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Ist Mehrsprachigkeit bei autistischen Kindern kontraproduktiv?

Mehrsprachigen Familien mit autistischen Kindern wird oft empfohlen, nur eine Sprache mit dem betroffenen Kind zu sprechen. Doch ist die Mehrsprachigkeit für diese Kinder wirklich eine zusätzliche Erschwernis? Zum internationalen Tag des Autismus am 2. April hat das Amt für Weiterbildung nachgeforscht und ist auf interessante Ergebnisse gestoßen.

Pixabay_Autismustag

In einer globalisierten Welt, wie wir sie heute kennen, sind mehrsprachige Familien in Südtirol wie auch anderswo keine Seltenheit. Während bei kognitiv normal entwickelten Kindern in den meisten Fällen die Ängste überwunden worden sind, dass das Aufwachsen mit mehreren Sprachen ein Risikofaktor für Verzögerungen in der Sprachentwicklung darstellen könnte, ist dies bei Kindern mit Autismus-Spektrum-Störung weitgehend noch nicht der Fall. Viele Familien gehen davon aus, dass die Kinder unnötig belastet werden und beschränken sich deshalb auf eine einzige Familiensprache. Das heißt, dass ein Elternteil meist auf die eigene Muttersprache verzichtet, um dem Kind zuliebe nur eine Kommunikationssprache zuzumuten.

Es gibt aber keine wissenschaftlichen Untersuchungen, die jemals festgestellt hätten, dass für autistische Kinder eine Zwei- oder Mehrsprachigkeit eine zusätzliche Erschwernis oder sogar ein Schaden bedeuten würde. Im Gegenteil: Mehrere Studien haben sogar ergeben, dass sich zwei Familiensprachen auf das betroffene Kind sogar positiv ausprägen könnten, weil ihm die Fähigkeit abverlangt wird zu verstehen, welche Sprache es mit wem sprechen muss. Dieses ständige „Empathie“-Training sei wie eine natürliche Therapie, zumal Menschen mit Autismus-Spektrum-Störungen sich schwertun, sich in den Gesprächspartner hineinzuversetzen.

Vor diesem Hintergrund sollten Familien autistischer Kinder nicht blindlings auf eine mehrsprachige Erziehung verzichten; sie sollten sich vorerst gründlich bei mehreren Quellen informieren, ob für ihr Kind und für dessen besondere Form von Autismus mehrere Sprachen wirklich kontraproduktiv sind oder nicht bzw. sogar vorteilhaft sein könnten.

LPA/SL

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