Glossar

Sprachen und Sprachenlernen im Bildungsbereich

Begrifflichkeiten rund um das Thema Sprache(n) und Mehrsprachigkeit rufen unterschiedliche Konnotationen und Assoziationen hervor und drücken mitunter auch eine Haltung aus. Die in diesem Glossar gesammelten Erklärungen orientieren sich an wissenschaftlich-theoretischen Grundlagen, sind aber kontextgebunden und erheben keinerlei Anspruch auf Vollständigkeit. Die Mitarbeiter*innen der Bildungsdirektion verwenden vorrangig die Begrifflichkeiten, die in der folgenden Grafik dargestellt sind: Sprache(n) und Sprachenlernen im Bildungsbereich.

Alltagsintegrierte sprachliche Bildung im Kindergarten

Eine alltagsintegrierte sprachliche Bildung setzt besonders im frühkindlichen Stadium zunächst eine vertrauensvolle Beziehung der Pädagogischen Fachkraft zum Kind voraus. Das Kind wird im Erwerb aktiv gesprochener Sprache bewusst unterstützt, die nonverbale Kommunikation spielt eine wesentliche Rolle. Die alltagsintegrierte sprachliche Bildung fußt auf einer sprachanregenden Lernumgebung und nützt die zahlreichen Möglichkeiten für kommunikative Situationen im Alltag, die Kinder zum Sprechen einladen. Das vorhandene, an den Themen und Interessen des Kindes orientierte Kommunikationsbedürfnis wird im Alltag gezielt begleitet. Je nachdem über welchen aktiven Wortschatz ein Kind verfügt oder in welcher (n) Sprache(n) ein Kind spricht, begleiten die Pädagog*innen die Kinder im Aufbau und der Weiterentwicklung ihrer Sprache(n), machen sie mit der Bildungssprache vertraut und sensibilisieren für andere Sprachen in der Gruppe.

Alltagssprache/Bildungssprache

Im Gegensatz zur Alltagssprache, die in informellen und alltäglichen Situationen verwendet wird, ist die Bildungssprache ein formelles sprachliches Register, mit dem Bildungsinhalte vermittelt werden. Sie weist auch im mündlichen Gebrauch Merkmale der Schriftsprache auf. Sie vermittelt verdichtete, kognitiv anspruchsvolle, vom Kontext losgelöste Informationen.

CLIL

Unter Content and Language Integrated Learning (CLIL) versteht man die Verwendung der Zweit- oder einer Fremdsprache zur integrativen Vermittlung von Lehrinhalten und Sprachkompetenz außerhalb des Sprachunterrichts unter Einbindung von Elementen der Fremdsprachendidaktik.

DaM/DaZ/DaF

DaM = Deutsch als Muttersprache
DaZ = Zweitsprache
DaF = Fremdsprache

Dialekt

Dialekte sind besondere, regional eingrenzbare Sprachvarianten innerhalb einer National- oder Standardsprache, die sich von Dialekten benachbarter Regionen durch Besonderheiten (Aussprache, Wortschatz, grammatikalische Strukturen) verschiedenster Art abheben.
Lokal gesehen verfügen Dialekte über relativ geringe Reichweiten. Sie weisen nicht kodifizierte Normen auf und spielen bei der Identifizierung mit gewissen Sprecher*innengemeinschaften und der Entwicklung eines Gefühls der Zugehörigkeit eine wichtige Rolle.

Erstsprache(n)

Erstsprachen bezeichnen die zuerst erlernte(n) Sprache(n) eines Menschen.

Éveil aux langues

Der Éveil aux langues-Ansatz bezieht prinzipiell alle Sprachen und sprachlichen Varietäten ein, darunter die Unterrichtssprachen, die Fremdsprachen, die Umgebungs- bzw. Herkunftssprachen. Dieser Ansatz ist ein Wegbereiter, der Lernenden die Vielfalt der Sprachen (auch ihrer eigenen) bewusst macht. Er dient zur Förderung von Sprachenbewusstheit im Hinblick auf die Förderung des Sprachenlernens allgemein.

Fachsprache

Eine Fachsprache − auch Episprache − ist die in einem Fachgebiet verwendete Sprache. Die Bedeutung von Fachausdrücken kann in der Alltagssprache eine andere sein. Fachsprachen weisen oft auch spezifische, grammatische und syntaktische Eigenheiten auf.

Familiensprache(n)

Familiensprachen (vgl. Erstsprachen, Herkunftssprachen) sind Sprachen oder Sprachvarianten, die im familiären und häuslichen Umfeld verwendet werden. Es kann sich um Sprachen handeln, die vorwiegend mündlich im alltäglichen Umgang verwendet werden.
Der Begriff „Muttersprache(n)“ wird zunehmend von Erst- oder Familiensprache(n) ersetzt.

Fremdsprache(n) – FL1, FL2, FL3, FL4, FLx

Fremdsprachen bezeichnen Sprachen, die in der Regel nicht im Territorium gesprochen werden und die sich jemand vor allem durch bewusstes Lernen aneignet.

Herkunftssprache(n)

Herkunftssprache(n) bezeichnen die Sprache(n) eines geographischen Gebietes, aus dem Menschen und/oder deren Familien stammen.
Der Begriff Herkunftssprache(n) wird zunehmend durch „Sprachen der Migration“ ersetzt.

Integrative Sprachendidaktik (= Integrierte Sprachdidaktik)

Die Integrative Sprachendidaktik hilft den Lernenden dabei, Verbindungen zwischen Sprachen herzustellen, um Kompetenzen, die in einer Sprache erworben wurden, auf andere Sprachen zu übertragen bzw. gleiche Kompetenzen in unterschiedlichen Sprachen parallel aufzubauen und somit Synergien zu schaffen.

Interkomprehension

Die Interkomprehension zwischen verwandten Sprachen zielt entweder auf den parallelen Erwerb zweier oder mehrerer Sprachen ein und derselben Sprachenfamilie (germanische, romanische, slawische Sprachen usw.) oder aber auf den Erwerb einer Zielsprache unter starkem Rückgriff auf erst-, zweit- oder fremdsprachliches Wissen in anderen verwandten Sprachen.

Interkulturelles (Sprachen)Lernen

Das Interkulturelle (Sprachen)Lernen regt zum Einsatz von Strategien zur Reflexion über (sprachliche) Kontaktsituationen an, an denen Individuen mit unterschiedlichem kulturellem Hintergrund beteiligt sind. Der Begriff Kultur wird dabei als komplex, dynamisch, offen und hybrid definiert.

Im Kindergarten wird ergänzend der Begriff „Familienkultur“ verwendet, der dem individuellen Blick auf das „System Familie“ Rechnung trägt.

Mediation

Die (auch interkulturelle) Vermittlung in der mündlichen und schriftlichen Kommunikation zwischen Menschen, die unterschiedliche Register, Varianten einer Sprache oder Sprachen sprechen.

Mehrsprachencurriculum

Das Mehrsprachencurriculum ist die Grundlage für Lehr- und Lernpläne, die einen sprach- und fächerübergreifenden Ansatz und den Aufbau mehrsprachiger Kompetenzen anstreben.

Mehrsprachenunterricht

Im Mehrsprachenunterricht werden Sprachen im Sinne der Mehrsprachigkeitsdidaktik vernetzend und übergreifend gelehrt und gelernt, wobei Wissen gemeinsam aufgebaut wird und alle Sprachenrepertoires der Lehrenden und Lernenden eingebunden werden können.

Mehrsprachigkeitsdidaktik

Die Lehre vom Lehren und Lernen von Sprachen, die mehr als eine Sprache nutzt, um andere Sprachen und/oder Sach/Fachinhalte zu lernen bzw. lehren. Beim Sprachgebrauch oder beim Sprachenlernen interagiert das in anderen Sprachen vorhandene Wissen; Lernende werden bewusst zu Transfers zwischen Sprachen herangeführt.

Schriftsprache

Der Begriff Schriftsprache bezeichnet medial schriftlich vermittelte, geschriebene Sprache. Sie ist stark normorientiert und weist ein anspruchsvolles Register, elaborierten Wortschatz sowie eine komplexe Syntax auf. Sie ist formell und textsortenspezifisch. Auch mündliche Sprache kann konzeptionell schriftlich sein, wie es z. B. bei Vorlesungen und Vorträgen der Fall ist. Der Terminus Schriftsprache ist kein Synonym für Standardsprache.

Schulsprache(n)

Schulsprache(n) bezeichnen die Verkehrs- und Verwaltungssprache(n) einer Schule.

Sprachaufmerksamer Sachfachunterricht

Der Sprachaufmerksame Sachfachunterricht steht für didaktische Konzepte, die Sprache bewusst als Mittel des Verstehens und Kommunizierens einsetzen, um fachliches und sprachliches Lernen zu verknüpfen. Ein wesentliches Element ist die in den Unterricht integrierte, gezielte sprachliche Unterstützung der Lernenden.

Sprachendidaktik

Die Sprachendidaktik ist die Lehre vom Lehren und Lernen von Sprachen.

Sprachvarietäten

Varietäten bezeichnen plurizentrische, spezifische Ausprägungen zahlreicher Sprachgebrauchsvarianten, die regional, sozial, situativ etc. bedingt sein können. Entsprechend werden diese Ausprägungen Regio-/Dialekte, Soziolekte etc. genannt.

Standardsprachen

Standardsprachen sind über den Sprachvarietäten stehende, allgemein verbindliche Sprachformen. Medial und konzeptionell treten sie sowohl gesprochen als auch geschrieben in Erscheinung. Standardsprachen sind plurizentrisch, d. h. sie dienen als Ausgleichssprachen (national) unterschiedlicher Sprachvarianten und sind in größerer Reichweite verständlich. Sie sind normorientiert, kodifiziert und werden tendenziell in der Öffentlichkeit und in formellen Situationen verwendet.

Translanguaging

Trans = über die Grenzen definierter Sprachen (“named languages”) hinweg, languaging = Gebrauch und Einsatz von Sprachen in zwei- und mehrsprachigen Gesellschaften. Im Bildungskontext verstehen wir darunter die Nutzung des gesamten sprachlichen Repertoires der Lernenden für Denk- und Lernprozesse.

Umgangssprache

Die Umgangssprache wird im täglichen Umgang mit anderen Menschen verwendet und weicht von der Standardsprache ab. Sie ist eine weitgehend akzeptierte, meist gesprochene überregionale Sprache.

Unterrichtssprache(n)

Unterrichtssprache(n) bezeichnen Sprache(n), in der/denen unterrichtet wird.

Zweitsprache(n)

Zweitsprache(n) sind Sprache(n), die ein Mensch zusätzlich zur (zu den) Erstsprache(n) erlernt, weil sie zur Teilnahme am sozialen, ökonomischen, politischen und kulturellen Leben befähigen.

  • Allgemein bezeichnet L2 eine zu erlernende Sprache, die im Territorium gesprochen wird.
  • Im Südtiroler Kontext bezeichnet L2 Deutsch für die italienischsprachige Bevölkerung, Italienisch für die deutschsprachige Bevölkerung (die zweite Landessprache).

Zweit- und Fremdsprachendidaktik

Die Zweit- und Fremdsprachendidaktik ist die Lehre vom Lehren und Lernen einer Zweitsprache bzw. Fremdsprache.