Rasen und Wiesen trocken-frisch (Beschreibung Lebensraum)

Montan-subalpine Fettwiesen (Polygono-Trisetion)

Pflanzensoziologie: Die regelmäßig gemähten und nur gelegentlich beweideten Bergwiesen zählen zum Verband Polygono bistortae-Trisetion flavescentis (Poo alpinae-Trisetetalia).

Beschreibung

Es handelt sich um zusammenhängende Krautformationen mittlerer Statur, die sich aus verschiedenen Gräsern und anderen krautigen Arten zusammensetzen.

Übereinstimmung mit anderen Klassifizierungssystemen

Natura 2000, Checkliste der Lebensräume Südtirols, Corine, EUNIS.

Verbreitung

Die Berg-Fettwiesen sind in allen Berggebieten des europäischen Festlandes verbreitet und auch in Südtirol gut vertreten (aber im übrigen Alpenraum deutlich rückgängig).

Ökologie

Diese frischen Wiesen haben eine montane bis subalpine Höhenverbreitung. Im Idealfall werden sie einmal jährlich gemäht, in den unteren Lagen selten zweimal. Gegen Ende des Sommers, nach dem Schnitt im Juli, kann eine Beweidung folgen. Bei diesen Wiesen handelt es sich durchwegs um Ersatzgesellschaften von Nadelwäldern und subalpinen Gehölzen. Sie bevorzugen ausreichend tiefgründige, fruchtbare und nährstoffreiche Böden, benötigen daher eine angemessene, nicht übermäßige Düngung. Der Substrattyp spielt keine Rolle.

Typische Pflanzenarten

Typische Arten Artname Deutsch Dominante Arten Charakteristische   Arten Arten der Roten   Liste Südtirols Geschützte Arten (Naturschutzgesetz) Anmerkungen
Trisetum flavescens Wiesen-Goldhafer x        
Persicaria bistorta Schlangen-Knöterich x        
Anthoxanthum odoratum Gewöhnliches   Ruchgras x        
Geranium sylvaticum Wald-Storchschnabel x        
Homalotrichon pubescens Flaumhafer x        
Trollius europaeus Europäische Trollblume x        
Arabidopsis halleri Kriechende Schaumkresse   x      
Centaurea pseudophrygia Perücken-Flockenblume   x      
Crepis mollis Weichhaariger Pippau     VU    
Crepis pyrenaica Schabenkraut-Pippau     VU    
Taraxacum officinale agg. Artengruppe Gewöhnlicher Löwenzahn     LC!    

Oft kommt nur eine der Leitarten vor, die dann meist dominant ist.

Biologische Wertigkeit

Die Berg-Fettwiesen enthalten, von einigen Ausnahmen wie z. B. Crepis mollis abgesehen, keine wirklich seltenen Pflanzenarten. Die Wirbellosen sind überaus zahlreich vorhanden. Der Lebensraum wird oft von Säugetieren und anderen Wirbeltieren aufgesucht und als Nahrungsquelle und Schlafplatz genutzt.

Funktion des Lebensraumes

Die Futtergewinnung ist noch für viele Bergdörfer von wirtschaftlicher  Bedeutung. Zusätzlich sind gemähte Wiesen eine Bereicherung für die Landschaft.

Unterscheidung von ähnlichen Lebensräumen

Je nach Bewirtschaftung ist es nicht immer einfach, eine Wiese dem Polygono-Trisetion zuzuordnen, zumal die Bestände nicht immer gut ausgebildet sind. Häufig sind Übergänge mit anderen krautigen Vegetationstypen anzutreffen. Allen voran kommt es in der montanen Stufe zu Kontakten mit den Glatthaferwiesen, mit den Borstgrasrasen (auf eher sauren, mageren und zum Teil beweideten Böden), mit den Fettweiden (wo die Beweidung intensiver ist) und, in Hoch- und Schneelagen, mit den üppiger ausgebildeten Rostseggenrasen (Caricion ferrugineae). Häufig zu beobachten ist, dass nitrophile Arten aus Alm-Lägerfluren (Rumicion alpini) oder aus den Hochstaudenfluren (Adenostylion) in die Wiesen eindringen.

Entwicklungstendenzen und Gefährdung

Wie alle Grasformationen unterhalb der Waldgrenze sind auch die Berg-Fettwiesen anthropogenen Ursprungs und zeugen davon, wie Wälder und Gebüsche in Wiesen umgewandelt wurden. Hört die Bewirtschaftung auf, kommen unvermeidbar wieder Gehölze auf (allen voran die Fichte und die Lärche, in höheren Lagen auch Wacholder, Grünerle und Alpenrose).

Pflege und Naturschutz

Berg-Mähwiesen in einer akzeptablen Ausbildung zu erhalten, hat sich zu einem alpenweiten Problem entwickelt. Die optimale Lösung bestünde in einer regelmäßigen einschürigen Mahd, außer in den tieferen Lagen. Eine späte Beweidung würde die floristische Zusammensetzung nicht grundlegend verändern. Allerdings besteht an relativ feuchten Standorten die Gefahr, dass sich die unerwünschte Drahtschmiele (Deschampsia cespitosa) ausbreitet.

Lasen C., 2017 – Beschreibung der Lebensräume Südtirols. Autonome Provinz Bozen-Südtirol, Abteilung Natur, Landschaft und Raumentwicklung.

MM