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Pressemitteilungen

Verkehr | 21.03.2012 | 12:44

Anbindung Überetsch-Bozen: Metrobus überzeugt

Positiv überrascht und alles in allem vom Metrobussystem überzeugt ist die Delegation mit Landesrat Thomas Widmann und Vertretern der Gemeinden Bozen, Eppan und Kaltern aus Nantes zurückgekehrt. Der Metrobus sei kurzfristig zu realisieren, koste rund ein Viertel einer Tram und sei flexibler einsetzbar, so das Ergebnis der Studienfahrt nach Frankreich.

Die Stadt Nantes war als Ziel der Studienfahrt gewählt worden, weil hier gleich beide Systeme, die für eine effiziente Anbindung des Überetsch an Bozen im Gespräch sind, also Tram und Metrobus studiert werden konnten. Letzterer vereint die Vorzüge von Tram und Bus, kommt also etwa ohne Gleise aus. "Allerdings ist er nur dann effizient, wenn er über Vorzugsspur und Vorfahrtsregelung verfügt, demnach also nicht nur kurze, sondern auch stabile Fahrzeiten bieten kann", so Landesrat Widmann heute. Auch sei es notwendig, dass für die Anbindung des Überetsch ein Verkehrsmittel mit einer hohen Frequenz eingesetzt werde, die Wartezeiten also minimiert würden.

Bei der Anbindung des Überetsch problematisch ist, dass sich ein Großteil des Verkehrs - derzeit 30 Prozent der rund 25.000 Autos, die täglich nach Bozen einpendeln, sowie 25 Prozent der rund 3000 Fahrgäste der öffentlichen Verkehrsmitteln - auf eine Stunde in der Früh konzentriert, während sich der Rest des Verkehrsaufkommens weitgehend gleichmäßig über den Tag verteilt. "Was wir brauchen, ist demnach ein sehr dichter Takt zu den Stoßzeiten, der mit einer Tram nur sehr schwer realisierbar ist", so Widmann.

Neben dieser Flexibilität sprechen laut Günther Burger, Experte im Mobilitätsressort des Landes, drei weitere Gründe für den Metrobus. So machten die Investitionen für einen Metrobus nur ein Viertel bis ein Drittel jener für eine Tram aus. Dazu könne eine Metrobusverbindung bereits in einem Zeitrahmen von rund eineinhalb Jahren verwirklicht werden, während die Einrichtung einer Tramlinie rund fünf Jahre in Anspruch nehme. Schließlich seien die Betriebskosten einer Tram doppelt so hoch wie jene für einen Metrobus. Als Beispiel fügte Burger an, dass allein die Anschaffung einer Tramgarnitur rund 3,5 Millionen Euro koste. "Um diesen Preis kann man etwa fünf Busse kaufen, die letztendlich über eine doppelt so hohe Kapazität verfügen wie die Tram", so der Mobilitätsfachmann.

Einen weiteren Vorteil fügte Landesrat Widmann an. Während eine eingleisige Tramlinie kaum sinnvoll sei, könnten Engstellen von einem Metrobus problemloser bewältigt werden. "Steht nur eine Spur zur Verfügung, sorgt ein intelligentes Ampelsystem für einen reibungslosen Ablauf", so Widmann. Zudem könne auf der Metrobus-Strecke in einem zweiten Schritt auch eine Tramlinie entstehen, und zwar zu weit geringeren Kosten. "Das könnte dann eine Überlegung sein, wenn die Nachfrage dermaßen steigen sollte, dass ein Metrobus sie nicht mehr zu bewältigen imstande ist", erklärte der Landesrat, der in der Landesregierung für die Mobilität zuständig ist.

Zustimmung zum Metrobus gab's nach der Studienreise nach Nantes auch von den Vertretern der Gemeinden. Wilfried Trettl, Bürgermeister von Eppan, etwa zeigte sich positiv überrascht und bezeichnete den Metrobus als ideale kurz- und mittelfristige Lösung. Auch Judith Kofler Peintner, Verkehrsreferentin der Stadt Bozen, wolle sich in ihrer Gemeinde für einen Metrobus stark machen, wobei sie als Vorteil vor allem die kurzfristige Realisierbarkeit als Vorteil nannte. Den "Traum" von einer Tram wolle sie dennoch nicht aufgeben, so Kofler Peintner. Der Kalterer Gemeindereferent Raimund Fill betonte schließlich, dass der Metrobus die flexiblere Lösung darstelle, für beide Systeme aber in jedem Fall eine Vorzugsspur zwischen Kaltern und Bozen notwendig sei.

Landesrat Widmann skizzierte heute auch den Fahrplan für eine Lösung des Verkehrsproblems zwischen dem Überetsch und Bozen. Demnach solle innerhalb der nächsten zwei Monate eine Lösung in Absprache zwischen Land und Gemeinden gefunden werden. Ein Metrobussystem könne dann - Modul für Modul - in rund drei Jahren auf die Beine gestellt werden, wobei ein erstes Modul bereits nach einem Jahr realisiert werden solle.

(chr)