch die Nematoden sind vom Boden, Klima und der Dichte des Befalls der Nematoden abhängig. Durch die Saugtätigkeit an den Wurzeln sowie durch Absonderungen der Nematoden wird die Nährstoffversorgung der Pflanze gestört.
Ein erstes Befallssymptom ist das schlechte Auflaufen der Kartoffeln, das meist Nesterweise oder in Bearbeitungsrichtung auftritt. Befallene Pflanzen bleiben im Wachstum zurück, vergilben und verkümmern. Befallene Pflanzen weisen oft struppige und stark verzweigte Wurzeln auf. Die Knollen bleiben im Vergleich zu gesunden Pflanzen in ihrem Wachstum deutlich zurück. Die Folgen sind empfindliche Qualitätsverluste und Ertragseinbußen. Insbesondere bei wiederholtem Anbau anfälliger Kartoffelsorten in enger Fruchtfolge kann der Befall rasch zunehmen, so dass ein wirtschaftlicher Kartoffelanbau bereits innerhalb weniger Jahre nicht mehr möglich ist.

Vorbeugende Maßnahmen und Bekämpfung

Kartoffelnematoden sind aufgrund ihrer widerstandsfähigen Zysten nur schwer zu bekämpfen. Zudem besteht die ständige Gefahr der Verschleppung der Zysten durch Wind und Wasser von befallenen Feldern. Auf lokaler und betrieblicher Ebene spielt die Verschleppung der Zysten mit Bodenbearbeitungsgeräten und Maschinen eine wichtige Rolle. Deshalb kommt der Feld- und Betriebshygiene als vorbeugende Maßnahme größte Bedeutung zu. Die im Betrieb und insbesondere die überbetrieblich verwendeten Maschinen und Geräte müssen daher nach Gebrauch stets sorgfältig gereinigt werden. Abfallerde vom Sortieren, die mit Nematodenzysten verseucht sein könnte, darf auf keinen Fall auf Ackerflächen, die für den Kartoffelanbau vorgesehen sind, ausgebracht werden.
Die größte Gefahr liegt in der Verwendung von befallenen Kartoffelknollen als Pflanzgut. Wichtigste vorbeugende Maßnahmen sind daher Hygienemaßnahmen und die Verwendung von zertifiziertem Pflanzgut, welches aufgrund pflanzengesundheitlicher Vorschriften auf Befallsfreiheit kontrolliert wurde.
Kartoffelnematoden sind typische Fruchtfolgeschädlinge. Durch eine mehrjährige Anbaupause zwischen zwei Kartoffelpflanzungen kann das Befallsrisiko bzw. die Befallsdichte deutlich verringert werden. Kartoffeln sollten daher höchstens alle 4 bis 5 Jahre auf der gleichen Fläche angebaut werden. Andere vorbeugende Maßnahmen, wie die Pflanzung von resistenten Sorten, sind ebenfalls wichtig, da die Möglichkeiten der chemischen Bekämpfung der Nematoden stark eingeschränkt sind.

Gesetzliche Bestimmungen

Als Quarantäneschädling unterliegen die beiden Kartoffelnematodenarten, Globodera rostochiensis und Globodera pallida, gesetzlichen Reglementierungen. Gemäß EU-Richtlinie 2007/33/EG, die in Italien mit dem Legislativdekret vom 8. Oktober 2010, Nr. 186, übernommen wurde, wurden Landesbestimmungen für Saat- und Speisekartoffeln erlassen.

Mit Dekret des Landesrates für Landwirtschaft vom 02.05.2012, Nr. 318/31.2, wurde das Programm zur Bekämpfung der Kartoffelnematoden für Südtirol festgelegt.

Befallssituation in Südtirol

Die Untersuchungsergebnisse belegen, dass die Zystennematoden auch im Südtiroler Kartoffelanbau präsent sind.