
Die Ausstellung
Michael
Pacher und sein Kreis
1498 - 1998
Ein Tiroler Künstler der europäischen Spätgotik
Im Rahmen des Pacher-Gedenkjahres 1998 organisiert das Südtiroler Kulturinstitut - Kulturservice im Auftrag der Südtiroler Landesregierung im Kloster Neustift bei Brixen eine Ausstellung zu Michael Pacher und seinem Kreis.
Es ist dies die bislang größte Zusammenschau des Werkes Michael Pachers und stellt dieses zugleich in das Umfeld seiner unmittelbaren Vorläufer, Kollegen, Schüler und Nachfolger.
In das Konzept der Ausstellung fließen die neuesten Erkenntnisse der kunstgeschichtlichen Forschung und verwandter Fächer ein. Die in Fachkreisen mitunter heftig geführte Debatte über Zuordnung und Bedeutung einzelner seiner Werke wird auch bei der Aussstellung in Neustift für manche Überraschung- und beim Symsposion in Bruneck für einige Diskussion sorgen.
Michael Pacher ist in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts eine der führenden Künstlerpersönlichkeiten im deutschsprachigen Raum. Seine Doppelbegabung als Maler und Bildschnitzer läßt ihn alle seine Zeitgenossen überragen.
Die erste Ausbildung erhielt Michael Pacher gewiß in seiner Heimat. Sicher waren ihm die Werke von Meister Leonhard von Brixen, Hans von Bruneck und dem Meister von St. Sigmund vertraut. Die Wanderjahre führten den jungen Pacher wohl nach Schwaben, wo er nicht nur mit der süddeutschen Kunst jener Jahre, sondern auch mit der niederländischen Malerei und Skulptur in Berührung kam. In Padua wurde dann die Begegnung mit der oberitalienischen Kunst, insbesondere den Werken Andea Mantegnas, Donatellos und Filippo Lippis zum Schlüsselerlebnis. Die italienischen Maler beherrschten die Darstellung des menschlichen Körpers und die Perspektive. Nach Hause zurückgekehrt, kam es bei Michael Pacher zu einer überzeugenden Synthese italienischer und nordischer Anregungen, die in zahlreichen Aufträgen ihren Niederschlag fand.
Um das Werk Michael Pachers einordnen zu können, zeigt die Ausstellung in Neustift zahlreiche Arbeiten seiner Vorläufer, darunter
Den Kern der Ausstellung bilden eine Reihe von Hauptwerken Michael Pachers, so z.B. Tafeln, Skulpturen und Reliefs vom St. Lorenzner Altar, vom Salzburger Altar, vom St. Wolfganger Altar und vom Grieser Altar.
Einen weiteren wesentlichen Teil der Ausstellung stellen die Werke aus dem unmittelbaren Umkreis des Meisters dar. Dies sind Arbeiten seiner engsten Mitarbeiter Friedrich Pacher und Meister von Uttenheim, sowie von Marx Reichlich:
Da in den letzten Jahrhunderten vielfach Werke verkauft, geplündert und verschenkt wurden, gerieten sie in den Besitz von Privatsammlern und Museen aller Welt. Das umfangreiche Werk befindet sich heute zwischen Dublin und Jerusalem sowie New York und Adelaide in Australien. Ernstmals seit dem Barock wird nun versucht, diese zerstreuten Teile von Altären, Altarblättern, Flügeln und Schreinfiguren wieder, wenn auch nur für kurze Zeit, zusammenzuführen.
Höhepunkte sind dabei sicher:
Mit derart prominenten Leihgaben der National Gallery London, Szépmüvészeti Múzeum Budapest, Österreichische Galerie Belvedere Wien, Bayrisches Nationalmuseum München u.a. m. wird die Ausstellung in Neustift die internationale Expertengemeinschaft ebenso interessieren wie alle kunstbeflissenen Laien. Darüber hinaus aber soll diese Ausstellung besonders auch die einheimische Bevölkerung bzw. die Menschen in jenem Raum ansprechen, in dem Michael Pacher seine Spuren hinterlassen hat und bis heute als einer der bedeutendsten Repräsentanten der eigenen kulturellen Tradition geschätzt wird.
Unter der wissenschaftlichen Leitung von Univ. Prof. Dr. Artur Rosenauer wurde ein Ausstellungskonzept erarbeitet, das nicht nur den aktuellen Stand der internationalen Forschung reflektiert, sondern auch gestalterische Impulse gesetzt, die vor dem einheimischen wie vor dem internationalen Publikum bestehen können.
Die Ausstellung findet vom 25. Juli 1998 bis zum 31. Oktober 1998 im Chorherrenstift Neustift, Vahrn, statt und ist täglich von 10 bis 18 Uhr geöffnet.
Der Ausstellungskatalog ist in deutscher und italienischer Sprache erhältlich.