Forstschutz im Vinschgau: Schädlinge auf Birken, Kastanien und Kiefern

LPA - Verfärbte oder abgestorbene Kiefern an den Sonnenhängen im Vinschgau, vor allem zwischen Latsch und Spondinig: "Der übliche Verdächtige Kiefernprozessionsspinner ist daran unschuldig", heißt es aus dem Forstinspektorat Schlanders. Die Schwarzkiefer (Pinus nigra), auch Schwarzföhre genannt, ist nämlich derzeit vom "Kleinen Waldgärtner", einer Borkenkäferart, befallen.

Birken zeigen wegen der Blattfleckenkrankheit bereits jetzt eine herbstliche Färbung.

Ab dem Frühsommer zeigten sich bei einigen Bäumen in den Schwarzföhrenforsten Austrocknungserscheinungen und Verfärbungen, einzelne Bäume starben auch ganz ab. Durch Kontrollen der Förster konnte ein Befall durch den Kleinen Waldgärtner (Tomicus minor) festgestellt werden. In geringer Dichte, erklären die Förster, ist dieser Borkenkäfer stets in Südtiroler Föhrenbeständen vorhanden, und es kommt jährlich auch zu geringen Schädigungen durch "Reifungsfraß" an den Trieben der Föhren. Es ist aber selten und erstmals auch an Schwarzföhren zu beobachten, dass durch den so genannten "Brutfraß" an den Stämmen die Wipfel oder auch ganze Bäume absterben. Generell kann sich dieser Borkenkäfer nur in bereits etwa durch starke Trockenheit geschwächte Bäume einbohren; er neigt nicht zu Massenvermehrungen, Gegenmaßnahmen sind aber kaum möglich beziehungsweise sinnvoll. Augenscheinlich ist dort weniger Befall, wo durch Durchforstungen die Bestände gepflegt wurden.

Ein anderer Schädling, der Kiefernprozessionsspinner (Thaumetopoea pinivora), von dem in den vergangenen Jahren immer wieder Massenvermehrungen zu verzeichnen waren, "steht unter genauer Beobachtung", vermeldet das Forstinspektorat Schlanders. In Zusammenarbeit mit der Universität von Padua werden derzeit drei Projekte vorangetrieben: Einerseits wird durch Pheromonfallen - Behälter mit Lockstoffen - der Falterflug überwacht. Das wurde auch in den vergangenen Jahren immer durchgeführt. So kann Zeit und Dauer des Falterfluges kontrolliert und auf die Anzahl der Falter geschlossen werden. Nachdem die Befallsfläche und Befallsintensität in den vergangenen Jahren stetig abgenommen hat, werden nun auch die natürlichen Gegenspieler systematisch untersucht. An Standorten bei Latsch und Schlanders, erläutern die Förster, werden das ganze Sommerhalbjahr über im Zweiwochen-Rhythmus Fallen für Raupenfliegen aktiviert und zwei Tage später entleert; an der Universität werden die genaue Art und Anzahl dieser Raupenfliegen – wissenschaftlich Tachiniden - untersucht. Verschiedene Raupenfliegen sind höchstwahrscheinlich wichtige Parasiten der Prozessionsspinner, die deren Vermehrung deutlich bremsen. In einem dritten Bereich werden die Eigelege - die Gespinste - der Prozessionsspinner untersucht. Dabei sind die Anzahl der Eier pro Eigelege und deren Absterberate wichtige Untersuchungsgrößen.

Die Umwandlung der Schwarzföhrenaufforstungen in naturnahe Mischbestände zeigt jedenfalls Wirkung, unterstreichen die Förster; der Forstdienst wird diese seit mehr als zehn Jahren laufende Umstrukturierung auch weiterhin betreiben. Gegenspieler können nämlich besser in Mischbeständen mit Laubholz gedeihen. Der "Kleine Waldgärtner" etwa hat in Mischwäldern mit weniger, dafür aber gesunden Föhren kaum Chancen.

Zwei weitere Schädlinge, erklärt das Forstinspektorat Schlanders, sind noch erwähnenswert: Die Kastaniengallwespe (Dryocosmus kuriphilus) hat sich stark ausgebreitet und das ganze Gebiet der Edelkastanie befallen. Auf der Schattseite des Vinschgaus verleiht heuer ein Pilz - die Marssonina-Blattfleckenkrankheit - vor allem den Birken bereits jetzt eine Herbstfärbung.

Bei Fragen oder Beobachtungen können jederzeit die forstlichen Dienststellen kontaktiert werden.

Das Forstinspektorat Schlanders - mit den Forststationen Schlanders, Graun, Latsch, Mals und Prad am Stilfserjoch -
hat seinen Sitz in der Schlandersburgstraße 6 in Schlanders, Telefon 0473 73 61 20 oder 0473 73 61 21, Fax 0473 73 61 29, E-Mail Forstinspektorat.Schlanders@provinz.bz.it,
Web: http://www.provinz.bz.it/forst/verwaltung/83.asp?intOrga_id=1074

LPA/mac

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