Die gotische Trinkstube in der Brunecker Stadtgasse (Apotheke)

"Treten wir also ohne Bedenken ein in die ehrwürdige Kneipe, in welcher vor 300 Jahren die Edlen und Bürger von Bruneck ein leibliches Werk der Barmherzigkeit an sich selbst geübt haben."

(Volks- und Schützenzeitung 1861, David von Schönherr)

Die gotische Trinkstube in Bruneck dürfte wohl die einzige noch im Originalzustand von 1526 erhaltene im ganzen deutschen Sprachraum und darüber hinaus sein. Es handelt sich hierbei um einen ebenerdigen, tonnengewölbten Raum, der mit den Wappen und Sprüchen der Zecher 1526 von Ulrich Springenklee ausgemalt wurde. Diese Zecher waren Adlige der Umgebung, denen der Bürger Veit Sell sein Haus öffnete. Wir finden unter ihnen wohlklingende Namen wie etwa Mohr zu Ainned, Rost, Jöchl, Kern, Wolkenstein, Künigl u.v.a. Der Grund für die Errichtung der Trinkstube ist wohl in der Zeitsituation zu finden: die Bauernkriege waren soeben vorüber und der Adel, der schon einiges seiner Macht verloren hatte, fand nun auch den Weg in die Städte, allerdings sonderte er sich immer noch vom "niederen" Volk ab und zechte lieber mit seinesgleichen. Die Grundmauern des Hauses, in dem sich die Trinkstube befindet, das sog. Apothekerhaus (Stadtgasse 43), gehen auf die Mitte des 13. Jh. zurück und fallen somit in die Zeit, in der Bruneck zur Stadt erhoben worden ist. Als erster Besitzer ist uns Christoph an der Lucken (Florianitor) um 1466 bekannt. Um 1526 gehörte es dem obengenannten Veit Sell, dessen Nachkommen die unteren Stöcke im Jahre 1591 so umbauten, wie sie heute erhalten sind.


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