Landeswarnzentrum

Die Arbeit aller in Südtirol (und darüber hinaus) tätigen Einrichtungen in den Bereichen Wettervorhersage, Datenerhebung, Geologie, Hydrologie, Lawinen und Notfallplanung fließt im Landeswarnzentrum zusammen. Dieses ist 2004 von der Südtiroler Landesregierung eingerichtet worden und seit 2014 im Landeszivilschutzzentrum in der Bozner Drususallee untergebracht.

Das Landeswarnzentrum ist ständig – also auch in „ruhigen“ Zeiten (im Fachjargon „Friedenszeiten“ genannt) – besetzt und mit der Beobachtung der Entwicklungen in den genannten Bereichen beschäftigt. Dadurch wird eine zeitgerechte Vorwarnung möglich, sollte sich ein zivilschutzrelevantes Ereignis ankündigen. Dies gibt den Einsatzkräften wiederum die Chance, sich entsprechend vorzubereiten.

Im Einsatzfall arbeitet das Landeswarnzentrum rund um die Uhr und liefert dem Landeslagezentrum alle wichtigen Daten, mit denen die Ereignisse und deren Entwicklung analysiert und vorhergesagt werden können. Das Landeswarnzentrum schafft demnach das technische und wissenschaftliche Fundament für effiziente Entscheidungen im Not- und Katastrophenfall.

Grundsätzlich kann man die Arbeit des Südtiroler Landeswarnzentrums in drei Bereiche unterteilen:

  • Beobachtung
  • Vorhersage
  • Warnung

Beobachtung

Um die Entwicklung von Wetter, Hydrologie und Geologie im Blick haben zu können, greift das Landeswarnzentrum auf ein dicht gewebtes Netz von Überwachungs- und Messgeräten in ganz Südtirol zurück. So kann das Landeswarnzentrum auf die Daten von

  • über 100 automatischen Wetterstationen im Tal und am Berg,
  • über 50 manuellen Wetterstationen,
  • über 50 Pegelstationen,
  • über 90 Grundwassermessstellen und
  • 1 Wetterradar am Gantkofel

zurückgreifen, um die Entwicklungen im Auge zu behalten. Die Daten all dieser Überwachungs- und Messgeräte fließen in einer Datenbank zusammen und werden von den Mitarbeitern des Landeswarnzentrums laufend ausgewertet.

Ein besonderes Auge hat man auf die Bäche und Flüsse im Land, um Hochwasser voraussagen zu können und darauf entsprechend vorbereitet zu sein. Dieser Prognosearbeit liegt das von der Universität Padua und dem Land Südtirol erarbeitete Hochwassermodell ARFFS (Adige River Flood Forecasting System) zugrunde, mit dessen Hilfe Hochwasserwellen im Eisack und in der Etsch berechnet werden können. Als wissenschaftliche Grundlage dienen die Niederschlagsdaten in allen Einzugsgebieten Südtirols sowie Daten zu anderen relevanten Phänomenen, etwa zur Schneeschmelze.

Vorhersage

Extreme Wetterphänomene sind die Ursache der meisten Einsätze des Landeszivilschutzes. Gerade in einem Gebirgsland wie Südtirol gilt es deshalb, das Wetter besonders genau im Auge zu behalten. Diese Aufgabe übernimmt der Südtiroler Landeswetterdienst (Externer Link), der nicht nur allgemeine Wettervorhersagen erstellt, sondern Tag für Tag auch einen Spezialbericht über mögliche extreme Wetterereignisse.

Der Spezialbericht des Landeswetterdienstes umfasst einen Zeitraum von sechs Tagen, demnach also den jeweils aktuellen Tag und die fünf darauf folgenden. Für die ersten vier Tage wird dabei nicht nur eine landesweite Prognose abgegeben, sondern getrennte Vorhersagen für sechs klimatische Zonen. Dabei hat man fünf Wetterphänomene detailliert im Blick:

  • Verbreitete Niederschläge: Sie können Hochwasser, Überschwemmungen oder Muren auslösen, im Gebirge steigt die Lawinengefahr.
  • Schneefall im Tal: Zu erwarten sind Auswirkungen auf den Straßen- und Schienenverkehr, auch kann die erhöhte Schneelast Probleme mit Dächern und Bäumen mit sich bringen.
  • Starkwind im Tal: Starker Wind kann Schäden an der Infrastruktur verursachen, etwa an Überlandleitungen.
  • Starke Gewitter: Sie bringen heftige Regenschauer, Blitze, Windböen und manchmal auch Hagel mit sich, die allesamt für Schäden sorgen können.
  • Extreme Temperaturen: Steigen oder sinken die Temperaturen sehr stark, kann dies negative Folgen auf die Gesundheit der Menschen haben. Dazu leidet die Verkehrsinfrastruktur und sehr hohe Temperaturen lassen auch die Waldbrandgefahr steigen.

Dank des Spezialberichts können die Zivilschutzorganisationen im ganzen Land eine erste Einschätzung der Lage vornehmen und sich entsprechend vorbereiten. Dabei kommt den Zivilschützern vor Ort auch ihre Kenntnis der lokalen Gegebenheiten zugute, ist doch wegen der besonderen Beschaffenheit Südtirols eine allgemeine Einschätzung für umfassende Gebiete kaum möglich.

Warnung

Stellen die zuständigen Dienste aufgrund der vorliegenden Daten und Prognosen fest, dass ein Wetterereignis ein mäßiges oder gar hohes Gefahrenpotential birgt, wird der Zivilschutzstatus auf die Aufmerksamkeitsstufe angehoben und eine Zivilschutzwarnung ausgegeben. Alle zuständigen Institutionen – von den staatlichen Behörden über jene von Nachbarregionen, Land und Gemeinden bis hin zu den Einsatzkräften – können sich so zeitgerecht vorbereiten und die Lage noch eingehender im Auge behalten. Gewarnt werden zudem jene Unternehmen, die essentielle Dienste im Land versehen. Dazu gehören Strom- und Gasversorger, Telefon- und Verkehrsdienstleister sowie die Betreiber von Stauanlagen.