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Versauerung der Gewässer

Die Versauerung der Gewässer und der Böden wird vornehmlich durch saure Niederschläge hervorgerufen. Der Säuregehalt des Regens rührt hauptsächlich von den Emissionen von Stickoxiden (vor allem Kraftfahrzeuge) und Schwefeloxiden her (Verbrennung von Erdölprodukten und Kohle). In einem stark versauerten See stirbt der Großteil der Pflanzen und der Tiere ab, und nur wenige Arten von Moosen, Algen und Insekten können überleben. Die höchste Belastung durch sauren Niederschlag war in den Seen der Provinz Bozen in den Jahren um 1980 zu verzeichnen, nun ist der Einfluss des sauren Regens geringer und dank des ausreichenden Pufferungsvermögens der Südtiroler Gewässer werden keine sichtbaren Schäden festgestellt.

Ein Hochgebirgssee (Quelle: Landesagentur für Umwelt)

Im Jahr 1983 begann man mit der chemischen Untersuchung der Niederschläge. Gegen Ende der 80er Jahre wurde dieses Programm erweitert und ein besonderes Augenmerk auf den Versauerungsgrad der Südtiroler Hochgebirgsseen gerichtet. Eine in den Jahren 1988 bis 1991 durchgeführte Studie ergab, dass der saure Regen zwar keine größeren Schäden an den Seen der Provinz hervorgerufen hat, viele Hochgebirgsseen jedoch niedrige Alkalinitätswerte aufweisen und somit durch saure Niederschläge gefährdet werden können. Besonders intensiv untersucht wurden zwei Seen in der Texelgruppe (Langsee und Milchsee), an denen sowohl chemische als auch biologische Analysen (Phyto- und Zooplankton) durchgeführt wurden. Von diesen beiden Seen liegen relativ lange Zeitserien vor, sodass Veränderungstendenzen gut verfolgt werden können.
Die Emission von Schwefelverbindungen hat vom Beginn der 80er Jahre bis heute stark abgenommen, während die Emission von Stickoxiden noch keine klare Tendenz zur Abnahme zeigt. Trotz der allgemeinen Abnahme der sauren Niederschläge können in empfindlichen Hochgebirgsgebieten, in denen gesteinsbedingt nur sehr langsam Säure neutralisierende Substanzen abgegeben werden, in den Böden und in den Gewässern Auswirkungen von Versauerung beobachtet werden. Ein "Säureschock" kann beispielsweise im Frühjahr auftreten, wenn die in der Schneedecke angehäuften chemischen Stoffe schlagartig freigesetzt werden.
Außer vom sauren Niederschlag werden die Seen auch noch durch andere Umweltfaktoren gefährdet, die entweder einzeln oder gleichzeitig und dann meist verstärkt wirken: toxische Metalle, toxische organische Verbindungen, UV-b- Strahlung, Klimaerwärmung und Treibhauseffekt.