Auf den Spuren Michael Pachers


Die Ausstellungsstraße

Die Michael Pacher - Ausstellung in Kloster Neustift arbeitet bewußt nur mit Originalen und bringt so in alle Welt verstreute Werke des Meisters und seines Umkreises wieder nach Tirol zusammen. Zahlreiche Arbeiten, wie z.B. Fresken und Altäre können aber nur vor Ort besichtigt werden. So wurde, um diesen wesentlichen Teil des damaligen Kunstschaffens nicht einfach zu übergehen, eine Ausstellungsstraße geplant, die zu rund 30 Kunstwerken zwischen Bozen und Assling in Osttirol führt, und erstmals in Südtirol, und noch dazu grenzüberschreitend, das Prinzip der Ausstellungsstraße verwirklicht.

Die Stationen der "Pacher-Route" werden mit Hinweistafeln und Textstelen markiert und in einer eigenen Broschüre beschrieben. Diese dient nicht nur als kunsthistorischer Führer der Ausstellungsstraße, sondern bietet neben dem Hinweis auf weitere Sehenswürdigkeiten auch nützliche Informationen zu Öffnungszeiten und -modus. Bei den Stationen handelt es sich größtenteils um Pfarrkirchen, die man meist geöffnet findet, oder um Dorfkirchen, die von einem Messner betreut werden, der auch den Schlüssel verwahrt.

Ziel der Ausstellungsstraße ist es, neben den Tafeln und Skulpturen der Aussstellung in Neustift auch das Freskenwerk Pachers und seines Kreises zu zeigen. Zugleich erhält man durch die Arbeiten von Meister Leonhard von Brixen, Hans von Bruneck und dem Meister von St. Sigmund auch einen Einblick in die Kunst, die Michael Pacher in seinen jungen Jahren geprägt und die seinen "künstlerischen Nährboden" gebildet hat.

Tirol stand im Mittelalter als bedeutendes Durchzugsland auch künstlerisch unter verschiedenen Einflüssen. Direkte Handels- und Verkehrswege nach Schwaben, Böhmen und Oberitalien führten zu Kontakten mit der jeweiligen Kunst: der bodenständige und bäuerlich-knorrrige Stil in Tirol stieß auch weiche und fließende Formen aus Böhmen und perspektivisch genau konstruierte und beobachtete Raumbühnen in Oberitalien. Vor diesem Hintergrund läßt sich dann auch die Größe des Meisters Michael Pacher erkennen, in dessen Kunst es zu einer überzeugenden Synthese aus nordischer und oberitalienischer Kunst kam. Diese bestand insbesondere in der Vermischung von nordischem Detailreichtum und südlicher Bildkonstruktion.

Ein Höhepunkt der Pacher-Route ist sicherlich die alte Pfarrkirche in Bozen-Gries mit dem Marienkrönungsaltar von Michael Pacher. Der Schrein dieses Altars ist noch zur Gänze erhalten. Einen weiteren Höhepunkt bildet der Domikanerkreuzgang in Bozen, der mit Fresken von Friedrich Pacher geschmückt ist. Auch Brixen und Umgebung kann mit einigen Kunstwerken aufwarten. So z.B. die Freskenausstattung des Brixner Domkreuzganges von Leonhard von Brixen und Hans von Bruneck oder das Fassadenfresko an der Nikolauskirche in Aicha von Friedrich Pacher.

Weitere Highlights findet man in Bruneck und Umgebung, wo neben Michael und Friedrich Pacher auch Simon von Taisten und Hans von Bruneck tätig waren. Sehenswert sind außerdem die Gewölbeschlußsteine der Pfarrkirche Taisten und ein Fresko über dem Südportal der Stiftskirche Innichen.

Besonders lohnenswert ist auch ein Abstecher nach Osttirol, wo die Kirchen St. Justina und St. Korbinian in Assling gleich vier Kunstwerke aus dem direkten Umfeld Pachers und einen Altar des Meisters von St. Sigmund bieten.

 

Von Bruneck aus werden ab Juli 1998 von hiesigen Reiseunternehmen folgende Fahrten bzw. Führungen entlang der Pacher-Route angeboten. Nähere Auskünfte erteilt der Tourismusverein Bruneck am Autobahnhof.

1. Führungen

- durch Bruneck mit Besuch der Pacher Werkstatt, der originalen mittelalterlichen Trinkstube

u.a. Sehenswürdigkeiten der Stadt;

- rund um Bruneck (Fraktionen mit Sehenswürdigkeiten aus der Pacherzeit)

2. Halbtagesfahrten entlang der Route

- Oberes Pustertal bis Innichen

- Unteres Pustertal bis Brixen und Neustift (incl. der Pacher Ausstellung)

- Ahrntal bis Hl. Geist (Prettau)

- Bozen (Grieser Altar)

Die Fahrten werden wöchentlich einmal bei einer Mindestzahl von zwölf Teilnehmern durchgeführt.

3. Tagesfahrt nach St. Wolfgang am Wolfgangsee (OÖ) und Salzburg

Von Juli bis Oktober 1998 wird einmal monatlich eine Tagesfahrt nach St. Wolfgang am Wolfgangsee zum Besuch des Pacher Altares (einschließlich der Besichtigung der Madonnastatue von Michael Pacher in der Franziskanerkirche in Salzburg) angeboten. Die Fahrt wird durchgeführt, wenn sich mindestens zwölf Teilnehmer melden.

Alle Führungen und Fahrten werden von ausgebildeten Reiseleitern betreut.

Die Eröffnung der Ausstellungstraße erfolgt am 25. Juni 1998.


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