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Biodiversität

Biodiversität bezeichnet die Mannigfaltigkeit an Lebensformen, Lebens- und Landschaftsräumen sowie Lebensprozessen. Sie ist eine grundlegende Voraussetzung für das Gleichgewicht in der Natur und somit für das Überleben des Menschen.
Man unterscheidet:

  • Genetische Vielfalt: Signifikante Variationen innerhalb und zwischen den Populationen von Arten;
  • Artenvielfalt: Anzahl verschiedener Arten in einem bestimmten Raumausschnitt;
  • Lebensraumvielfalt: Vielfalt an Lebensräumen in Landschaften.

Unbestritten ist die Bedeutung der Biodiversität für den Menschen. Von der optimalen Zusammensetzung der Biodiversität hängt die Funktionsfähigkeit des Naturhaushaltes (zum Beispiel Nahrungskreislauf), der Abbau von Schadstoffen, der Schutz des Bodens vor Erosion ab und die Schönheit der Landschaften und so weiter. Maßnahmen zur Bewahrung der biologischen Vielfalt sollten Teil jeglichen menschlichen Handelns und aller Kulturen sein. Wie notwendig Bemühungen sind, um die Biodiversität in Europa zu bewahren, wird an folgenden Entwicklungen deutlich:

Verlust an Pflanzen und Tierarten

Die Populationen zahlreicher Arten nehmen trotz Anstrengungen im Naturschutz weiter ab. Mittlerweile geht selbst die Anzahl von Individuen weit verbreiteter Arten wie der Gartengrasmücke und der Feldlerche zurück. In Europa sind 50 Prozent der vorkommenden Säugetierarten und ein Drittel der Reptilien-, Fisch- und Vogelarten bedroht. Bei den Pflanzen sind 3000 Arten gefährdet. Darunter finden sich auch 27 Arten, die vor dem Aussterben stehen.

Rückgang an hochwertigen natürlichen Lebens- und Rückzugsräumen

Der Artenschwund hängt sehr eng mit dem Rückgang an natürlichen oder naturnahen Lebensräumen zusammen. Die Flussökosysteme und Mündungsgebiete sind europaweit sehr stark beeinträchtigt. Die heute noch vorzufindenden Flächen an Mooren, Heide- und Steppenlandschaften weisen nur mehr einen Bruchteil ihrer ursprünglichen Ausdehnung auf. Ihr Rückgang wird je nach Mitgliedstaat auf 60-90 Prozent geschätzt. Die Dünen sind seit Anfang dieses Jahrhunderts in Italien um 75 Prozent zurückgegangen.

Zusammenbruch der landwirtschaftlichen Nutzung in peripheren Lagen

Besonders betroffen sind traditionelle und extensive Nutzungsformen und in der Folge die daraus hervorgehenden ökologisch besonders wertvollen Lebensräume der Kulturlandschaft (zum Beispiel Streuobstwiesen, Eichenhaine, Kastanienhaine, Feuchtwiesen, Buckelwiesen, Bergheuwiesen, Halbtrockenrasen).

Die Intensivierung der menschlichen Tätigkeit auf ausgedehnten Flächen

Zu erwähnen sind die landwirtschaftliche Tätigkeit in Gunstlagen, die Forstwirtschaft, das Siedlungswesen, die Energiewirtschaft und der Bau von Infrastrukturen. Damit verbunden ist die Zerstörung oder Zerschneidung von naturnahen Lebensräumen und ihre Isolierung voneinander.
(Quelle: Generaldirektion XI, 1996)

Die Europäische Union nimmt derzeit eine Fläche von circa drei Millionen Quadratkilometer ein. Nach einer Schätzung finden sich auf dieser Fläche mehrere tausend Lebensraumtypen, 150 Säugetier-, 520 Vogel-, 180 Reptilien- und Amphibien-, 150 Fisch-, 10.000 Pflanzen- und rund 100.000 Wirbellosenarten. Europa ist folglich viel mehr als eine politische Gemeinschaft. Europa ist auch ein Naturraum von unschätzbarem Wert, einzigartig und sensibel gleichermaßen.

Südtirol ist ein naturräumliches "Vermittlerland": im Zentrum der Alpen auf deren Südabdachung gelegen, bildet Südtirol die Schnittstelle zwischen den Süd- und Nordalpen sowie dem östlichen und westlichen Teil der Gebirgskette. Zahlreiche mediterrane Arten haben hier ihre nördliche Verbreitungsgrenze und treffen auf die letzten Areale nordalpiner Arten. Ferner leben in Südtirol verschiedene Relikte voreiszeitlicher Wärmeperioden und Rückwanderer der Nacheiszeit.
Ein hoher Anteil der Südtiroler Landesfläche ist Berggebiet. Da dort eine intensive Erschließung nicht möglich ist, bedingt dies in weiten Teilen einen geringen Grad an menschlicher Beeinträchtigung. Südtirol erweckt daher den Anschein eines weitgehend naturnahen Landes.
Dennoch sind laut der Roten Liste Südtirols rund 41 Prozent der heimischen Tierarten bedroht. Damit liegt Südtirol im europäischen Mittelfeld. Die intensive Nutzung der Tallagen und die damit einhergehende Vernichtung, Zerschneidung und Isolierung von Restbiotopen sind der Hauptgrund für diese Entwicklung.

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(Letzte Aktualisierung: 25.08.2010)