Didaktik der Mehrsprachigkeit

Der Schwerpunkt Sprache(n) und Mehrsprachigkeit wird in der Lernumgebung sichtbar und findet nicht nur in den Sprachenfächern, sondern in der gesamten Bildungstätigkeit seinen Niederschlag und erreicht alle Lernenden. Er ist idealerweise curricular verankert und nutzt Synergien zwischen den einzelnen Fächern. Unterrichtsvorhaben können im eigenen Unterricht allein, in Absprache mit anderen Lehrpersonen oder im Teamunterricht gestaltet werden.

In der Unterrichtsarbeit ist die Didaktik der Mehrsprachigkeit (Grafik):

  • sprach(en)bewusst in jeder Sprache und jedem Sachfach
  • inhaltsbewusst
  • sprach(en)aufmerksam in allen Sachfächern
  • sprachen- und fächerübergreifend
  • inter- und transkulturell

Sie stärkt und erweitert das individuelle mehrsprachige Repertoire, indem sie die mehrsprachigen individuellen und gesellschaftlichen Ressourcen nutzt. Sie zielt auf faire Bildungschancen ab.

Lehrende können Ansätze der Mehrsprachigkeitsdidaktik im Unterricht wie folgt umsetzen:

  • schafft ein Bewusstsein für in der Klasse und/oder Schule vorhandene Sprachenrepertoires (Éveil aux langues) und schärft die inter- und transkulturelle Wahrnehmung (Interkultureller Ansatz)
  • bietet die Möglichkeit der Individualisierung durch inklusive und mehrsprachige Didaktik (z. B. sprachaufmerksamer Sachfachunterricht)
  • hat auch andere Sprachen als die Unterrichtssprachen im Blick und erschließt Inhalte in Schul- und Herkunftssprachen
  • ist lebensnah und schafft authentische Sprechanlässe (z. B. Einbezug von Expert*innen, Eltern, Nachbarn, Freund*innen usw.)
  • macht den Bedürfnissen der Schüler*innen angepasste, fokussierte Angebote (z. B. Schwerpunktsetzung auf die Förderung einer Sprache bzw. Setzen von Maßnahmen bei vorwiegend einsprachigem Umfeld)
  • ist stärkenorientiert und zeichnet sich durch Fehlerfreundlichkeit aus
  • bietet besondere didaktische Maßnahmen bzw. Sprachförderprojekte
  • erarbeitet sprachen- und fächerübergreifende Einheiten und Aufgaben, auch mit multimedialem Ansatz
  • schafft Momente, in denen mehrere Sprachen gleichzeitig genutzt werden (z. B. zweisprachiger/mehrsprachiger Morgenkreis, zweisprachige/mehrsprachige Pause usw.)
  • zeigt Möglichkeiten der Erhaltung von Sprachen (Familiensprachen, bereits gelernten Sprachen, Umgebungssprachen und Sprachvarianten wie Dialekten) auf
  • setzt verschiedene plurale Ansätze der Mehrsprachigkeitsdidaktik um: 
    • leistet vergleichende Grammatik- und Wortschatzarbeit im Sinne der Integrativen Sprachendidaktik
    • betreibt im Unterricht regelmäßig Sprachreflexion (Woher kommt das Wort? Wie sieht es in anderen Sprachen aus?)
    • Interkomprehension und Integrative Sprachendidaktik
    • zeigt gemeinsame Strategien des Sprachenlernens auf
    • schafft Sprachanlässe für Translanguaging und Mediation
  • erschließt Inhalte sprachhandelnd in mehreren Sprachen
  • fördert in allen Schulsprachen vernetzendes literarisches Lernen von Anfang an (ab Wiegenlied) und bezieht, wenn möglich und sinnvoll, andere Sprachen mit ein
  • sucht im Unterricht Möglichkeiten, mit Erstsprachen von Lernenden oder anderen Sprachen in Kontakt zu treten (z. B. Lieder, Film mit Untertiteln, Beschilderung im Haus usw.)
  • vermittelt Strategien des Managements von Sprachen, d. h. die Lernenden üben, je nach Situation und Erfordernissen, zwischen dem bewussten Einsatz von einzelsprachlicher und mehrsprachiger Kommunikation zu wechseln (Code Switching, Code Mixing, Wechseln der Sprachen mit dem Gesprächspartner, mehrsprachige Texterschließungsstrategien, Mediation).
  • sensibilisiert für die Sprache im Fach
  • fördert Sprache alltagsintegriert/unterrichtsintegriert
  • gibt Sprache(n) und Sprachgebrauch in Sachfächern mehr Zeit und Raum (z. B. Italienisch in GGN o. Ä.)
  • baut Bildungs- und Fachsprache in allen Schulsprachen auf und fördert den Kontakt mit diesen Varianten
  • fördert Individualisierung von Unterricht
  • setzt Vorentlastung (Scaffolding) sowohl für fachliche Inhalte als auch sprachliche Herausforderungen ein
  • fördert, verweist auf und integriert (Sprachen) übergreifende Lernstrategien (z. B. Lesestrategien, Wortschatzarbeit, Präsentieren ...)
  • verknüpft fachliches Lernen mit sprachlichem Lernen
  • sucht im Unterricht regelmäßig Möglichkeiten, mit Erstsprachen von Lernenden oder anderen Fremdsprachen in Kontakt zu treten
  • erschließt Inhalte sprachhandelnd in 2−3 Sprachen
  • nützt Schulfächer wie Musik, Sport und Kunst als Zeugen der Sprach- und Zaunüberwindung
  • verwendet Unterrichtsmaterialien (z. B. Quellentexte, Videos, Filme …) im Original
  • fördert Translanguaging und gezieltes Codeswitching
  • fördert Sprachbewusstsein und Sprachreflexion
  • verknüpft fachliches Lernen mit sprachlichem Lernen
  • fördert die Entwicklung von Bildungs- und Fachsprache in mehreren Sprachen

Weiterführende Informationen zu CLIL

Instrumente

Für die Planung und Durchführung von Sprache(n) und Mehrsprachigkeit fördernden Unterrichtsvorhaben finden Lehrende Anregungen in: