Europäisches Netzwerk Natura 2000

Natura 2000 will der Verschlechterung der natürlichen und naturnahen Lebensräume sowie der Gefährdung wild lebender Arten auf europäischer Ebene gegensteuern. Das europäische Erbe mit seinen vielfältigen Lebensräumen, Tier- und Pflanzenarten soll geschützt und langfristig erhalten werden und gleichzeitig ökonomische, soziale, kulturelle und regionale Erfordernisse berücksichtigen – nicht zuletzt, weil Biodiversität auch von der Erhaltung bestimmter traditioneller Nutzungen abhängen kann.

Die Umsetzung von Natura 2000 ist für alle EU-Mitgliedstaaten und somit auch für Italien, verpflichtend. Ein Unterlassen der Umsetzung könnte nicht nur eine Klage von Seiten der Kommission beim Europäischen Gerichtshof bedingen, sondern auch Auswirkungen auf die Auszahlung der Gelder aus den Strukturfonds haben. Für die Auswahl geeigneter Gebiete waren in Italien die zuständigen Behörden in den Regionen und Autonomen Provinzen verantwortlich.

Biogeografische Regionen

Biogeografische Regionen

Europa wird in elf unterschiedliche biogeografische Regionen unterteilt. Neun  davon können den derzeit 28 Mitgliedstaaten der Europäischen Union zugeschrieben werden. Es sind dies die alpine, die atlantische, die Schwarz-Meer, die boreale, die kontinentale, die macaronesische, die mediterrane, die pannonische sowie die steppische Region.
Diese Regionen sind Staatsgrenzen überschreitende Einheiten, die die räumliche Verteilung von Lebensräumen und Arten wiedergeben sollen. Für ihre Abgrenzung dienten geografische, entwicklungsgeschichtliche, klimatische, topografische sowie bodenkundliche Eigenschaften.
Italien hat Anteil an der alpinen, mediterranen und kontinentalen biogeografischen Region, Südtirol ausschließlich an der alpinen.

Besondere Schutzgebiete (BSG) nach der Vogelschutzrichtlinie

Die Vogelschutzrichtlinie (2009/147/EG) „über die Erhaltung der wild lebenden Vogelarten“ hat den langfristigen Schutz der wildlebenden Vogelarten und ihrer Lebensräume zum Ziel. Gemäß Art. 4 der Vogelschutzrichtlinie haben die Mitgliedsstaaten auf die in Anhang I angeführten Arten besondere Schutzmaßnahmen hinsichtlich ihrer Lebensräume anzuwenden, um das Überleben und die Vermehrung in ihrem Verbreitungsgebiet sicherzustellen. Insbesondere sind die Mitgliedsstaaten die für die Erhaltung dieser Arten verpflichtet geeignete Gebiet zu Schutzgebieten zu erklären. Für Zugvogelarten treffen die Mitgliedsstaaten Maßnahmen hinsichtlich Vermehrungs- Mauser- und Überwinterungsgebiete sowie der Rastplätze in ihren Wanderungsgebieten. Dabei ist dem Schutz der Feuchtgebiete besondere Bedeutung beizumessen.

Gebiete gemeinschaftlicher Bedeutung (GGB) nach der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie

Die Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (92/43/EWG) zur Erhaltung der natürlichen und naturnahen Lebensräume sowie der wild lebenden Tiere und Pflanzen verpflichtet alle Mitgliedstaaten zum Schutz seltener Lebensräume sowie Tier- und Pflanzenarten, die in den Anhängen der Richtlinie ausgelistet werden. Auf ihrer Grundlage werden die Gebiete Gemeinschaftlicher Bedeutung (GGB) ausgewiesen, die ein kohärentes europäisches Netz von Schutzgebiete bilden sollen.

Besondere Schutzgebiete (BSG) nach der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie

Die Gebiete von Gemeinschaftlicher Bedeutung (GGB) sind laut Richtlinie innerhalb von sechs Jahren nach Ausweisung in sogenannte Besondere Schutzgebiete (BSG) umzuwandeln. Erst mit diesem Verfahrensschritt ist der Natura 2000-Iter vollständig abgeschlossen.
Die Umwandlung der Gebiete Gemeinschaftlicher Bedeutung in Besondere Schutzgebiete ist an die Festlegung spezifischer Entwicklungs- und Erhaltungsmaßnahmen für die einzelnen Gebiete gekoppelt.

Die Mitgliedsstaaten müssen also die erforderlichen Maßnahmen festlegen, die zur Wahrung oder Wiederherstellung eines günstigen Erhaltungszustandes der Lebensräume und Arten, für die das Gebiete ausgewiesen wurde, erforderlich sind.

Natura-2000-Gebiete in Europa

Natura-2000-Gebiete in Europa

Bis heute haben die 28 Mitgliedsstaaten insgesamt 27.522 Natura-2000-Gebiete (terrestrische und marine Gebiete) ausgewiesen. Diese umfassen eine Gesamtfläche von 1.184.609 km², das entspricht mehr als 18,5 Prozent der Gesamtfläche der 28 Mitgliedsstaaten.