Wappen und Banner: Symbole der Autonomie

Das Wappen

Das neue Autonomiestatut (Dekret des Präsidenten der Republik vom 31. August 1972, Nr. 670) sieht in Artikel 3 vor, dass das Land Südtirol ein eigenes Wappen und ein eigenes Banner führt.
Das von der Südtiroler Landesregierung am 30. Juli 1982 einstimmig beschlossene Landeswappen wurde mit Dekret des Präsidenten der Republik vom 21. März 1983 verliehen. Die heraldische Beschreibung des Wappens des Landes Südtirol lautet „auf Silbergrund alter roter (Tiroler) Adler, goldbewehrt mit roter Zunge und goldenen Flügelspangen“. Es handelt sich um den roten Tiroler Adler aus dem Jahre 1370, so wie er auf dem Altar der Kapelle von Schloss Tirol abgebildet ist.

Historische Erklärung

Landeswappen werden erfahrungsgemäß aus den Wappen jener Herrscherdynastien gewählt, die diese Länder in früheren Zeiten beherrscht haben. So rührt das Tiroler Wappen von jenen Dynastien her, die in unserem Lande um das Jahr 1150 auftauchten und ihren eigenen Namen von der Ortschaft Tirol bei Meran ableiteten, wo sie ihr Stammschloss erbauten. Die Grafen von Tirol haben bereits in der Zeit von 1190 den roten Adler zu ihrem Wappen erwählt. Dies geht aus dem Siegel Alberts III. (1190 – 1253) hervor; die Farbe des Adlers ist bereits im „Cliperius Teutonicorum“ (1242-1249) des Züricher Kanonikers Konrad von Mure in Versform festgehalten:

"Fert aquilam Tyrolis clipeus prestante rubore, que nigri pedis alias albente colore"
(Das weiße Schild Tirols führt einen Adler von hervorstechender roter Farbe und schwarzen Füßen)

Das Wappen der ersten Herrscherfamilie ging durch die Heirat von Adelheid, der Tochter Alberts III., mit Meinhard III., dem Grafen von Görz, auf die Grafen von Tirol-Görz über. Unter den Grafen von Tirol-Görz hatte der rote Adler bereits den Charakter eines territorialen Kennzeichens angenommen und mit dem Übergang der Grafschaft Tirol an die Habsburger (1363) wurde der Adler zum Wappentier des Landes Etsch, Eisack und Inn.

Der rote Adler mit goldenen Waffen, roter Zunge und den charakteristischen goldenen Flügelspannen, gekrönt oder ungekrönt, versinnbildlichte in den Jahrhunderten die Grafschaft Tirol und später die gefürstete Grafschaft. Er kam immer im großen Siegel der Kaiser des Hl. Römischen Reiches und Österreichs vor. Die Grafschaft genoss im Rahmen der Erbländer des Hauses Österreich und später im österreichischen Kaiserreich eine besondere Eigenständigkeit.

Das Banner

Das Banner

Das Land Südtirol hat im Sinne des neuen Autonomiestatuts (Art. 3) das Recht, neben einem eigenen Wappen auch ein eigenes Banner zu führen. Das Landeswappen wurde bereits 1983 verliehen, das Banner hingegen erhielt erst im Herbst 1996 die endgültige Zustimmung der zuständigen staatlichen Stellen. Auf Antrag der Südtiroler Landesregierung (einstimmiger Beschluss vom 7. Oktober 1996) wurde es am 22. November 1996 mit Dekret des Präsidenten der Republik genehmigt.

Das Banner ist in der Mitte mit dem Landeswappen belegt. Es trägt folgende Aufschrift in Gold: „AUTONOME PROVINZ BOZEN SÜDTIROL" (im weißen Feld), „PROVINCIA AUTONOMA DI BOLZANO ALTO ADIGE" (im roten Feld) und „PROVINZIA AUTONÒMA DE BULSAN SÜDTIROL" (teils im weißen und teils im roten Feld).

Historische Erklärung:

Die Farben weiß-rot der alten Tiroler Landesfahne und des Banners für Südtirol sind, wie es auch anderswo häufig vorkommt, den Farben des alten Tiroler Landeswappens entnommen. Das alte Tiroler Landeswappen „roter Adler auf silbernem (weißem) Grund" ist in Abbildungen seit 1271-1286 farbig überliefert. Als älteste Darstellung gilt das Fresko der Kapelle von Schloss Tirol aus dieser Zeit. Eine Beschreibung mit Angabe der Farben ist im Wappengedicht (Cliperius Teutonicorum) des Domherren Konrad von Mure enthalten, das um 1250 entstanden ist:

„Fert aquilam Tyrolis clipeus prestante rubore, que nigri pedis est alias albente colore"
(Das weiße Schild Tirols führt einen Adler von hervorstechender roter Farbe und schwarzen Füßen).

Seit dem 14. Jahrhundert war es üblich, die Fänge und die Waffen des Adlers golden zu tingieren.

Das Siegel

Gemäß Artikel 3 des Dekrets des Landeshauptmanns vom 20. September 1989, Nr. 26, ist das Landessiegel kreisförmig. In der Mitte ist das Landeswappen wiedergegeben und der Kreisring trägt die Aufschrift: "AUTONOME PROVINZ BOZEN - SÜDTIROL / PROVINCIA AUTONOMA DI BOLZANO – ALTO ADIGE".

Das Siegel ist der Generaldirektion, den Abteilungen und Ämtern, den Schulämtern, den Schuldirektionen aller Schulstufen sowie den Kindergartendirektionen und allen anderen Organisationseinheiten des Landes mit autonomer Wirkung nach außen zuerkannt. Den Ämtern der öffentlichen Verwaltung in den ladinischen Ortschaften des Landes Südtirol einschließlich des ladinischen Schulamtes und der in den ladinischen Tälern gelegenen Schuldirektionen aller Schulstufen sowie der Kindergärtendirektionen wird ein dreisprachig gestaltetes Siegel zuerkannt.

Das Siegel wird am Textende der behördlichen Akten des Landtages und der Landesverwaltung angebracht. Für die Verwendung des Siegels sind die Beamten verantwortlich, die der jeweiligen Organisationseinheit vorstehen.

Ashängen der Landesfahne

Im Sinne des Artikels 5 des Dekrets des Landeshauptmanns vom 20. September 1989, Nr. 26, (eingefügt durch Art. 2 des Dekrets des Landeshauptmanns vom 15. Jänner 2001, Nr. 2, sowie durch Art. 2 des Dekrets des Landeshauptmanns vom 14. April 2003, Nr. 13, ergänzt durch das Dekret des Landeshauptmannes vom 28. Juni 2012, Nr. 22) wird am Gebäude, in welchem der Südtiroler Landtag seinen Sitz hat, für die Dauer der Amtshandlungen des Landtages, sowie am Landhaus I (Palais Widmann) in Bozen, Silvius-Magnago-Platz 1, in welchem die Südtiroler Landesregierung und der Landeshauptmann ihren Sitz haben, an den nachstehend angeführten Tagen links der Flagge der Europäischen Union und jener der Republik Italien, die an die zentrale Position gesetzt wird, das Banner des Landes Südtirol gehisst:

  • 7. Jänner (Fest der Tricolore)
  • 11. Februar (Lateranverträge)
  • 25. April (Tag der Befreiung)
  • 1. Mai (Tag der Arbeit)
  • 9. Mai (Europatag)
  • 2. Juni (Tag der Republik)
  • 28. September (Tag des Volksaufstandes von Neapel)
  • 4. Oktober (Tag der Schutzheiligen Italiens)
  • 24. Oktober (UNO)
  • 4. November (Tag der nationalen Einheit)
  • allfällige andere, jeweils vom Präsidenten des Ministerrates festgelegte Anlässe.
Box 4

Das Banner der Autonomen Provinz Bozen-Südtirol wird gemeinsam mit der Fahne der Italienischen Republik sowie jener der europäischen Union und der Gemeinde an Gebäuden gehisst, in welchen die Kollegialorgane der Gemeinde ihren Hauptsitz haben und zwar anlässlich und für die Dauer ihrer Sitzungen.

An den Gebäuden, in denen die Schuldirektionen ihren Sitz haben, wird das Banner des Landes Südtirol an den Unterrichts- und Prüfungstagen sowie an den oben genannten Tagen in der oben angeführten Art gehisst.

Ferner wird das Banner der Autonomen Provinz Bozen-Südtirol bei Wahlen und Volksbefragungen des Landes an den Gebäuden der Wahlsektionen in der oben vorgesehen Art gehisst.

Im Falle von Besuchen in- oder ausländischer, staatlicher oder regionaler Behörden und Delegationen kann das Gebäude, in dem der Südtiroler Landtag, die Landesregierung oder der Landeshauptmann den Amtssitz hat, beflaggt werden, je nach Landesorgan, das die Einladung ausgesprochen hat. Ist die Zahl der zu hissenden Flaggen eine gerade Zahl, so wird an erster Stelle die italienische Flagge gesetzt, dann die europäische Flagge, dann die Flagge des Gaststaates oder der Gastregion und zuletzt das Banner des Landes Südtirol; falls hingegen eine ungerade Zahl von Flaggen zu hissen ist, so kommen die europäische Flagge an die erste Stelle, die italienische Flagge in die zentrale Position, das Banner der Autonomen Provinz Bozen-Südtirol an die letzte Stelle und die anderen Flaggen auf die Zwischenpositionen.

Der jeweilige Gebäudeverwahrer ist für die korrekte Beflaggung der Gebäude gemäß den Bestimmungen des Artikels 5 des Dekrets des Landeshauptmanns vom 20. September 1989, Nr. 26, verantwortlich.

Bei öffentlichen Feiern und Amtshandlungen, an denen das Land offiziell durch den Landeshauptmann oder durch Mitglieder der Landesregierung vertreten ist, kann das Banner des Landes Südtirol verwendet werden, das von Landesbediensteten mitgeführt wird, die dem Forstkorps angehören.

Rechtsvorschriften

Downloads

External link

Sanktionen bei widerrechtlicher Verwendung von Wappen und Siegel

Nach Artikel 4 des Dekrets des Landeshauptmanns vom 20. September 1989, Nr. 26, wird jeder, der das Wappen oder das Siegel des Landes ohne entsprechende Ermächtigung verwendet, mit einer Geldbuße bestraft. Ebenso wird jeder, der die im Ermächtigungsakt erteilten Vorschriften nicht befolgt oder das Wappen nicht gemäß den offiziellen Merkmalen und Farben wiedergibt, mit einer Geldbuße bestraft. Gegenstände, auf denen das Landeswappen unrechtmäßig wiedergegeben ist, unterliegen der verwaltungsrechtlichen Beschlagnahme, und der Landeshauptmann kann die gänzliche oder teilweise Zerstörung zu Lasten des Übertreters anordnen. Jegliche Fälschung und jeder Missbrauch des Siegels des Landes Südtirol werden im Sinne von Artikel 468 und folgende des Strafgesetzbuches strafrechtlich verfolgt. Grundsätzlich ist das zuständige Landesamt bemüht, eine missbräuchliche Verwendung ohne sofortige Verhängung einer Geldbuße zu unterbinden. Die missbräuchliche Verwendung muss jedoch unverzüglich eingestellt werden.