Tollwut

Tollwut
Bis heute konnte die Tollwut in Südtirol immer erfolgreich bekämpft werden.

(erstellt im März 2013)

Tollwutbekämpfung in Südtirol: ein Resümee der Jahre 2008-2013

2008 hatte sich die Tollwut über Slowenien auf das Gebiet der Region Friaul-Julisch Venetien ausgebreitet. Gegen Ende des Jahres 2009 war auch unsere Nachbarprovinz Belluno betroffen. Zu Beginn des Jahres 2010, am Höhepunkt der Tollwutausbreitung in Italien, hatte die Tollwut schließlich auch das Trentino und Südtirol erreicht. Ein Übergreifen auf Österreich oder die Schweiz konnte verhindert werden.
In Norditalien wurden zwischen Oktober 2008 und Februar 2011 insgesamt 287 Tollwutfälle bei Wild- und Haustieren verzeichnet. Hiervon betrafen 58 die Region Friaul-Julisch Venetien, 216 die Region Venetien, 8 die Provinz Trient und 5 die Provinz Bozen. Diese 5 Positivitäten wurden in nur drei Monaten in Fuchskadavern festgestellt, und zwar zwischen Ende April und Mitte Juni 2010 in den Grenzgemeinden Toblach (1 Fall) und Abtei (4 Fälle).
Durch prompte und angemessene Bekämpfungsmaßnahmen konnte die Tollwut ebenso schnell vom italienischen Staatsgebiet verdrängt werden, wie sie sich dort ausgebreitet hatte. Der allerletzte Fall wurde am 14. Februar 2011 in der Provinz Belluno bekannt.
Laut Definition der OIE (Weltorganisation für Tiergesundheit) und EU-Vorgaben gilt ein Land zwei Jahre nach dem letzten Fall von Tollwut als tollwutfrei. Dies trifft auf Norditalien zu und damit ist auch das Land Südtirol wieder offiziell tollwutfrei.
Alle seit dem Jahr 2009 in Südtirol geltenden Auflagen wurden zu Beginn des Jahres 2013 aufgehoben. Impfpflicht für Hunde, Impfpflicht für der Alpung in bestimmten Gebieten zugeführte Nutztiere und Ausbringung von Impfködern zur oralen Impfung der Fuchspopulation gehören damit der Vergangenheit an. Weiter bestehen blieben allerdings jene Bestimmungen, die schon vor dem Ausbruch der Tollwut gegolten hatten, nämlich die aktive Tollwutüberwachung durch Einsammeln und Analysieren von Tierkadavern und die gültige Tollwutimpfung für Heimtiere bei Auslandsreisen (EU-Heimtierausweis, bei Inlandsreisen nicht nötig).

Ausschnitte einer erfolgreichen Bekämpfungsaktion in Südtirol

  • Von der Weihnachtszeit 2009 bis Ende 2012 wurden insgesamt 8 Kampagnen zur oralen Impfung des Fuchses umgesetzt samt Verteilung von Informationsmaterial, Verbot der Jagd mit dem Hund, und unzähligen anderen parallel laufenden Tätigkeiten.
  • Nach jeder Impfkampagne für Füchse wurden Sonderabschusskampagnen organisiert, um laut EU-Vorgaben die Wirksamkeit der durchgeführten Fuchsimpfkampagnen zu überprüfen.
  • Zwischen 2010 und 2012 sind 3.064 Tierkadaver (beinahe 100% Wildtiere wie Füchse, Dachse, Marder) bei den Sammelstellen abgegeben und zur Untersuchung auf Tollwut ans nationale Referenzlabor für Tollwut in Legnaro (PD) eingesendet worden.
  • Zwischen 2010 und 2012 wurden an Hunden und Katzen insgesamt 52.396 Tollwutimpfungen vorgenommen.
  • Aufgrund des Impfgürtels zum Trentino und Belluno hin bzw. wegen der Alpung in Risikogebieten in Trentino, Belluno und Friaul erfolgten zwischen 2010 und 2012 allein an Rindern 44.058 Impfungen, an Schafen 5.639 und an Ziegen 2.388.

Impfpflicht für Hunde, Katzen und Frettchen?

Die Tollwutimpfung ist nur für Heimtiere verpflichtend, welche über die Staatsgrenze gebracht werden. Diese Hunde, Katzen und Frettchen müssen durch den EU-Heimtierausweis (sofern sie für ein EU-Land bestimmt sind) oder ein gleichwertiges Dokument begleitet sein. Man empfiehlt, sich frühzeitig beim eigenen örtlichen tierärztlichen Dienst und bei der Botschaft des Ziellandes über die Ein- und Ausfuhrbestimmungen für Tiere zu informieren. Man beachte, dass dies sowohl für die Hinreise, als auch für die Heimreise gilt.
Für Hunde, Katzen und Frettchen, die aus anderen italienischen Provinzen und Regionen nach Südtirol gebracht werden, ist die Tollwutimpfung nicht verpflichtend.

Was ist die Tollwut

Die Tollwut ist eine Krankheit, die durch ein Virus verursacht wird und bei nicht angemessener Behandlung immer tödlich ist.

Wie wird sie übertragen?

Das Virus ist im Speichel des erkrankten Tieres vorhanden und kann auf den Menschen übertragen werden durch einen Biss, Kratzwunden, das Lecken verletzter Haut oder wenn Speichel des infizierten Tieres mit den Schleimhäuten in Kontakt kommt.

Vorsichtsmaßnahmen

  • Vermeide jeglichen Kontakt mit wilden Säugetieren oder mit jeglichem unbekannten Tier, auch wenn es freundlich wirkt, und sorge dafür, dass Deine Tiere keinen Kontakt zum Wild haben.
  • Wende Dich an Deinen Vertrauenstierarzt, wenn Dein Hund oder Deine Katze ihr übliches Verhalten ändern oder ein ungewöhnliches Benehmen zeigen.

Symptome beim Tier

Ein tollwütiges Tier zeigt Verhaltensänderungen: Das wilde Tier verliert die natürliche Scheu vor dem Menschen, gutmütige Tiere werden aggressiv, es können jedoch auch nur Schwierigkeiten bei der Fortbewegung und Lähmungserscheinungen auftreten und letztendlich verendet das Tier. Es muss darauf hingewiesen werden, dass ein an Tollwut erkranktes Tier Symptome auch erst nach Wochen oder Monaten zeigen kann. Deshalb ist es nicht immer möglich, den genauen Zeitpunkt der Infektion festzulegen.

Im Fall eines Bisses

  • Wasche die Wunde (auch Kratzer oder kleine Wunden) mit reichlich Wasser und Seife 15 Minuten lang und desinfiziere anschließend mit Alkohol oder jodhaltigem Präparat: das verringert das Infektionsrisiko.
  • Wende Dich immer an die "Erste Hilfe" für die Wundversorgung! Beschreibe, wie der Biss sich ereignet hat. Falls notwendig wird der Arzt die Post-Expositions-Impfung gegen Tollwut verabreichen.
  • Erfolgte der Biss durch ein Haustier, ist es wichtig dieses zu identifizieren (das Tier wird 10 Tage lang einer sanitären Überwachung unterzogen).