Ufer und Feuchtgebiete ohne Gehölze

Ufer und Feuchtgebiete ohne Gehölze
Wollgras im Naturdenkmal Samerberg-Moos, Proveis

Moore

Moorgebiete (Externer Link) sind äußerst naturnahe Vegetationskomplexe, die sehr gut untersucht sind. Im Alpenraum handelt es sich oft um Relikte der Nacheiszeit, die dieselben morphologischen und mikroklimatischen Eigentümlichkeiten der einstigen Lebensräume aufweisen. Am selben Standort sind je nach Entwicklungsstadium oft verschiedene Moortypen nebeneinander anzutreffen, sowohl ombrotrophe (Hochmoore) oder minerotrophe (Niedermoore) oder häufiger deren Übergangsstadien (Zwischenmoore) .

Diese sensiblen Lebensräume dürfen nicht beeinträchtigt werden. Sollen insbesondere Hoch- und Zwischenmoore und ihre umliegenden Gewässer als intakte Lebensräume erhalten bleiben, ist das Prinzip des Nicht-Eingreifens die beste Garantie. Im Falle von Niedermooren, die sich oft an Hängen ausbilden, ist es dagegen oft ratsam, Sträucher und Bäume, aber auch Schilf (Phragmites australis) zurückzudrängen. Eine abgestimmte und regelmäßige Mahd kann sich ebenfalls günstig erweisen beim Erhalt von Feuchtlebensräumen, die zunehmend schwinden, wie die Pfeifengraswiesen (6410) oder die klassischen Groß- und Kleinseggenriede.

Eine extensive (niemals intensive!) Beweidung, die mit einer Wild-Äsung vergleichbar ist, kann fallweise neue ökologische Mikro-Nischen schaffen (hier sei angemerkt, dass das Rotwild oft regelrechte Wasserlöcher verursachen kann, was die floristische Zusammensetzung im betreffenden Abschnitt maßgeblich verändert). Im Allgemeinen führt ein schwacher Tritt zu einem Erosionsereignis, welches weniger verbreiteten Arten zugute kommt und so die allgemeine Artenvielfalt erhöht. Bei ausgedehnten und komplexen Moorsystemen mit einem intakten Zentralbereich (im besten Fall mit Wasserlöchern oder offenen Wasserflächen) kann sich eine abwechslungsreiche Pflege der Randbereiche positiv auf den Lebensraum als Gesamtes auswirken. Im Hinblick ihrer Funktion als Wasserreservoire und als spezielle Lebensräume vieler seltener Arten mit besonderen ökologischen Ansprüchen ist die Gefährdung dieser Lebensräume generell als sehr hoch einzustufen. Moore, insbesondere die ombrotrophen, stellen ein außergewöhnliches Datenarchiv vergangener Klimaepochen dar. Im Hinblick auf die globale Klimaveränderung kann daher ein Monitoring der Moore sehr nützlich sein. Moore reagieren auf Verschmutzungen und Schwankungen des Grundwasserspeigels sehr empfindlich, aber auch auf Betritt. Aus diesem Grund sollten Naturpfade durch das Moor auf speziell angefertigten Holzstegen führen. In der Nähe von Straßen sollte der Salzeintrag in Moorsenken verhindert werden.

Zu guter Letzt sei erwähnt, dass Moore Teile eines hydrologischen Netzwerkes sein können, auch wenn sie aufgrund menschlicher Eingriffe oder der natürlichen geomorphologischen Entwicklung voneinander getrennt erscheinen. Auf Planungsebene ist es daher wichtig, nicht nur das Moorgebiet sondern das gesamte Wassereinzugsgebiet zu berücksichtigen, um indirekte Veränderungen in der Wasserversorgung zu vermeiden. Als Indikator für die floristische Wertigkeit kann die Anzahl an seltenen und Rote Liste-Arten (Externer Link) herangezogen werden, während die Anzahl an Vegetationseinheiten als Indikator für die Lebensraumvielfalt sowie zur Beurteilung der Integrität verwendet werden kann. Sie muss aber im Verhältnis zur Flächenausdehnung berechnet werden. Dank ihres Status als geschützte Lebensräume können Moore maßgeblich zur Schönheit der Landschaft beitragen, obwohl sie in floristischer Hinsicht arm erscheinen (insbesondere auf ausschließlich silikatischen oder sehr sauren Substraten).

Feuchtgebiete und Sümpfe

Abgesehen von der eigentlichen Wasservegetation fließender oder stehender Gewässer spielen alle Lebensräume, in denen der Faktor Feuchtigkeit ausschlaggebend ist, eine bedeutende biogeographische Rolle. Dies trifft auch dann zu, wenn diese auf kleine Überbleibsel reduziert sind oder mehr oder weniger stark durch Eutrophierung oder andere störende Einflüssen degradiert sind. Die Existenz von Feuchtstandorten ist von grundlegender Bedeutung für die Nahrungskette und für die Fortpflanzung einiger Invertebraten, aber auch für die Makrofauna (Externer Link) (manchmal begnügen sich Amphibien mit kleinen temporäreren Wasseransammlungen, wie z. B. Traktorspuren im Feld).

Jedes noch so kleine Feuchtgebiet ist für die Biotopvernetzung eines Berggebietes essentiell und zwar auch dann, wenn es sich um Wassergräben oder Rinnsalen in landwirtschaftlichen Nutzflächen handelt. Dies bedeutet, dass auf Planungsebene die möglichen negativen Folgen eines weiteren Verlustes an Feuchtlebensräumen in Betracht gezogen werden müssen, auch wenn die ökologische Wertigkeit der Einzelflächen sehr gering erscheinen mag. Da großflächige Entwässerungen und die Intensivlandwirtschaft einen wesentlichen Teil der Biodiversität (sowohl von einzelnen Arten als auch von Gesellschaften) zerstört haben, wäre die Schaffung neuer sekundäre Feuchtgebiete, wo immer möglich, ein Gebot der Stunde. Auf diese Weise könnten eine partielle Renaturierung und die Wiederherstellung ökologischer Funktionalitäten erreicht werden.

Um verschiedenartige Habitate zu erhalten sind vielfach Pflegemaßnahmen erwünscht und angebracht. Dabei sollten die Maßnahmen nicht zu homogen ausfallen und dennoch eine geordnete Pflege ermöglichen. Dies gilt auch für bewaldete Lebensräume (Schwarzerlen-Wälder (Externer Link), Gehölze mit Salix cinerea) (Externer Link), deren Wichtigkeit unbestritten ist. Dies darf jedoch keinesfalls auf Kosten der krautigen Restbestände gehen. Anzustreben wäre auch die Beurteilung des gesamten Einzugsgebietes anstatt des einzelnen Standortes allein. Um besonders sensible oder für eine Aufwertung bzw. Renaturierung geeignete Standorte ausfindig zu machen, sollte das Vorkommen von Rote-Liste-Arten herangezogen werden. Obwohl einige Lebensräume von der EU noch nicht als prioritär eingestuft wurden, sind sie es de facto aufgrund ihrer Seltenheit. Dies ist z. B. bei den Pfeifengraswiesen der Fall, die bereits auf sehr schmale Randbereiche reduziert und meist einer übermäßigen Düngung ausgesetzt sind. Vielfach sind sie bereits in andere Habitat-Typen mit wesentlich geringerem ökologischem Wert umgewandelt worden, welche allerdings eine höhere Produktivität für Viehfutter aufweisen.