Hauptinhalt

Interview mit dem Landesrat

.

Herr Landesrat, haben Sie je in Ihrem Leben daran gedacht, dass Sie zum einen in der Politik und zum anderen in der Landesregierung landen werden?
Eigentlich nicht. Bis zum Jahr 1993, als es um die Kandidatur eines Ladiners in der SVP ging. Da habe ich mir zum ersten Mal einschlägige Gedanken gemacht. Es gab schon Kandidaten, und deshalb freut es mich besonders, dass die Wahl zu meinenGunsten ausging. Dass ich in die Landesregierung komme, habe ich aber nie gedacht.

Haben Sie sich bewusst für den Bereich öffentliche Bauten entschieden, oder hätten Sie auch jeden anderen übernommen?
Ich kann mich glücklich schätzen, denn ich habe genau das bekommen, was mirgefällt. Jeden Abend freue ich mich, am nächsten Morgen wieder zur Arbeit gehen zukönnen. Wenn ich noch irgendwie eine Verbindung zum Bereich Zivilschutz hätte,wäre das für mich das Nonplusultra.

Der Straßenbau ist unübersehbar ein Schwerpunkt nach dem Übergang der Staatsstraßen auf das Land im Jahr 1998. Es sind also Jahre der großen Herausforderungen. Ist das nach Ihrem Geschmack?
Ja, ohne Zweifel. Denn wir wollen und müssen vieles besser machen als vor uns der Staat. Wir haben als Landesregierung eine Gesamtvision entwickelt und wollen die Schritt für Schritt umsetzen. Denken Sie an die Umfahrung von Naturns, das war eines der ersten großen Straßenbauvorhaben, das wir umgesetzt haben. Vieleweitere folgten, aber es ist immer noch einiges zu tun – vorausgesetzt, wir haben weiterhin das nötige Geld zur Verfügung.

Stichwort Geld. Sie waren früher ja Bankdirektor. Ist daher der Umgang mit Geld ein zentraler Aspekt in Ihrem Leben und in Ihrer Arbeit?
Ja, ich hatte immer mit Geld zu tun. Ich habe ein gewisses Gespür für große Summen. Aber es war immer Geld der Mitbürgerinnen und Mitbürger. Das war in der Bank so, und das ist in der öffentlichen Verwaltung nicht anders. Das darf man als Politiker nie vergessen.

Gibt es nicht doch vielleicht einen Unterschied zwischen Bank und öffentlicher Verwaltung? Die Bankkunden haben einen Namen, und viele von ihnen kennen Sie auch persönlich. Man weiß also, wessen Geld man anvertraut bekommt. In der öffentlichen Verwaltung kommt das Geld hingegen vom anonymen Steuerzahler. Ist man da nicht verleitet, etwas großzügiger auszugeben?
Ich gebe zu, dass man bei den riesigen Beträgen manchmal schon das Maß aus den Augen verlieren könnte. Aber mir ist das bewusst, und deshalb bemühe ich michsehr, verantwortungsvoll mit dem Geld der Steuerzahler umzugehen. Ich werde in diesem Bemühen auch sehr stark von meinen Mitarbeitern unterstützt.

Sie sind ein Quereinsteiger in der Politik und mussten daher nicht die üblichepolitische „Ochsentour“ mitmachen. Gibt Ihnen das mehr Freiheit in Ihrer Arbeit, oder müssen Sie als Quereinsteiger mehr Rücksicht nehmen auf dieses und jenes?
Zum ersten muss ich sagen, dass ich mich in der Landesregierung sehr wohl fühle,und ich schätze die seriöse Arbeit, die jeden Montag in der Regierungssitzunggeleistet wird. Zum zweiten: Ich wurde von Anfang an von meinen Kolleginnen und Kollegen angenommen und bin daher voll mit eingebunden. Mein Ressort verfügt erfreulicherweise über eine gewisse Autonomie. Dieseversuche ich zu nutzen und richtige Entscheidungen zu treffen. Und noch ein drittes: Der zu meinem Ressort gehörende Aufgabenbereich ladinische Schule und Kultur stellt für mich einen willkommenen Ausgleich dar, wenngleich ich zugeben muss, dass die Schule eine schwierige Materie ist.

Südtirol hat viele und gute Straßen. Kritiker sagen: zu viele und zu gute. Was sagen Sie?
Ich glaube nicht, dass wir zu viele haben. Unser Mobilitätsnetz orientiert sicheinerseits an den Sicherheitsanforderungen, andererseits an den Ansprüchen der Benutzer. In dieser Hinsicht ist noch einiges zu tun. Wir bauen kaum neue Straßen, sondern erneuern, verbessern oder verlegen in den allermeisten Fällen nur bereitsbestehende. Zugegeben, wir haben einen hohen Standard und wir tun viel für die Sicherheit und die Verbesserung der Lebensqualität, die vielen Ortsumfahrungen sind nur ein Beispiel dafür.

Ein Blick ins Privatleben: Sie haben drei Frauen zu Hause – Ihre Ehefrau undzwei Töchter. Was bedeutet Ihnen die Familie? Ist sie ein Gegengewicht zum Beruf?
Die Familie kommt ohne Frage an erster Stelle in meinem Leben. Die Arbeit kommtan zweiter Stelle, und das drittwichtigste für mich ist die freiwillige Feuerwehr. Ich habe große Freude mit meinen Töchtern, die mich auch schon zum mehrfachen Opa gemacht haben. Leider habe ich nicht so viel Zeit für die Familie, wie ich das gernhätte. In meinem früheren Beruf war das auch schon so, aber jetzt als Politiker wirddie
Freizeit noch knapper. Allerdings habe ich einen kleinen Trost: Die Entscheidung,ob ich in die Politik gehe mit all den Konsequenzen, diese Entscheidung hat meineganze Familie gemeinsam getroffen.

Sie haben Ihre Begeisterung für das Feuerwehrwesen bereits erwähnt. Und Sie waren sogar Feuerwehrkommandant. Sind Sie das, was man landläufig einen„Vereinsmeier“ nennt?
Ob man mich einen Vereinsmeier nennen kann, weiß ich nicht. Fest steht jedenfalls, dass mir die Feuerwehr sehr viel bedeutet. Ich bin seit 1969 aktives Mitglied der Feuerwehr Wolkenstein, und ich bin es auch heute noch. Mir gefällt das einfach.

Ihr Vater war Bauer, ihre Mutter war Bildhauerin, also Künstlerin. Ist das für Sie ein für die damalige Zeit seltenes Beispiel von Emanzipation?
Eigentlich schon. Wenn im Landtag über Emanzipation geredet wird, fällt mir immermeine Mutter ein. Für Gröden, das Tal der Holzschnitzer, war das allerdings eineeher natürliche Sache. Der Vater betreute die Landwirtschaft, und die Mutter setztedie Kunsthandwerkstradition ihrer Vorfahren fort. So sorgten damals schon beide für den Lebensunterhalt der Familie und ermöglichten uns einen relativen Wohlstand.

Aber trotz Tradition – der Schnitzerberuf ist doch im allgemeinen sehr stark männlich geprägt, oder?
Ja und nein. Ich erinnere mich an Fotos aus den dreißiger Jahren, auf denen meine Mutter als etwa 15jährige zusammen mit vielen anderen jungen Frauen beim Besuch der Schnitzschule in Wolkenstein zu sehen ist. Erst später ist der Anteil der Frauen in diesem Bereich zurück gegangen.

Hat die starke Mutterrolle auf Sie abgefärbt?
Bestimmt. Die Mutter ist und bleibt die Mutter. Sie war für uns fünf Kinder immer ein Vorbild in jeder Hinsicht – egal, ob sie Figuren schnitzte oder mit dem Vater auf dem Feld arbeitete.

Werfen wir noch einen Blick auf Ihre Schulzeit. Waren Sie ein guter Schüler, ein ruhiger oder eher ein aufgeweckter?
Ich war ehrlich gesagt kein besonders guter Schüler. Ich bin auch sitzen geblieben,wie man so sagt. Ich habe mich wohl doch etwas zu wenig mit dem Lernstoff und zuviel mit anderen Dingen beschäftigt in meinen jungen Jahren.

Ein Wort noch zu Ihrer engeren Heimat. Hat denn Ladinien in der Politik und in der Öffentlichkeit Südtirols jenen Stellenwert, der ihm aus Ihrer Sicht gebührt?
Ja, davon bin ich überzeugt. Gerade in den letzten zwei Generationen hat die Politikdiesbezüglich sehr viel bewegt. Zurückblickend stellen wir fest, dass doch sehr viele unserer Forderungen und Wünsche auch umgesetzt wurden, und dabei hat unsbesonders die deutschsprachige Bevölkerung des Landes immer sehr unterstützt. Als Minderheit haben sie nämlich mehr Gespür für die Anliegen einer anderen Minderheit. Den Ladinerinnen und Ladinern geht es in jeder Hinsicht sehr gut. Wirsind abgesichert, wir haben unsere Schulen und unsere Kultur, das ist das Wichtigste. Jetzt liegt es uns, diese Eigenart auch für die Zukunft zu erhalten.