Vormerkzeiten

Rationalisierung und Reduzierung von Vormerkzeiten für fachärztliche Leistungen - die Anwendung eines angemessenen Zuganges in der Autonomen Provinz Bozen

Das Phänomen der „Vormerkzeiten" ist in allen Staaten präsent, in denen sich ein funktionierender Gesundheitsdienst entwickelt hat, der fortgeschrittene Betreuungsstandards anbietet, unabhängig vom effektiv angewandten organisatorischen Modell. Eine systematische Überwachung der Wartezeiten erlaubt es, den Landesgesundheitsdienst besser zu positionieren und Vergleiche mit anderen Regionen Italiens sowie, im Zusammenhang mit der Gesundheitsplanung, auf nationaler Ebene anzustellen.

Das Land Südtirol hat besonders seit Ende der 90er Jahre eine Reihe von Maßnahmen ergriffen, die in direkter oder indirekter Weise auf eine Rationalisierung der Wartezeiten für Leistungen des Gesundheitsdiensts abzielen. Daher hat sich das Gesundheitressort in enger Zusammenarbeit mit dem Sanitätsbetrieb um neue Modelle und innovative Projekte bemüht, um Wartelisten und Wartezeiten besser zu verwalten. Dabei wird auch berücksichtigt, dass sich die technische Qualität im Gesundheitswesen ständig weiter entwickelt. Das bedeutet, dass immer häufiger biomedizinische Technologien und ambulanten Dienste in Anspruch genommen werden. Deshalb wurden die Wartezeiten in homogene Gruppierungen unterteilt (HGW - homogene Gruppierung von "Wartezeiten") und klinische Wege definiert, um in einem akzeptablen Zeitrahmen den klinischen Bedürfnissen bei nicht dringenden medizinischen Eingriffen Rechnung zu tragen und in angemessener Art und Weise die bestehenden technologischen und humanen Ressourcen zu nutzen.

Landesplan zur Eindämmung der Wartezeiten (Externer Link)

Allgemeine Grundsätze sowie Einteilung der Leistungen

Es gilt die nachfolgende Einteilung der klinischen Dringlichkeiten:

  • U (Urgente/Dringend), innerhalb von 24 Stunden ab Zeitpunkt der ärztlichen Anfrage;
  • B (Breve/Prioritär-Vorrangig), innerhalb von acht Tagen ab Zeitpunkt der ärztlichen Anfrage;
  • D (Differibile/Aufschiebbar), innerhalb von 60 Tagen für fachärztliche Visiten und für Abklärungen, die in einer spezifischen Auflistung aufscheinen (Ausnahmeregelung bis zu 120 Tage für bestimmte Fachbereiche);
  • P (Programmiert): Leistung, welche ausschließlich vom Facharzt verschrieben und vorgemerkt wird.

Die Verschreibung muss die Angabe der Höchstvormerkzeit, welche im Einklang mit dem effektiv festgestellten Gesundheitsbedarf des Betroffenen/der Betroffenen stehen muss, vorsehen.

Konkret unterscheidet man folgende Vorgangsweise:

So schnell wie möglich durchzuführende Leistung und zwar im Laufe desselben Tages.

Zugangskriterien: der Patient/die Patientin gelangt zur Krankenhausstruktur nach vorausgegangener Verschreibung eines Arztes/einer Ärztin (Allgemeinmediziner/in, Facharzt/-ärztin). Der Arzt/die Ärztin muss auf der Verschreibung das Problem oder den diagnostischen Verdacht anführen, der für die  Überstellung des Patienten/der Patientin verantwortlich zeichnet, versehen mit dem Vermerk „DRINGEND“.

Kriterien für die Leistungserbringung: über die Erste Hilfe oder über den direkten Zugang durch den Leistungserbringer. Die jeweiligen Zugangskriterien des Patienten/der Patientin zu den verschiedenen Diensten müssen über ein internes Reglement definiert werden, welches von der Sanitätsdirektion des Sanitätsbetriebes ausgearbeitet werden muss.

Es handelt sich um eine Leistung, welche innerhalb von acht Tagen erbracht werden muss.

Zugangskriterien: der Patient/die Patientin, der/die eine Krankenhaus- oder Sprengelstruktur für eine prioritäre vorrangige Leistung aufsucht, muss über eine ärztliche Verschreibung mit dem Vermerk „PRIOR“ verfügen.

Modalitäten für die Leistungserbringung: die Vormerkung erfolgt ausschließlich über die Einheitliche Vormerkungsstelle „CUP“ (soweit vorhanden). Für jede fachärztliche Leistung wird die Höchstzeit, innerhalb welcher die jeweilige Leistung erbracht werden muss, definiert, die nicht höher als acht Tage sein darf. Über die RAO-Richtlinien für die einzelnen Fachbereiche wird genau festgehalten, welche Leistungen in den PRIOR-Bereich fallen.

Leistungen, die innerhalb von acht Tagen erbracht werden müssen („PRIOR“)

Für diese Leistungen verweist man auf den Beschluss der Landesregierung Nr. 2.360/2007. Nachfolgend werden die Bereiche aufgelistet, innerhalb jener bestimmte Krankheitsbilder definiert wurden, die innerhalb von acht Tagen, ab Verschreibung, Anrecht auf die benötigte Leistung, geben.

Es sind dies folgenden Leistungen:

  • Onkologische Visite
  • Kardiologische Visite
  • Orthopädische Visite
  • Neurochirurgische Visite
  • Physiatrische Visite
  • Gynäkologische Visite
  • Neurologische Visite
  • Gefäßchirurgische Visite
  • Dermatologische Visite
  • Diabetes-Visite
  • Diätologische Visite
  • Hämatologische Visite
  • Gastroenterologische Visite
  • Internistische Visite
  • Infektionskrankheiten-Visite
  • Endokrinologische Visite
  • Nephrologische Visite
  • Pneumologische Visite
  • Augenvisite
  • Urologische Visite
  • HNO-Visite
  • Chirurgische Visite
  • Computertomographie Schädel
  • Magnetresonanz Lendenachse
  • Mammographie
  • Abdomen-Echographie
  • EGDskopie
  • Ecocolordoppler TSA
  • Arteriöse Ecocolordoppler der unteren und oberen Glieder
  • Elektromiographie

Leistung, die in der Norm innerhalb von 60 Tagen ab dem Zeitpunkt der Anfrage durchgeführt werden muss (Ausnahmeregelung: bis zu 120 Tage).

Zugangskriterien

Vormerkung, nach erfolgter ärztlicher Indikation.

Kriterien für die Durchführung:

alle Listen werden regelmäßig vom zuständigen Gesundheitsbezirk überwacht und überprüft.

In Berücksichtigung sämtlicher oben genannter Zeiten, werden für alle Listen, welche Vormerkzeiten über 60 Tage aufweisen, mit Ausnahme jener bestimmter Fachärzte/Fachärztinnen (Namenslisten gewünschter Ärzte/Ärztinnen - freie Arztwahl), spezifische Projekte eingeleitet, um die Gründe der Probleme hierfür zu erfassen und die Vormerkzeiten einzudämmen.

Es ist möglich, dass in enger Absprache zwischen der Landesabteilung Gesundheitswesen und dem Südtiroler Sanitätsbetrieb für bestimmte Bereiche ein Zeitfenster für diese Art von Leistungen von bis zu 120 Tagen, ab dem Zeitpunkt der Anfrage, gewährt wird. Es wird betont, dass es sich hier nur um klinische Erstvisiten handelt. Kontrollvisiten werden grundsätzlich vom Facharzt/von der Fachärztin verschrieben.

Die Gesundheitsbezirke leiten zur Reduzierung der Vormerkzeiten, welche die vorgesehenen Grenzen überschreiten, Maßnahmen ein, die eine Erhöhung des Leistungsangebotes zur Folge haben und zwar mittels:

  1. Umstrukturierung der krankenhausinternen-organisatorischen Aktivitäten (soweit dies möglich ist) in den Abteilungen, um die zur Verfügung stehenden Kapazitäten der ambulanten Tätigkeit besser zu nutzen;
  2. Erwerb von fachärztlichen Leistungen von Seiten interner oder externer akkreditierter Leistungserbringer, auch über die Anwendung hierfür notwendiger Vertragsmechanismen;
  3. indirekte Krankenhausbetreuung/-vergütung bei Nicht-Greifen anderer Initiativen. Die jeweiligen Rückvergütungssätze werden von der Landesregierung festgesetzt.

Ausschließlich vom Facharzt/von der Fachärztin, das heißt vom/von der zuständigen verschreibenden Arzt/Ärztin festgelegter Termin (dieser Termin ist von der Erhebung dann ausgenommen, wenn er die genannten Höchstvormerkzeiten überschreitet, analog zu jenen Fällen in welchen der Patient/die Patientin selbst für bestimmte Leistungen mit der Folge anderer, aufschiebbarer Termine durch den Landesgesundheitsdienst optiert).

Die Krankenhausaufenthalte werden in folgende Klassen unterteilt:

  • Klasse A: Krankenhausaufenthalt, der innerhalb von 30 Tagen erfolgen muss und zwar aufgrund seiner klinischen Entwicklung, die sich unter Umständen schnell verschlechtern und sich zu einer Dringlichkeit zuspitzen kann oder für die Prognosestellung erhebliche Nachteile mit sich bringt.
  • Klasse B: Krankenhausaufenthalt, der innerhalb von 60 Tagen erfolgen muss.
  • Es handelt sich um klinische Fälle, die zwar intensiven Schmerz oder starke Funktionsstörungen bzw. Beeinträchtigungen hervorrufen, aber nicht die Tendenz aufweisen, sich derart zu verschlimmern, dass sie zu einer Dringlichkeit werden und durch die Vormerkzeit für die Prognosestellung Nachteile mit sich bringen.
  • Klasse C: Krankenhausaufenthalt, der innerhalb von 180 Tagen erfolgen muss.
  • Es handelt sich um klinische Fälle, die minimalen Schmerz, Funktionsstörungen oder Beeinträchtigungen hervorrufen und nicht die Tendenz aufweisen, sich derart zu verschlechtern, dass sie zu einer Dringlichkeit werden und für die Prognosestellung Nachteile mit sich bringen.
  • Klasse D: Krankenhausaufenthalte ohne Höchstvormerkzeiten für klinische Fälle, welche keinen Schmerz, Funktionsstörungen oder Beeinträchtigung hervorrufen. Diese Fälle müssen jedoch innerhalb von 12 Monaten behandelt werden. Diese Einteilung, die ursprünglich für chirurgische Eingriffe gedacht war, kann auch als Anhaltspunkt für medizinische Krankenhausaufenthalte angesehen werden.

Diese Unterteilung, die ursprünglich nur für chirurgische Eingriffe gedacht war, soll nun auch für Aufenthalte angewandt werden.

Um eine höhere Transparenz auch zu statistischen Zwecken ermöglichen zu können, müssen die Vormerkzeiten der Vormerklisten für nicht dringende Krankenhausaufenthalte regelmäßig überwacht werden und zwar zumindest zweimonatlich, über den Datenfluss der „SDO“.

Die Höchstvormerkzeit wird vom Facharzt bei der Vormerkung der vom Patienten benötigten Leistung, aufgrund einer klaren klinischen Priorität festgelegt.

Als Auflage für die Gesundheitsplanung in der Autonomen Provinz Bozen gelten folgende Zielsetzungen, die mit der Genehmigung dieses Planes, spezifisch für Krankenhausaufenthalte für Patienten, die in Südtirol ansässig und im Südtiroler Gesundheitsdienst eingeschrieben sind, zusammenhängen.

Der Südtiroler Sanitätsbetrieb ist verpflichtet, vorrangig die nachfolgenden Höchstvormerkzeiten für die Südtiroler Bevölkerung, ab 01.01.2012, sicherzustellen.

Höchstvormerkzeiten bei folgenden Leistungen für 50 % der Patienten:

  1. Eingriffe Katarakt: 90 Tage
  2. Eingriffe Hüftprothese:120 Tage
  3. Eingriffe Koronarographie: 60 Tage

Höchstvormerkzeiten bei folgenden Leistungen für 90 % der Patienten:

  1. Eingriffe Katarakt: 180 Tage
  2. Eingriffe Hüftprothese: 180 Tage
  3. Eingriffe Koronarographie: 120 Tage

Eine korrekte Vormerkung setzt eine Verschreibung voraus, die als so genannte „Erstvisite“ eingestuft wird. Zudem ist es notwendig, dass die Verschreibung in unverkennbarer Art und Weise ausgestellt wird. Zu diesem Zwecke ist es erforderlich, dass der Verschreiber stets den Kodex des Leistungsverzeichnisses angibt und natürlich die Beschreibung der durchzuführenden Visite vorlegt.

Sollte dies nicht sein, wird die zuständige Vormerkstelle auf jeden Fall eine Erst-Visite vormerken.

Für eine korrekte Wiedergabe der Einstufung der Vormerkzeit, ist es notwendig, dass jede ärztliche Verschreibung einen spezifischen klinischen Verdachtsfall anführt oder auch einen diagnostischen Verdacht und für die so genannten prioritären, vorrangigen Leistungen müssen die genaue Pathologie und der diagnostische Verdacht auf der Grundlage der zwischen den Krankenhausfachärzten und den Allgemeinmedizinern vereinbarten Vormerkzeit hierfür (im Rahmen der „RAO-Richtlinien“) angegeben werden. Sollte diese Anforderung fehlen, wird die Vormerkung dennoch über die zuständige Vormerkstelle vorgenommen.

Es ist vorgesehen, dass eine Überprüfung der Wiedervormerkungen vorgenommen wird (Verlegungen von Patienten aufgrund von Absagen in den Ambulatorien), mit zweimonatlicher Erhebung, bei der bestimmte Indikatoren zur Überprüfung für die einzelnen fachärztlichen Einheiten festgelegt werden.

Bei Inbetriebnahme einer landesweiten einheitlichen Vormerkstelle wird eine Überwachung hinsichtlich des ersten verfügbaren Termins für eine fachärztliche Visite in den verschiedenen Gesundheitsbezirken veranlasst, und eine entsprechende Überprüfung garantiert, auch dann wenn der Patient den angebotenen Termin nicht annimmt oder diesen woanders innerhalb oder außerhalb des Südtiroler Sanitätsbetriebes erhält.

Jeder Gesundheitsbezirk wird ersucht, sich einer informatisierten und zentralen Vormerkstelle, mit einer einheitlichen Telefonnummer für die Vormerkungen zu bedienen. Sollte keine einheitliche Vormerkstelle vorhanden sein, muss es aber möglich sein die Überprüfung der Datenflüsse und die Kontrolle betreffend die Einhaltung der Vormerkzeiten zu garantieren.