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News | 24.08.2018 | 18:18

»Kinder und Jugendliche an das Lernen hinführen«

Eröffnungskonferenz des Kindergarten- und Schuljahres 2018/2019

Eröffnungskonferenz 2018/2019Bildungsdirektor Gustav Tschenett rief dazu auf, eigene Haltungen zu hinterfragen.

Der Umgang mit Vielfalt, selbstreflexive Schulführung und die Würdigung verdienter Persönlichkeiten der Bildungswelt standen im Mittelpunkt der Eröffnungskonferenz des neuen Kindergarten- und Schuljahres.

Nach der Sommerpause zusammenkommen, sich informieren, sich über Themen austauschen und darüber diskutieren: Auch dieses Jahr begrüßten die Führungskräfte aus Kindergarten und Schule das neue Bildungsjahr mit einer Eröffnungskonferenz, die im Klassischen, Sprachen- und Kunstgymnasium »Walther von der Vogelweide« in Bozen stattfand. Durch die Veranstaltung, die von der Deutschen Bildungsdirektion organisiert wurde, führte die Landesschuldirektorin Sigrun Falkensteiner.

Mit dabei: Bildungslandesrat Philipp Achammer, der den Umgang mit Vielfalt und Heterogenität hervorhob, eine der größten Herausforderungen zurzeit. Er stellte sich vehement gegen Tendenzen, Fremdem und Unterschiedlichem mit Ausgrenzung zu begegnen und rückte viel mehr das Gemeinsame in den Vordergrund. Schulen seien ein Ort des Miteinanders und der Inklusion, wo jeder einzelne Schüler und jede einzelne Schülerin ihren Platz hätten. Schule könne nicht alles leisten, ebenso seien die Familien und das gesellschaftliche Umfeld gefragt. Die Bildungspolitik tue ihr Übriges und versuche, die bestehenden Ressourcen zu halten und, wo nötig, aufzustocken. So konnte in den vergangenen Jahren beispielsweise den Kindergärten und Berufsschulen zusätzliches Personal zugesichert werden, ebenfalls im Bereich der Integration. Eine besondere Herausforderung sei der Lehrkräftemangel, der sich immer stärker abzeichne. »Mit den neuen Kompetenzen in der Lehrerausbildung können wir nun entschlossener handeln und zum Beispiel Quereinsteigern den Weg zum Lehrerberuf öffnen«, zeigte sich Achammer zuversichtlich.

Bildungsdirektor Gustav Tschenett machte ein klassisches Spannungsfeld in der Schule aus. So erwarte sich die Gesellschaft eine Auswahl der Besten, gleichzeitig gehe es um die Entwicklung der Kompetenzen aller Lernenden und der entsprechenden Pädagogik und Didaktik. Tschenett stellte drei Denkanstöße in den Raum. Angelehnt an Fritz B. Simon stellte er fest, dass sich komplexe Systeme nicht zentral steuern lassen. »Daraus folgt, dass eine Schulführungskraft Konzepte entwickeln muss, wie sich ein letztlich nicht steuerbares System leiten und gestalten lässt«, so Tschenett. Leitende und Lehrende müssten die Kinder und Jugendlichen an das Lernen hinführen, ähnlich der Erkenntnis von Gregory Bateson, der meinte, man könne das Pferd zwar zum Wasser führen, aber man könne es nicht zum Trinken zwingen. Aber selbst wenn das Pferd durstig sei, könne es nicht trinken, solange es nicht zum Wasser geführt werde. Schließlich führte Tschenett den Philosophen Ludwig Wittgenstein ins Feld, der meinte: »Dass es mir – oder allen – so scheint, daraus folgt nicht, dass es so ist.« Sich selbst zu spiegeln und scheinbar Gewisses zu hinterfragen, sei im schulischen Alltag unverzichtbar, so Tschenett.

Rolf Arnold von der Technischen Universität Kaiserslautern machte sich Gedanken zur Führungsrolle von Schulleiterinnen und Schulleitern. In seinem Referat »Mit Charakter und Überzeugung leiten, lenken und führen« stellte er fest, dass Erziehung grundsätzlich nicht möglich, aber nötig sei. Lernen brauche den entsprechenden Rahmen und gelinge nur durch Führung, die auf Beziehung baue. Wirksames Führungsverhalten zeichne sich durch Moralität und Ethik aus, durch eine ganzheitliche Sicht auf die Lernenden und ihre Kompetenzen. Ein Grundirrtum sei es, von sich auf andere zu schließen und die eigenen Beobachtungen als verbindlich für andere anzusehen. Häufig sehe man im anderen sich selbst und übertrage auf ihn die eigenen Erwartungen und Sichtweisen. Der Verdichtung von Wissen und Qualifikation zu Kompetenzen stellte Arnold noch die Emotion dazu. »Lernen funktioniert nur, wenn damit Gefühle verbunden sind. Ohne Emotionen lassen sich Inhalte schwer aufnehmen und sind in der Folge irrelevant«, sagte Arnold. Es brauche also die Gabe zur »emotionalen Selbstreflektivität«.

Bei der Konferenz wurden die Direktorinnen und Direktoren gewürdigt, die mit Beginn des neuen Schuljahres in den Ruhestand treten werden. In zwei kurzen Laudationen ehrte Bildungslandesrat Philipp Achammer die langjährige Kindergarteninspektorin Christa Messner und den Direktor der Pädagogischen Abteilung, Rudolf Meraner. Zugleich begrüßten die Anwesenden die neuen Schulleiterinnen und Schulleiter.

Für die musikalische Note sorgte das Ensemble »Le Jusoni« der Musikschule Lana-Ulten-Nonsberg unter der Leitung von Direktor Christian Laimer.

(TS)