Ensembleschutz

Ensembleschutz

Ensembles spiegeln die Geschichte und das Zusammenspiel von Mensch und Natur wieder und tragen durch ihre Eigenart zur lokalen und regionalen Identität bei.

Viele Gemeinden besitzen ein hohes Maß an kulturell äußerst wertvoller Substanz, welche aber nicht unbedingt unter Denkmal- oder Landschaftsschutz gestellt ist.

Durch die Einführung des Instrumentes Ensembleschutz besteht nun auch für die Gemeinden die Möglichkeit selbst aktiv die Bewahrung ihrer baulichen, landschaftlichen und kulturellen Schätze in die Hand zu nehmen.

Koordiniert wird der Fachbereich Ensembleschutz durch die Landesabteilungen Natur, Landschaft und Raumentwicklung und Denkmalpflege.

Definition Ensembleschutz

Ensembles sind per Definition keine Einzelobjekte, sondern stellen ein Zusammenspiel von mehreren Objekten („Gesamtanlagen“) dar, welche die Geschichte und das Zusammenspiel von Mensch und Natur widerspiegeln und durch ihre Eigenart zur lokalen und regionalen Identität beitragen.

Das Landesraumordnungsgesetz definiert Ensembles als „Gesamtanlagen, insbesondere Straßen, Plätze und Ortsbilder sowie Parkanlagen samt Gebäuden, einschließlich der mit solchen Gesamtanlagen verbundenen Pflanzen, Frei- und Wasserflächen, an deren Erhaltung aus wissenschaftlichen, künstlerischen oder heimatgeschichtlichen Gründen ein besonderes öffentliches Interesse besteht“. In den von der Landesregierung im April 2004 beschlossenen Maßnahmen zur Umsetzung des Ensembleschutzes sind außerdem zehn Kriterien für die Festlegung von Ensembles angeführt. Damit ein Ensemble als solches geschützt werden kann, müssen mindestens zwei dieser Kriterien zutreffen.

Landschaften und Dörfer verändern sich ständig und oft sehr schnell. Dabei besteht die Gefahr der Vereinheitlichung und damit der Verlustes der Vielfalt. Das kulturelle Erbe ist besonders durch menschliche Eingriffe gefährdet. Hierzu zählen beispielsweise Immobilienspekulationen oder unüberlegte Anpassungen an den Massentourismus, welche die Individualität und jeweilige Identität der Orte zerstören. Maßnahmen für den Erhalt und für eine kreative Weiterentwicklung der Stadtbilder unter Wahrung ihrer Unverwechselbarkeit und Eigenart sind daher dringend notwendig.

Der Ensembleschutz ist eine Strategie der Raumentwicklung, die beitragen kann, diesen Gefahren entgegenzutreten. Schutz- und Erhaltungsmaßnahmen sind deshalb für diejenigen Elemente nötig, die besonders typisch sind und welche zusammen als Ensemble betrachtet werden können. Für die Ensembles sind individuell angepasste Maßnahmen erforderlich, welche sich auf Integration gründen, offen für neue Entwicklungen sind und zur Schaffung bzw. Wiederherstellung attraktiver Orte beitragen.

Hauptanliegen des Ensembleschutzes

Hauptanliegen des Ensembleschutzes ist es, die Eigenart und Identität eines Ortes zu erhalten und zu fördern.

Entgegen der weit verbreiteten Befürchtung will der Ensembleschutz die wirtschaftliche Nutzung nicht einschränken und ebenso wenig ist er mit einem absoluten Bauverbot verbunden. Beim Ensembleschutz geht es vor allem darum, jene Elemente herauszufiltern, die das Ensemble bestimmen und charakterisieren und für diese geeignete Bewahrungs- und Schutzmaßnahmen zu definieren. Für den Rest des Ensembles müssen Richtlinien erstellt werden, wie im Falle eines Um- bzw. Weiterbaus vorgegangen werden kann, um einerseits die Charakteristik des Ensembles nicht zu zerstören, andererseits aber den Besitzern die vom Raumordnungsgesetz vorgesehenen Erweiterungs- und Umbaumöglichkeiten weitgehend zu erhalten. Der Ensembleschutz ist also keine statische, rein konservierende Schutzmaßnahme, sondern erlaubt fast immer ein Weiterbauen und ein Weiterentwickeln der Landschaft. Indem er aber Vorgaben für zukünftige Eingriffe definiert, wirkt er der Gefahr des Identitätsverlustes und der Vereinheitlichung entgegen.

Ensembleschutz ist als Instrument der Raum- und Stadtentwicklung aufzufassen und umzusetzen, mit dem Entwicklungsmaßnahmen in sensiblen und besonders wertvollen Bereichen koordiniert werden können. Ein gut ausgearbeiteter Ensembleschutzplan bringt sowohl den Bauherren als auch den Gemeinden Vorteile. Die Bauherren wissen, welche Charakteristika des Ensembles auch für die Allgemeinheit wertvoll sind, worauf bei Umbauten zu achten ist und auf welche Aspekte bei der Projektgenehmigung besonders geachtet wird. Die Baubehörden, also die Gemeinden, erhalten hingegen Normen und Richtlinien, welche die Entscheidungsfindung und später die Begründung einer Projektgenehmigung oder -ablehnung erleichtern. Insgesamt trägt der Ensembleschutz also dazu bei, die jeweilige örtliche Identität und das kulturelle Erbe für zukünftige Generationen zu erhalten.

Unterschied Ensembleschutz - Denkmalpflege und Landschaftsschutz

Im Gegensatz zum Denkmal- und zum Landschaftsschutz wird der Ensembleschutz von der Gemeinde initiiert und umgesetzt.
Viele Gemeinden besitzen kulturell wertvolle, aber nicht geschützte Bauten und Anlagen. Durch den Ensembleschutz haben die Gemeinden nun die Möglichkeit, aber auch die damit verbundene Verantwortung, selbst jene Objekte zu schützen, die für Ihr Selbstverständnis wichtig sind und ihre Dorf- und Landschaftsidentität bestimmen.

Obwohl es beim Ensembleschutz inhaltlich zu Überschneidungen mit dem Denkmal- bzw. Landschaftsschutz kommen kann, gibt es doch große Unterschiede zwischen den Schutzinstrumenten: Vom Landschaftsschutz grenzt sich der Ensembleschutz vor allem durch das Vorhandensein von Elementen ab, die von Menschenhand geschaffen wurden. Der Unterschied zum Denkmalschutz besteht vor allem darin, dass für diesen das Vorhandensein kunsthistorisch wertvoller Elemente für eine Unterschutzstellung ausschlaggebend ist und man meist nicht nur die Fassade, sondern auch das Innere eines Gebäudes - wie zum Beispiel Gewölbe oder Malereien - bewahren will.

Der Ensembleschutz richtet das Augenmerk nur auf das äußere Erscheinungsbild einer Anlage, wobei auch der affektive Wert der Objekte eine Rolle spielen kann. Dies bedeutet, dass es sich bei Ensembles in der Regel um mehrere miteinander in Beziehung stehende Objekte oder um eine Verbindung von architektonischen Elementen mit Elementen der Natur- oder Kulturlandschaft handelt.