Naturmuseum: Projekt „Lebensraum Etsch“ und „Gredleriana 4“ vorgestellt

LPA - „Lebensraum Etsch“ – so nennt sich ein gemeinsames Projekt der Landesabteilung Wasserschutzbauten, des Naturmuseums in Bozen und der Landesabteilung Natur und Landschaft zur Dokumentation der noch unzureichend bekannten und erforschten Pflanzen und Tiere entlang der Etsch von Meran bis Salurn. Das Projekt und die neue Ausgabe der wissenschaftlichen Zeitschrift des Naturmuseums Südtirol "Gredleriana”, die sich auch der Erforschung der Flora uns Fauna an der Etsch widmet, wurden gestern ,18. Mai 2005, im Naturmuseum vorstellt.

Durch die Regulierung der Etsch im 19. Jahrhundert sind viele natürliche Lebensräume wie Sand- und Schotterbänke, Pionier- und Verlandungsflächen sowie Auwälder größtenteils unwiederbringlich zerstört worden. Dennoch finden wir ökologisch wertvolle Lebensräume, die Rückzugsgebiete für viele Pflanzen- und Tierarten darstellen.
Im Rahmen des Projekts „Lebensraum Etsch“ werden Flora und Fauna entlang des Flusses von Meran bis Salurn untersucht. Der Präsident der Südtiroler Landesmuseen, Bruno Hosp, die Vizedirektorin des Landesamts für Landschaftsökologie, Maria Luise Kiem, der Direktor der Landesabteilung Wasserschutzbauten, Rudolf Pollinger, Willigis Gallmetzer von der Landesabteilung Wasserschutzbauten und der Direktor des Naturmuseums Vito Zingerle haben das Projekt im Detail vorgestellt.
An neun verschiedenen Standorten, wie z.B. Schilfgürtel, Trockenwiesen, Gehölzstreifen, Auwaldreste oder Schotterinseln wird die Flora und Fauna erhoben. Untersucht werden Vegetation und die unterschiedlichsten Tierarten wie zum Beispiel Heuschrecken, Ameisen, Laufkäfer, Buckelfliegen, Spinnen, Weberknechte, Vögel, Fische, Fledermäuse und Schmetterlinge.
Ziel des Projektes „Lebensraum Etsch“ ist es, die Pflanzen- und Tierwelt entlang der Etsch genauestens zu dokumentieren. Die Daten der Ergebnisse werden in die digitale „Verbreitungsdatenbank“ des Naturmuseums zur Fauna und Flora Südtirols eingetragen, in der alle in Südtirol vorkommenden Pflanzen- und Tierarten gespeichert werden.
Die Ergebnisse der Untersuchungen liefern für die Abteilung Wasserschutzbauten Hinweise für die Verbauungs- und Instandhaltungsmaßnahmen, damit entlang der Etsch gezielt auf die Tier- und Pflanzenwelt Rücksicht genommen werden kann und wenn möglich Lebensräume auch verbessert oder revitalisiert werden können.
Insgesamt beliefen sich die Spesen für die Untersuchungen in den Jahren 2002 und 2003 auf etwa 85.000 Euro.
Der Schriftleiter der wissenschaftlichen Zeitschrift „Gredleriana“, Heinz Schatz von der Universität Innsbruck, präsentierte den vierten Band der Schrift. Besonderer Wert wird auf eine Vielseitigkeit der Themen gelegt, um der Biodiversität des Landes Rechnung zu tragen. Auch der vierte Band versucht dieser Vielseitigkeit gerecht zu werden. Den Schwerpunkt der vorgestellten Arbeiten bilden Ergebnisse von Untersuchungen im Rahmen des Projektes „Lebensraum Etsch“.
Neben vegetationskundlichen Erhebungen werden wirbellose Tiere und Wirbeltiere beschrieben. Darüber hinaus beinhaltet dieser Band Arbeiten zur Flora in Südtirol. Die Umstrukturierungen in der Verwaltung der Südtiroler Museen haben auch Veränderungen in der Herausgabe der Gredleriana bewirkt. Ein aus international anerkannten Fachleuten zusammengesetztes Redaktionskomitee begutachtet jeden eingelangten Beitrag. Das Naturmuseum Südtirol tauscht die „Gredleriana“ mit rund 300 Schriftentauschpartnern auf der ganzen Welt. Damit werden zahlreiche Universitäten und Institute mit den neuesten Forschungsergebnissen aus Südtirol versorgt. Gleichzeitig kommt somit spannende Literatur aus der ganzen Welt in die Bibliothek des Naturmuseums, die allen interessierten Lesern zur Verfügung steht. Die neue Gredleriana ist ab sofort im Naturmuseum Südtirol und auch im Buchhandel zum Preis von 25 Euro erhältlich.
Im Anschluss an die Buchvorstellung referierte Peter Huemer über Schmetterlinge an der Etsch.

SAN