Soziale Landwirtschaft

Soziale Landwirtschaft - Landesgesetz vom 22. Juni 2018, Nr. 8


Allgemeine Beschreibung:

Tätigkeiten im Rahmen der „sozialen Landwirtschaft“ können seitens landwirtschaftlicher Unternehmen, z.T.  in Zusammenarbeit mit Sozialgenossenschaften, nun auch in Südtirol angeboten werden. Das Land Südtirol hat die diesbezügliche Durchführungsverordnung sowie entsprechende Richtlinien erlassen, welche eine Umsetzung der Tätigkeiten sozialer Landwirtschaft auf Landesebene ermöglichen.

Im Detail geregelt werden die Voraussetzungen und Modalitäten für den Zugang der Anbieter sozialer Landwirtschaft zu den einzelnen Tätigkeiten, die Formen der Zusammenarbeit mit den zuständigen Körperschaften und öffentlichen Diensten, sowie die notwendige Ausbildung für die Ausübung der einzelnen Dienste.

In diesem Sinne ist eine rechtliche und finanzielle Absicherung sowohl der Kunden, als auch der Anbieter dieser Dienstleistungen vorgesehen.

Ein wichtiger Aspekt ist weiters die Sichtbarkeit und der Schutz der Bezeichnung „soziale Landwirtschaft“, deren Umsetzung nicht zuletzt auch als Antwort auf verschiedene aktuelle gesellschaftspolitische Herausforderungen erfolgt, wie z.B.:

  • Öffnung/Zusammenarbeit der öffentlichen Träger für/mit privaten Anbietern von Dienstleistungen

  • Förderung einer multifunktionalen Landwirtschaft

  • Schaffung zusätzlicher Arbeitsplätze im ländlichen Raum und Verringerung von Abwanderung

  • Stärkung der Rolle von Frauen in ländlichen Gebieten

  • Bessere Nutzung vorhandener Ressourcen und Potentiale (räumliche und personelle). Die Dienstleistungen im Rahmen der sozialen Landwirtschaft zielen somit in erster Linie auf die Schaffung neuer Angebote im Sozialbereich auf lokaler Ebene ab, wodurch zum guten Teil bereits von der öffentlichen Hand angebotene Dienste vor allem  im ländlichen Bereich sinnvoll ergänzt werden können.

Die Dienstleistungen im Rahmen der sozialen Landwirtschaft zielen somit in erster Linie auf die Schaffung neuer Angebote im Sozialbereich auf lokaler Ebene ab, wodurch zum guten Teil bereits von der öffentlichen Hand angebotene Dienste vor allem im ländlichen Bereich sinnvoll ergänzt werden können.

Landwirtschaftlichen Unternehmen wird die Anerkennung und Ausübung von landwirtschaftlichen Nebentätigkeiten in dem dafür vorgesehenen rechtlichen Rahmen ermöglicht. Es handelt sich um neue Möglichkeiten der Erschließung weiterer wirtschaftlicher Standbeine für Betriebsleiter oder dessen Familienmitglieder, welche über entsprechende Ausbildungen im Bereich der Betreuung von Kindern, älteren Menschen und Menschen mit Behinderung verfügen, sofern in ihren Betrieben entsprechende bauliche Strukturen für die Beaufsichtigung, Beherbergung, Betreuung und Bewirtung  der jeweiligen Personen vorhanden sind, welche in die Zielgruppe der einzelnen  Dienstleistungen fallen.

 

Anbieter von Dienstleistungen im Rahmen der sozialen Landwirtschaft können sein:

Vorerst sind aufgrund der nun erlassenen Bestimmungen des Landes folgende Tätigkeiten sozialer Landwirtschaft geregelt:

a)     Tagesmütter-/Tagesväterdienst am Bauernhof (nur über Sozialgenossenschaft)

b)     Lehrbauernhof (als UAB-Tätigkeit bereits geregelt)

c)     „Gemeinsam Alltag leben“ ein Dienst für Senioren und Seniorinnen (Sozialgenossenschaft)

d)     „Gemeinsam Alltag leben“ ein Dienst für Menschen mit Behinderung, mit psychischer Erkrankung oder mit   Abhängigkeitserkrankung (Sozialgenossenschaft)

e)    „Essen in der Nachbarschaft“ (in Verbindung mit UAB-Tätigkeit -Hofschank oder Partyservice)

 

Landesverzeichnis der Anbieter sozialer Landwirtschaft (L.G. Nr. 8 vom 22 Juni 2018, Artikel 2):

Voraussetzung für die Ausübung von Tätigkeiten im Bereich sozialer Landwirtschaft ist die entsprechende Eintragung in das Landesverzeichnis gemäß Artikel 2 des Landesgesetzes vom 22. Juni 2018 Nr. 8.

 

Dekret des Landeshauptmanns vom 17 Mai 2021, nr.18

 

Mehr Informationen

Mehr über diese Dienste, z.B. wie man „Alltagsgestaltern und Alltagsgestalterinnen“ wird, welche Voraussetzungen die Nutzer für die jeweiligen Dienst erfüllen müssen, welche Tarife gelten, erfahren Sie hier:

 


Tagesmütter/Tagesväterdienst am Bauernhof

Nur über Sozialgenossenschaft

a) Tagesmütter/Tagesväterdienst am Bauernhof

Beschreibung: Tagesmütterdienst/Tagesväterdienst am Bauernhof bezeichnet die Tätigkeit von Personen, die in Zusammenarbeit mit den Sozialgenossenschaften berufsmäßig in der eigenen Wohnung ein oder mehrere Kinder anderer Familien betreuen und somit einen Dienst bieten, welcher durch familiäre Atmosphäre, Aufwertung der Alltäglichkeit, Flexibilität und Personalisierung gekennzeichnet ist, um bestmöglich den Bedürfnissen der Familien unter Rücksichtnahme auf den Rhythmus, die Gewohnheiten und den Entwicklungsstand eines jeden Kindes entgegenzukommen.

Ausbildung:

1. Für die Ausübung der Tätigkeit ist einer der folgenden Ausbildungsnachweise erforderlich:

a) Nachweis einer Ausbildung als   Kindergärtner/Kindergärtnerin oder Hilfskraft für Kleinkinderbetreuung oder

b) Nachweis über den Abschluss eines Berufsbildungskurses mit mindestens 450 Kursstunden.

Räumlichkeiten

1. Die Tätigkeit wird in der eigenen Wohnung am Bauernhof ausgeübt. Die Wohnung muss die Qualitätsstandards gemäß Dekret des Landeshauptmanns vom 21. November 2017, Nr. 42, in geltender Fassung, erfüllen.

2. Für die Berechnung der Plätze findet das Dekret des Präsidenten des Landesausschusses vom 23. Mai 1977, Nr. 22, in geltender Fassung, Anwendung.

Zusammenarbeit mit der Familienagentur

1. Die Genossenschaft, über die die Tätigkeit abgewickelt wird, gewährleistet die Zusammenarbeit mit der Familienagentur.

Kostenbeteiligung durch die öffentliche Hand

1. Von Einzelpersonen angebotener Tagesmütter-/Tagesväterdienst wird nicht gefördert.

2. Die Genossenschaften, über die die Tätigkeit abgewickelt wird, können Beiträge für die Ausbildung der Tagesmütter/Tagesväter und für die Deckung der allgemeinen Betriebskosten erhalten.

Lehrbauernhof

UAB - Tätigkeit, bereits geregelt, BLR 4617/08

Beschreibung

UAB - Tätigkeit, BLR 4617/08 laut Artikel 4 Absatz 1 Buchstabe d) des Landesgesetzes vom 22. Juni 2018, Nr. 8

1.Lehrbauernhöfe sind landwirtschaftliche Unternehmen, die gemäß Artikel 2 Absatz 3 Buchstabe c) des Landesgesetzes vom 19. September 2008, Nr. 7, in geltender Fassung, Lehrtätigkeiten und Verkostungen eigener landwirtschaftlicher Produkte und jener des umliegenden Gebietes sowie die Betreuung von Personen organisieren, auch aufgrund von Vereinbarungen mit örtlichen Körperschaften zur Aufwertung des ländlichen Gebietes und des Kulturgutes.

2. Am Lehrbauernhof werden Besuchergruppen empfangen, in erster Linie Kinder und Jugendliche jeder Schulstufe und -art, um sie in methodisch-didaktischer Hinsicht zu unterrichten. Dabei stehen folgende Ziele im Vordergrund:

a) Förderung des kulturellen Werts der Landwirtschaft und Aufwertung der Rolle des Landwirts/der Landwirtin als Bildungs- und Informationsträger,

b) Herstellen einer Verbindung zwischen Produzenten und jungen Konsumenten, mit dem Ziel, den jungen Menschen landwirtschaftliche Produktionsweisen, Qualitätsprodukte und einen gesunden, naturnahen Lebensstil näher zu bringen,

c) Stärkung der Bindung von jungen Menschen an den ländlichen Raum und Weichenstellung für eine nachhaltige Entwicklung.

Ausbildung

1. Der/Die landwirtschaftliche Unternehmer/ Unternehmerin, der/die die Tätigkeit ausübt, muss über eine angemessene berufliche Ausbildung gemäß Punkt 6 der Anlage C des Beschlusses der Landesregierung vom 9. Dezember 2008, Nr. 4617, verfügen. Der Ausbildungsnachweis kann auch von einem/einer Familienangehörigen des Unternehmers/der Unternehmerin erbracht werden, der/die kontinuierlich im Unternehmen mitarbeitet und die Tätigkeit tatsächlich ausübt.

Räumlichkeiten

1. Die Tätigkeit kann auf Grundstücken des landwirtschaftlichen Unternehmens sowie in Gebäuden oder Teilen desselben ausgeübt werden, die sich auf den Grundstücken befinden.

2. Die Nutzung von Gebäuden oder Teilen derselben für die Tätigkeit der sozialen Landwirtschaft stellt keine Änderung der Zweckbestimmung dar.

3. Die für die didaktische Tätigkeit genutzten Innen- und Außenräume müssen entsprechende Voraussetzungen hinsichtlich Stabilität und Sicherheit erfüllen und über eine angemessene Ausstattung und sanitäre Anlagen verfügen, die der Art der Tätigkeit und der in der zertifizierten Meldung des Tätigkeitsbeginns (ZMT) angeführten Aufnahmekapazität entsprechen. Die sanitären Anlagen können sich auch in den privaten Räumlichkeiten des landwirtschaftlichen Unternehmens befinden. Vorzusehen sind auch eine angemessene Anzahl von Sitzplätzen im Freien sowie ein Aufenthaltsraum.

Zusammenarbeit mit Schulen jeglicher Art und Stufe

1. Das landwirtschaftliche Unternehmen, das die Tätigkeit anbietet, muss die Zusammenarbeit mit den Schulen jeglicher Art und Stufe gewährleisten.

Kostenbeteiligung durch die öffentliche Hand

1. Die Landesabteilung Landwirtschaft finanziert über die Schulen bis zu 70% des Tagessatzes.

2. Die Auszahlung erfolgt über die jeweilige Schule.

Gemeinsam Alltag leben

Ein Dienst für Senioren und Seniorinnen

Tätigkeit laut Artikel 4 Absatz 1 Buchstabe b) des Landesgesetzes vom 22. Juni 2018, Nr. 8

Beschreibung

1. „Gemeinsam Alltag Leben“ bezeichnet die soziale und unterstützende Tätigkeit, die von Personen angeboten wird, in der Folge Alltagsgestalter und Alltagsgestalterinnen bezeichnet, die in Zusammenarbeit mit den Sozialgenossenschaften Senioren und Seniorinnen aufnehmen, wobei sie sie in ihren Familienalltag einbeziehen und angemessen begleiten und verpflegen. Dabei werden diesen Personen auch kleine Aufgaben angeboten, die sie selbständig erledigen können.

2. Der Dienst wird in der Wohnung am Bauernhof erbracht, in dem der Alltagsgestalter/die Alltagsgestalterin lebt.

3. Der Dienst ist eine flexible Form der teilstationären oder stationären Aufnahme einer oder mehrerer Nutzer/Nutzerinnen, die Unterstützung bei der Alltagsbewältigung benötigen. Es können maximal drei Nutzer/Nutzerinnen gleichzeitig aufgenommen werden.

4. Die stationäre Aufnahme kann für einen begrenzten Zeitraum angeboten werden. Unabhängig vom Zeitlimit kann die stationäre Aufnahme auch für einzelne Tage/Nächte oder am Wochenende angeboten werden.

5. Der Dienst wird vorrangig in der Wohnsitzgemeinde der Person durchgeführt, die ihn in Anspruch nimmt.

Zielgruppe

1. Der Dienst richtet sich an Senioren und Seniorinnen (über 65-Jährige) ohne Pflegestufe oder mit Einstufung in die erste oder zweite Pflegestufe, die ihren Wohnsitz in Südtirol haben. Angehörige der zweiten Pflegestufe können den Dienst in Anspruch nehmen, vorausgesetzt, sie erfüllen die Voraussetzungen laut den Richtlinien zur Regelung der Organisation und Führung dieses Dienstes, in der Folge als Richtlinien bezeichnet.

2. Braucht die Person eine krankenpflegerische Betreuung, ist ein positives Gutachten der gebietsmäßig zuständigen Hauskrankenpflege notwendig.

3. Der Nutzer/Die Nutzerin darf zum Alltagsgestalter/zur Alltagsgestalterin oder zu dessen/deren Familienmitgliedern keine verwandtschaftliche Beziehung bis einschließlich zum vierten Grad haben oder mit ihnen bis zu diesem Grad nicht verschwägert sein.

Alltagsgestalter/Alltagsgestalterin

1. Der Alltagsgestalter/Die Alltagsgestalterin ist Mitglied der Genossenschaft, über die der Dienst abgewickelt wird, und ist persönlich für den korrekten Ablauf des Dienstes verantwortlich.

2. Der Alltagsgestalter/Die Alltagsgestalterin erfüllt nachstehende Voraussetzungen:

a) Mindestalter von 21 Jahren,

b) Ausbildung (siehe unter Ausbildung)

c) verfügt über eine im angemessene Wohnung. (siehe unter Räumlichkeiten)

Ausbildung

1. Für die Ausübung der Tätigkeit ist einer der folgenden Ausbildungsnachweise erforderlich:

a) Nachweis über den Abschluss des Lehrgangs „Gemeinsam Alltag Leben“ laut den Richtlinien, oder

b) Diplom bezogen auf eines der folgenden Berufsbilder:

1) Sozialassistent/Sozialassistentin

2) Sozialpädagoge/Sozialpädagogin,

3) Behindertenerzieher/Behindertenerzieherin oder Erzieher/Erzieherin (auslaufende Berufsbilder),

4) Fachkraft für soziale Dienste,

5) Sozialbetreuer/Sozialbetreuerin,

6) Betreuer/Betreuerin für Menschen mit Behinderung (auslaufendes Berufsbild),

7) Altenpfleger/Altenpflegerin,

8) Familienhelfer/Familienhelferin,

9) Krankenpfleger/Krankenpflegerin.

2. Für den Lehrgang (Mindestalter 21 Jahre), können den Pflegehelfern und Pflegehelferinnen einige Inhalte ihrer Berufsausbildung anerkannt werden, vorausgesetzt, dass diese mindestens dieselbe Anzahl an Lehrstunden wie das entsprechende Kursmodul umfassen.

3. Als Ausbildung wird auch der Abschluss eines der folgenden Lehrgänge anerkannt:

a) „Der soziale Bauernhof“,

b) „Seniorenbetreuung am Bauernhof und bei Gastfamilien im ländlichen Raum“.

Räumlichkeiten

1. Die Wohnung am Bauernhof, in der der Dienst erbracht wird, muss die in den Richtlinien vorgegebenen Qualitätsstandards erfüllen.

 

Genehmigung und Akkreditierung

1. Die Genossenschaft, über die die Tätigkeit abgewickelt wird, muss die Genehmigung laut den Richtlinien besitzen.

2. Nach Genehmigung der Akkreditierungsrichtlinien muss der Dienst akkreditiert werden.

 

Zusammenarbeit mit den bestehenden Einrichtungen aus dem Sozial- und Gesundheitsbereich

Die Genossenschaft, über die die Tätigkeit abgewickelt wird, garantiert die Zusammenarbeit mit den Sozial- und Gesundheitsdiensten im Landesgebiet, insbesondere mit der im jeweiligen Einzugsgebiet aktiven Anlaufstelle für Pflege und Betreuung gemäß Artikel 15/bis des Landesgesetzes vom 30. April 1991, Nr. 13, in geltender Fassung.

Gemeinsam Alltag leben

Ein Dienst für Menschen mit Behinderung, mit psychischer Erkrankung oder mit Abhängigkeitserkrankung (Sozialgenossenschaft)

Beschreibung

Tätigkeit laut Artikel 4 Absatz 1 Buchstabe b) des Landesgesetzes vom 22. Juni 2018, Nr. 8

1. „Gemeinsam Alltag Leben“ bezeichnet die soziale und unterstützende Tätigkeit, die von Personen angeboten wird, in der Folge Alltagsgestalter/Alltagsgestalterin bezeichnet, die in Zusammenarbeit mit den Sozialgenossenschaften Menschen mit Behinderung, mit psychischer Erkrankung oder Abhängigkeitserkrankung aufnehmen, wobei sie sie in ihren Familienalltag einbeziehen und angemessen begleiten und verpflegen. Dabei werden diesen Menschen auch kleine Aufgaben angeboten, die sie selbständig erledigen können.

2. Der Dienst wird in der Wohnung am Bauernhof erbracht, an dem der Alltagsgestalter/die Alltagsgestalterin lebt.

3. Der Dienst ist eine flexible Form der teilstationären oder stationären Aufnahme einer oder mehrerer Nutzer/Nutzerinnen, die Unterstützung bei der Alltagsbewältigung benötigen. Es können maximal drei Nutzer/Nutzerinnen gleichzeitig aufgenommen werden.

4. Die stationäre Aufnahme kann für einen begrenzten Zeitraum angeboten werden. Unabhängig vom Zeitlimit kann die stationäre Aufnahme auch für einzelne Tage/Nächte oder am Wochenende angeboten werden.

5. Der Dienst wird vorrangig in der Wohnsitzgemeinde der Person durchgeführt, die ihn in Anspruch nimmt.

Zielgruppe

1. Der Dienst richtet sich an volljährige Menschen mit Behinderung, mit psychischer Erkrankung oder Abhängigkeitserkrankung gemäß Artikel 2 Absätze 1 und 2 des Landesgesetzes vom 14. Juli 2015, Nr. 7, ohne Pflegestufe oder mit Einstufung in die erste oder zweite Pflegestufe, die ihren Wohnsitz in Südtirol haben. Angehörige der zweiten Pflegestufe können den Dienst in Anspruch nehmen, vorausgesetzt, sie erfüllen die Voraussetzungen laut den Richtlinien zur Regelung der Organisation und Führung dieses Dienstes, in der Folge als Richtlinien bezeichnet.

2. Braucht die Person eine krankenpflegerische Betreuung, ist ein positives Gutachten der gebietsmäßig zuständigen Hauskrankenpflege notwendig.

3. Der Nutzer/Die Nutzerin darf zum Alltagsgestalter/zur Alltagsgestalterin oder zu dessen/deren Familienmitgliedern keine verwandtschaftliche Beziehung bis einschließlich zum vierten Grad haben oder mit ihnen bis zu diesem Grad nicht verschwägert sein.

Alltagsgestalter/Alltagsgestalterin

1. Der Alltagsgestalter/Die Alltagsgestalterin ist Mitglied der Genossenschaft, über die der Dienst abgewickelt wird und ist persönlich für den korrekten Ablauf des Dienstes verantwortlich.

2. Der Alltagsgestalter/Die Alltagsgestalterin erfüllt nachstehende Voraussetzungen:

a) Mindestalter von 21 Jahren,

b) Ausbildung (siehe Punkt Ausbildung)

c) verfügt über angemessene Wohnung. (siehe Punkt Räumlichkeiten)

Ausbildung

1. Für die Ausübung der Tätigkeit ist einer der folgenden Ausbildungsnachweise erforderlich:

a) Nachweis über den Abschluss des Lehrgangs „Gemeinsam Alltag Leben“ laut den Richtlinien, oder

b) Diplom bezogen auf eines der folgenden Berufsbilder:

1) Sozialassistent/Sozialassistentin,

2) Sozialpädagoge/Sozialpädagogin,

3) Behindertenerzieher/Behindertenerzieherin oder Erzieher/Erzieherin (auslaufende Berufsbilder),

4) Fachkraft für soziale Dienste,

5) Sozialbetreuer/Sozialbetreuerin,

6) Betreuer/Betreuerin für Menschen mit Behinderung (auslaufendes Berufsbild),

7) Altenpfleger/Altenpflegerin,

8) Familienhelfer/Familienhelferin,

9) Krankenpfleger/Krankenpflegerin.

2. Für den Lehrgang (Mindestalter 21 Jahre) können den Pflegehelfern und Pflegehelferinnen einige Inhalte ihrer Berufsausbildung anerkannt werden, vorausgesetzt, dass diese mindestens dieselbe Anzahl an Lehrstunden wie das entsprechende Kursmodul umfassen.

3. Als Ausbildung wird auch der Abschluss eines der folgenden Lehrgänge anerkannt:

a) „Der soziale Bauernhof“,

b) „Seniorenbetreuung am Bauernhof und bei Gastfamilien im ländlichen Raum“.

4. Die Ausbildung ist zu ergänzen mit einem Nachweis über den erfolgreichen Abschluss der folgenden Module des Lehrgangs „Gemeinsam Alltag Leben“:

a) Besonderheiten und Erkrankungen von Senioren und Seniorinnen, von Menschen mit Behinderung, mit psychischer Erkrankung oder Abhängigkeitserkrankung,

b) Integration von Senioren und Seniorinnen, von Menschen mit Behinderung, mit psychischer Erkrankung oder Abhängigkeitserkrankung in das Familienleben,

c) Aktivierung und Alltagsgestaltung,

d) Angebote im sozialen Bereich für Senioren und Seniorinnen sowie Menschen mit Behinderung, mit psychischer Erkrankung oder Abhängigkeitserkrankung in Südtirol, Netzwerkarbeit und Kontakte.

Räumlichkeiten

1. Die Wohnung am Bauernhof, in der der Dienst erbracht wird, muss die in den Richtlinien vorgegebenen Qualitätsstandards erfüllen.

Genehmigung

1. Die Genossenschaft, über die die Tätigkeit abgewickelt wird, muss die Genehmigung laut den Richtlinien besitzen.

2. Nach Genehmigung der Akkreditierungsrichtlinien muss der Dienst akkreditiert werden.

Zusammenarbeit mit den bestehenden Einrichtungen aus dem Sozial- und Gesundheitsbereich

1. Die Genossenschaft, über die die Tätigkeit abgewickelt wird, garantiert die Zusammenarbeit mit den Sozial- und Gesundheitsdiensten im Landesgebiet, insbesondere mit der im jeweiligen Einzugsgebiet aktiven Anlaufstelle für Pflege und Betreuung gemäß Artikel 15/bis des Landesgesetzes vom 30. April 1991, Nr. 13, in geltender Fassung.

Kostenbeteiligung durch die öffentliche Hand

1. Das Land fördert diesen Dienst durch Beiträge für die Führungskosten zugunsten der Genossenschaften.

Essen in der Nachbarschaft

Einzelbetriebe in Verbindung mit UAB-Hofschank oder Partyservice

Beschreibung

Tätigkeit laut Artikel 4 Absatz 1 Buchstabe b) des Landesgesetzes vom 22. Juni 2018, Nr. 8

1. „Essen in der Nachbarschaft“ ist eine Form der Leistung „Essen auf Rädern“ und ist eine soziale und unterstützende Tätigkeit; diese umfasst die Verköstigung am Bauernhof, an dem der Anbieter/die Anbieterin des Dienstes lebt. Die Mahlzeiten werden in einem bäuerlichen Umfeld angeboten und von den Nutzern und Nutzerinnen gemeinsam mit der den Dienst anbietenden Person und deren Familie zu sich genommen.

2. Hat die den Dienst in Anspruch nehmende Person nicht die Möglichkeit, ihre Wohnung zu verlassen, können die Mahlzeiten auch dorthin geliefert werden, vorausgesetzt, diese befindet sich in derselben Gemeinde wie der Bauernhof oder in einer angrenzenden Gemeinde.

3. Am Bauernhof dürfen maximal sechs Nutzer/Nutzerinnen gleichzeitig verköstigt werden. Werden Mahlzeiten ausgeliefert, können maximal zehn Nutzer/Nutzerinnen versorgt werden.

4. Der Dienst garantiert dem Nutzer/der Nutzerin mindestens eine warme, gesunde, ausgewogene und bedürfnisgerechte Mahlzeit pro Tag, hauptsächlich unter Verwendung regionaler, saisonaler und eigener Produkte. Dabei werden die besonderen Bedürfnisse der Person in Zusammenhang sowohl mit der Ernährung als auch der Nahrungsaufnahme berücksichtigt. Gleichzeitig bietet der Dienst eine Gelegenheit der Begegnung, um der sozialen Vereinsamung entgegenzuwirken.

5. Der Dienst muss ganzjährig für mindestens fünf Tage pro Woche garantiert werden.

6. Der Anbieter/Die Anbieterin des Dienstes gewährleistet die Einhaltung der geltenden Hygiene- und sonstigen Bestimmungen im Rahmen der Vorbereitung, Produktion, Verarbeitung, Verabreichung und Lieferung von Lebensmitteln. Werden Mahlzeiten nach Hause geliefert, müssen geeignete Behälter für den Transport verwendet werden.

7. Der Dienst wird vorrangig in der Wohnsitzgemeinde der Person durchgeführt, die ihn in Anspruch nimmt.

Zielgruppe

1. Dieser Dienst richtet sich an Senioren und Seniorinnen (über 65-Jährige) ohne Pflegestufe oder mit Einstufung in die erste oder zweite Pflegestufe, sowie an volljährige Menschen mit Behinderung, mit psychischer Erkrankung oder Abhängigkeitserkrankung gemäß Artikel 2 Absätze 1 und 2 des Landesgesetzes vom 14. Juli 2015, Nr. 7, die ihren Wohnsitz in Südtirol haben.

2. Braucht die Person eine krankenpflegerische Betreuung, ist ein positives Gutachten der gebietsmäßig zuständigen Hauskrankenpflege notwendig.

3. Für die Verköstigung von Menschen mit Behinderung, mit psychischer Erkrankung oder Abhängigkeitserkrankung ist das positive Gutachten des gebietsmäßig zuständigen Sozialsprengels erforderlich.

4. Zudem muss die Person, die diesen Dienst in Anspruch nimmt, alle Voraussetzungen für die Inanspruchnahme der Leistung „Essen auf Rädern“ erfüllen.

5. Der Nutzer/Die Nutzerin darf zum Anbieter/zur Anbieterin des Dienstes oder zu dessen/deren Familienmitgliedern keine verwandtschaftliche Beziehung bis einschließlich zum vierten Grad haben oder mit ihnen bis zu diesem Grad nicht verschwägert sein.

Anbieter/Anbieterin des Dienstes

1. Wer den Dienst anbietet, ist persönlich für dessen Ablauf verantwortlich und erfüllt die folgenden Voraussetzungen:

a) ist Inhaber eines landwirtschaftlichen Unternehmens, das die Tätigkeit „Hofschank“ oder „Party-Service“ gemäß Artikel 2 Absatz 3 Buchstabe b) des Landesgesetzes vom 19. September 2008, Nr. 7, in geltender Fassung, ausübt oder ist Mitglied der Familie, die kontinuierlich in diesem Unternehmen mitarbeitet,

b) hat ein Mindestalter von 21 Jahren,

c) hat die Ausbildung absolviert (siehe Ausbildung)

d) verfügt über einen geeigneten Bauernhof (siehe Räumlichkeiten)

Ausbildung

1. Für die Ausübung der Tätigkeit ist einer der folgenden Ausbildungsnachweise erforderlich:

a) Nachweis über den Abschluss des Lehrgangs „Essen in der Nachbarschaft“ laut den Richtlinien für die Organisation und Führung des Dienstes, in der Folge als Richtlinien bezeichnet,

oder

b) Diplom einer Fachschule für Hauswirtschaft und Ernährung und Nachweis über den erfolgreichen Abschluss folgender Module des Lehrgangs „Essen in der Nachbarschaft“:

1) Besonderheiten und Erkrankungen von Senioren und Seniorinnen, von Menschen mit Behinderung, mit psychischer Erkrankung oder Abhängigkeitserkrankung,

2) Organisation der Dienstleistung und Rechtsgrundlagen - Schwerpunkt Zubereitung der Mahlzeiten,

oder

c) Doktorat als Ernährungstherapeut/ Ernährungstherapeutin.

Räumlichkeiten

1. Der Bauernhof, an dem der Dienst erbracht wird, muss die in den Richtlinien vorgegebenen Qualitätsstandards erfüllen.

Genehmigung

1. Das landwirtschaftliche Unternehmen, das den Dienst anbietet, muss die Genehmigung laut den Richtlinien besitzen.

Zusammenarbeit mit den bestehenden Einrichtungen aus dem Sozial- und Gesundheitsbereich

1. Das landwirtschaftliche Unternehmen, das den Dienst anbietet, garantiert die Zusammenarbeit mit den Sozial- und Gesundheitsdiensten im Landesgebiet, insbesondere mit der im jeweiligen Einzugsgebiet aktiven Anlaufstelle für Pflege und Betreuung gemäß Artikel 15/bis des Landesgesetzes vom 30. April 1991, Nr. 13, in geltender Fassung.

Kostenbeteiligung durch die öffentliche Hand

1. Das Land fördert diesen Dienst im Rahmen der sozialen Landwirtschaft über die Tarifintegration für bedürftige Personen. Je nach Bedürftigkeit des Antragstellers/der Antragstellerin, übernimmt die Körperschaft, welche die Genehmigung ausgestellt hat, den Resttarif.