Jagd in Südtirol

In Südtirol gilt ein soziales Revierjagdsystem, d.h. jeder Einwohner hat unabhängig vom Grundbesitz die Möglichkeit, in seiner Heimatgemeinde die Jagd auszuüben. Die Kontrolle über die Höhe der Einschreibegebühr in den einzelnen Revieren obliegt der Jagdbehörde, womit die Jagdausübung auch in finanzieller Hinsicht jedem ermöglicht wird.

Karte Jagdbezirke und Jagdreviere Südtirols
Jagdbezirke und Jagdreviere Südtirols

Das soziale Revierjagdsystem kommt in den 145 Revieren kraft Gesetzes zur Anwendung, welche 82% der Landesfläche einnehmen. Hinzu kommen 51 Eigenjagdreviere, welche ca. 2% der Landesfläche ausmachen. In diesen ist das Recht zur Jagdausübung auf den Grundeigentümer beschränkt, welcher aber auch die Möglichkeit hat, die Jagd zu verpachten.
Jene Gebiete, in denen in Südtirol die Jagd verboten ist (Nationalpark Stilfser Joch) oder Beschränkungen unterliegt (Domänen - Wildschutzgebiete), nehmen rund 16% der Landesfläche ein.

Organisatorisch sind die Jagdreviere kraft Gesetzes in 8 Jagdbezirken zusammengeschlossen. Die Größe der einzelnen Reviere ist sehr unterschiedlich; mit 30.000 ha stellt Sarntal das größte Revier dar und ist somit mehr als 100 mal so groß als jenes von Waidbruck mit nur 230 ha. Die durchschnittliche Reviergröße von 4.500 ha ermöglicht in den meisten Revieren eine sinnvolle Wildbewirtschaftung. Rund 6.150 Südtiroler Jäger sind Mitglied in einem Revier kraft Gesetzes; dem einzelnen Jäger steht somit im Durchschnitt eine Jagdfläche von 100 ha zur Verfügung.

Die Anzahl der Jagdreviere kraft Gesetzes sowie jene der Eigenjagdreviere pro Jagdbezirk kann der nachfolgenden Tabelle entnommen werden.

Anzahl der Jagdreviere
Jagdbezirk Fläche (ha)** Anzahl der Jagdreviere kraft Gesetzes Anzahl der Eigenjagdreviere
** Die Flächenangaben enthalten nicht die Flächen des Nationalparkes Stilfser Joch und der Domänen - Wildschutzgebiete.

Vinschgau

85.635 13 2
Meran 94.073 25 4
Bozen 116.067 21 20
Unterland 25.399 12 1
Brixen 77.178 20 4
Sterzing 55.976 14 5
Bruneck 105.177 26 10
Oberpustertal 63.797 15 5
Gesamt 623.277 145 51

Die rechtlichen Bestimmungen über die Jagdausübung in Südtirol sind im Landesgesetz vom 17. Juli 1987, Nr. 14, in geltender Fassung, enthalten.

Die Oberaufsicht über die Jagd obliegt dem Amt für Jagd und Fischerei als zuständiger Landesbehörde. Der Aufgabenbereich des Amtes umfaßt den Schutz der heimischen Wildtiere, die Überwachung der Jagdaufsicht, die Zusammenarbeit mit dem Landestierarzt bei der Bekämpfung von Wildkrankheiten, die Kontrolle der Eigenjagdreviere, die Sekretariatsarbeit für die Wildbeobachtungsstelle, die Organisation der Jäger- und Jagdaufseherprüfungen, die Vorbeugung und Entschädigung von Wildschäden, die Ahndung von Gesetzesübertretungen und die Ausstellung von Dekreten für die Jagdaufsichtsorgane und von Jagdausweisen für die Ausübung der Jagd außerhalb der Provinz.
Die Verwaltung der Jagdreviere kraft Gesetzes ist dem Südtiroler Landesjagdverband übertragen und als Tätigkeit im öffentlichen Interesse anerkannt.
Der Südtiroler Jagdverband stellt die Jagderlaubnisscheine (Jahreskarten, Gastkarten, Wochen- und Tageskarten) aus und erstellt die Hegerichtlinien, die aber der so genannten Gestzesmäßigkeits- und Sachkontrolle durch die Jagdbehörde unterliegen.

Unter dem jagdbaren Schalenwild ist das Reh am häufigsten anzutreffen. Es findet sich in unterschiedlicher Dichte auf der gesamten Landesfläche und wird in allen Revieren bejagt. Der jährlich getätigte Abschuss beläuft sich auf rund 9000 - 9500 Stück.
Auch das Gamswild wird mit Ausnahme der Reviere Glurns, Prad und Pfatten sowie der Eigenjagden Kehlburg (Gais) und Laimburg-Piglon (Pfatten) überall bejagt.
Auch das Rotwild wird mittlerweile in Revieren bejagt, die bis vor wenigen Jahren noch Rotwild frei waren.
Hauptanliegen der Schalenwildbewirtschaftung ist die Erhaltung eines Gleichgewichtes zwischen den Wildbeständen und ihrer Umwelt; daneben wird die bestmögliche Struktur nach Alter und Geschlechterverhältnis angestrebt.

Problematischer stellt sich die Situation beim Niederwild dar, welche weniger durch die Jagd als vielmehr durch die Lebensraumzerstörung bzw. –einengung infolge der Intensivierung der Landwirtschaft hervorgerufen wurde. So ist das Rebhuhn aus dem Südtiroler Gebiet verschwunden und die Fasanenpopulation stark abnehmend.

Das Hauptziel der Südtiroler Jagdwirtschaft ist und bleibt die Erhaltung eines artenreichen Wildbestandes sowie der Schutz und die Verbesserung der Lebensräume. Die Entnahmen erfolgen nachhaltig über Abschusspläne und individuelle Abschusskontingente.