Klimaerwärmung in den Bergen: Untersuchung am Ortler

LPA - Wenn sich die Gletscher zurückziehen, kann wertvolle seit Jahrhunderten im Eis gespeicherte Informationen über Klima und Umwelt definitiv ausgelöscht werden. An einer Eiskappe des Ortlers hat deshalb ein Forscherteam koordiniert vom Byrd Polar Research Center der Ohio State University in Columbus (USA) und vom Hydrographischen Amt des Landes Untersuchungen durchgeführt. Die Ergebnisse wurden kürzlich in der bekannten internationalen Glaziologie-Zeitschrift „ Journal of Glaciology“ veröffentlicht.

Die Forscher bei den Untersuchungen am Ortler

„Die Zusammenarbeit zwischen lokalen Behörden und international arbeitenden Forschungszentren, die entstehende Synergien optimal nutzen, sind die Voraussetzung um wichtige Erkenntnisse in so einer komplexen Materie zu erhalten“, sagt Hanspeter Staffler, Leiter des Landeszivilschutzes in Südtirol. Dies sei besonders für eine nachhaltige Planung in Südtirol, wo der Klimawechsel deutlich erkennbar sei, grundlegend, unterstreicht Staffler.

„Der Schnee, der sich im Laufe der Jahrhunderte am Gipfel des Ortlers abgelagert hat, birgt Informationen über chemische und physische Eigenschaften der früheren Luftzusammensetzung und dieser natürliche Registrierungsprozess erfolgte regelmäßig bis 1980“, erklärt Paolo Gabrielli, Forscher an der Ohio State University und erster Autor der Studie.

Die rasche Erderwärmung in den vergangenen 30 Jahren hat jedenfalls eine immer stärkere Schmelzung des Oberflächenschnees bewirkt und durch das Eindringen des Schmelzwassers in die darunter liegenden Schneeschichten wird möglicherweise die erste und die letzte Klima- und Umweltaufzeichnung der Ostalpen gelöscht, so die Ansicht der Forscher. Auch für die kommenden Jahrzehnte weisen die Klimavorhersagen auf eine weitere deutliche Erwärmung in den Alpen hin. Deshalb würde eine verspätete Untersuchung des Eiskerns die Vollständigkeit und folglich den wissenschaftlichen Wert der Untersuchung schmälern, sagen die Wissenschaftler.

Bereits 2009 haben die Forscher ihre Untersuchungen am Ortler begonnen. Sie wurden dabei von der Suldner Bergrettung unterstützt. Auf knapp 4000 Meter Höhe, am Gipfel des Ortlers wurden Proben genommen und Beobachtungen an der Schneeoberfläche durchgeführt, um auch die Eisdichte festzustellen, welche mit 70 Metern angegeben wird. Die Schneeschichten lagern zahlreiche chemische Zusammensetzungen ein, die von trockenen und nassen Ablagerungen (Schneefall) herrühren. Die Untersuchung dieser chemischen Ablagerungen gibt den Forschern Aufschluss über den Umfang derselben und auch über den Einfluss der Umweltverschmutzung in hohen Lagen der Ostalpen.

„Die Massenhaushalte der vergangenen zwei Klimajahre sind besser als jene auf anderen Gletschern, die in Südtirol untersucht wurden“ erläutert Roberto Dinale vom Hydrographischen Amt des Landes. Diese Tatsache beruht laut Dinale aber auf einer Schwankung im Klimatrend, welcher in den nächsten Jahren auch bis in hohen Lagen den Gletschern in den Alpen stark zusetzen wird. Weitere Untersuchungen, die am Ortler durchgeführt werden betreffen die Schwankungen in der Lufttemperatur, die untere Grenze des Restschnees im Sommer, die Ausdehnung des Gletschers sowie der Zustand des Permafrosts in den eisfreien Bereichen des Ortlers.

Das Forschungsprogramm am Ortler wird dank der Unterstützung der Landesabteilung für Zivilschutz und dem Hydrographischen Landesamt in Zusammenarbeit mit dem Byrd Polar Researche Center der Ohio Universität (USA), dem Institut für Geologie und Paleontologie der Universität Innsbruck, der Universität Padua–Ressort für Territorium und land- sowie forstwirtschaftliche Systeme, der Universität Pavia, der Universität und dem Institut für die Dynamik von Umweltprozessen (IDPA) des nationalen Forschungsrates von Venedig, der Remote Sensig Gruppe der Europäischen Akademie, der Landesabteilung Forstwesen und dem Landesamt für Geologie und Baustoffprüfung des Landes durchgeführt. Das Trientner Museum für Naturwissenschaften und das Kulturinstitut der Marcelline-Schule in Bozen starten nun ein Projekt, um die Forschungsergebnisse Schülern, Lehrern und allen Bürgern in der Region Trentino Südtirol zu vermitteln.

SAN

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