Müllverwertungsanlage in Bozen in Betrieb: Modernste ihrer Art

Mit einer der modernsten Restmüllverwertungsanlagen in ganz Europa kann Bozen seit heute (24. Juli) aufwarten. In der neuen Anlage in Bozen Süd werden der in Südtirol anfallende Müll verbrannt und dabei Strom und Wärme für bis zu 20.000 Haushalte produziert. Landeshauptmann Luis Durnwalder und Landesrat Florian Mussner haben die Anlage heute offiziell in (Probe-)Betrieb genommen.

LH Durnwalder und LR Mussner besichtigen mit Bauten-Abteilungsdirektor Valentino Pagani bei der Besichtigung der Restmüllverwertungsanlage. Foto:DiKOM/ohn.

Gemeinsam und nachhaltig werden Gemeinden und Land künftig den anfallenden Müll in ganz Südtirol verwerten. "Wir haben schließlich die Verpflichtung gegenüber unseren Nachkommen, Boden, Wasser und Luft zu schützen, und zwar auch mit Hilfe der nötigen Infrastruktur", betonte Landeshauptmann Durnwalder heute bei der Inbetriebnahme der Anlage im Süden der Landeshauptstadt. Auch deshalb habe die Landesregierung noch im Laufe der Bauphase Verbesserungsvorschlägen zugestimmt: "So nehmen wir heute eine hochmoderne Anlage in Betrieb, die sich - davon bin ich überzeugt - in jeder Hinsicht bewähren wird", so Durnwalder. Nicht zuletzt auch in einer umweltpolitischen: "Rechnet man die Emissionen der Anlage gegen jene auf, die entstehen würden, um auf konventionelle Art so viel Strom und Wärme zu erzeugen, fällt ihre Umweltbilanz eindeutig positiv aus", so der Landeshauptmann.

Bauten- und Umweltlandesrat Mussner betonte dagegen, dass die Anlage das Müllkonzept des Landes vollende: "Wir setzen auf Müllvermeidung, wir trennen Müll und verwerten ihn wieder, doch was als Restmüll anfällt, wurde bisher häufig noch auf Deponien entsorgt", so Mussner. Mit der Inbetriebnahme der Verwertungsanlage in Bozen habe diese Art der Entsorgung ein Ende: "Die Anlage ist auf jährlich 130.000 Tonnen Restmüll ausgelegt, sobald alle Bezirke ihren gesamten Müll anliefern, schöpft die Anlage schon jetzt 90 Prozent ihrer Kapazität aus", erklärte heute der Landesrat. Die höchste Qualität, auf die man beim Bau gesetzt habe, liefere zudem die nötigen Garantien für die Bevölkerung.

Diese höchste Qualität sei es auch gewesen, die die Stadt Bozen als Standortgemeinde der Anlage stets eingefordert habe, betonte Bürgermeister Luigi Spagnolli. "Und wir sind der Landesregierung dankbar, dass sie unseren Forderungen nachgekommen ist, auch wenn sich dies auf die Kosten der Anlage ausgewirkt hat", so Spagnolli. Arno Kompatscher, Chef des Gemeindenverbandes, ging dagegen heute auf die Frage steigender Mülltarife ein: "Müssen die Bürger nun über die Tarife die neue Anlage bezahlen?", fragte Kompatscher und bejahte diese Frage für jene Bezirke, die ihren Müll bis dato auf Deponien entsorgten. Kompatscher betonte aber auch: "Eine solche Tariferhöhung ist aber nichts anderes, als die Einführung der Kostenwahrheit in der Abfallentsorgung." 

Mit der heutigen Inbetriebnahme der Müllverwertungsanlage ging jedenfalls eine Planungs- und Bauphase zu Ende, die 2003 mit der Genehmigung des Bauprogramms begonnen hatte. 2006 konnte die Planung abgeschlossen werden, 2008 wurden die Bauarbeiten zugeschlagen. Dass ein ganzes Jahrzehnt vergangen ist, seit die erste Entscheidung zum Bau der Anlage gefallen ist, liegt auch an den beeindruckenden Daten des Projekts: So können jährlich 130.000 Tonnen Müll in der 25.000 Quadrat- bzw. fast 200.000 Kubikmeter umfassenden Anlage verbrannt und in Strom und Wärme umgewandelt werden.

Das Endprodukt der Müllverbrennung ist demnach eines, mit dem ein ganzes Bozner Stadtviertel versorgt werden kann. So können jährlich 260.000 MWh Wärme produziert werden, was für die Versorgung von 10.000 Haushalten reicht. Sogar 20.000 Haushalte können zudem mit Strom versorgt werden, dessen Jahresproduktion bei 82.000 MWh liegt. Damit ist die Anlage eine Umweltinfrastruktur gleich in einem doppelten Sinne: zum einen wird der anfallende Restmüll beseitigt, zum anderen werden durch die Strom- und Wärmeproduktion die Kohlendioxid-Emissionen um 80.000 Tonnen jährlich reduziert.

Gekostet hat die neue thermische Restmüllverwertungsanlage in Bozen Süd samt der Anbindung an das Fernwärmenetz nicht ganz 140 Millionen Euro. Dank einer staatlichen Ausschreibung zur Unterstützung von Umweltprojekten werden davon aber bis zu 40 Millionen Euro aus Staatskassen bezahlt. In die Kosten eingerechnet sind zudem jene für die Bonifizierung des Bodens, auf dem die Anlage entstanden ist. Nicht weniger als 120.000 Tonnen Material musste dort weggeschafft und fachgemäß entsorgt werden. Altlasten, die durch die Unterlassungen früherer Generationen bei der Entsorgung von Abfällen angefallen sind, wie Bürgermeister Spagnolli heute betonte, der in diesem Lichte auch die neue Restmüllverwertungsanlage sieht: "Wir wollen nicht, dass unsere Kinder und Kindeskinder für unsere Unterlassungen bezahlen müssen."

LPA/chr

Bildergalerie

Neue Müllverwertungsanlage in Bozen in Betrieb

Landesrat Mussner erläutert den Wert der Müllverwertungsanlage in Bozen

Landeshauptmann Durnwalder über die Bedeutung der Müllverwertungsanlage in Bozen

Landesrat Mussner erläutert den Wert der Müllverwertungsanlage in Bozen

Landeshauptmann Durnwalder über die Bedeutung der Müllverwertungsanlage in Bozen