Gendermedizin

Logo GendermedizinGendermedizin bedeutet geschlechtersensible Medizin. Sie untersucht wissenschaftliche Erkenntnisse daraufhin, ob sie für Frauen und Männer in gleicher Weise zutreffen.

Frauen und Männer unterscheiden sich nicht nur biologisch voneinander, sie sind auch unterschiedlichen psychosozialen Belastungen ausgesetzt. Daraus folgen andere gesundheitliche Bedürfnisse, die in der Versorgung berücksichtigt werden müssen. Um Frauen und Männern eine bestmögliche Gesundheitsversorgung zu ermöglichen, ist es wichtig, das komplexe Zusammenspiel von Umwelt, Biologie und psychosozialen Faktoren zu erforschen, zu erkennen und in der alltäglichen Praxis als Wissenshintergrund zu integrieren.

Aufgabe des Amtes für Gesundheitsordnung ist es, die Gendermedizin über gezielte Weiterbildungsmaßnahmen einzubringen und sowohl Fachkräfte, als auch die Bevölkerung für diesen Bereich der Medizin zu sensibilisieren. Dadurch soll einerseits in Prävention, Diagnose, Therapie und Rehabilitation noch angemessener gehandelt werden und andererseits das Bewusstsein dafür geschärft werden, dass die Geschlechtszugehörigkeit bei Frauen und Männern unterschiedliche Symptome und Krankheitsverläufe bei gleicher Pathologie hervorrufen kann.

2007 organisierte das Gesundheitsressort das 1. Südtiroler Symposium zu Frauengesundheit und Gendermedizin. Erstmals wurde in Südtirol ein Tag lang das Thema Gendermedizin beleuchtet. Seit 2014 organisiert die Abteilung Gesundheit das Südtiroler Symposium zu Gender Health und Gendermedizin im Zweijahresrhythmus, in enger Zusammenarbeit mit Margarethe Hochleitner, Professorin für Gender Medizin der medizinischen Universität Innsbruck und Direktorin des Frauengesundheitsbüros Innsbruck. Die Tagungsunterlagen der vergangenen Symposien können hier heruntergeladen werden: Link zum Veranstaltungsarchiv

Gendermedizin und COVID-19

Die SARS-CoV-2-Pandemie wirkt sich bei Männern anders aus als bei Frauen. Bei den in China bestätigten Fällen lag die Sterblichkeitsrate von COVID-19-Patienten bei Männern bei 4,7% , bei Frauen hingegen bei 2,8%. Die italienischen Daten geben ein ähnliches Ergebnis und weisen mit einem Verhältnis von etwa 3:1 auf eine höhere Letalität bei Männern hin.

Am Obersten Institut für das Gesundheitswesen, dem wichtigsten Zentrum für Forschung, Kontrolle und technisch-wissenschaftliche Beratung im Bereich der öffentlichen Gesundheit in Italien, ist das Kompetenzzentrum für Gendermedizin angesiedelt, welches alle drei Monate gemeinsam mit dem Centro Studi Nazionale su Salute e Medicina di Genere und dem Gruppo Italiano Salute e Genere (GISeG) einen Newsletter veröffentlicht (in italienischer Sprache). In der April-Ausgabe des Newsletters finden Sie Informationen zu den geschlechtsspezifischen Unterschieden bei Covid-19-Erkrankungen.

Hier finden Sie die aktuelle Ausgabe: 

 

Der Newsletter kann beim ISS unter der Mailadresse mdg.iss@iss.it abonniert werden.

Herzinfarkt - jede Minute zählt!

Die geschlechterbedingten Unterschiede in Krankheitsverlauf und Symptomatik nicht zu kennen, kann bei bestimmten Krankheiten fatale Folgen haben, wie zum Beispiel im Falle eines Herzinfarkts. Herzkreislauferkrankungen gehören zu den häufigsten Todesursachen bei Frauen und Männern. Doch Frauen, die einen Herzinfarkt erleiden, sterben häufiger daran, weil er sich mit anderen Symptomen äußert als bei Männern und der Infarkt oft nicht rechtzeitig erkannt wird.

Die Kampagne Herzinfarkt – Jede Minute zählt!  klärt über die unterschiedlichen Symptome bei Frauen und Männern auf, denn frühes Erkennen kann im Notfall Leben retten.

Gendermedizin in der Virtuellen medizinischen Bibliothek

Die Virtuelle medizinische Bibliothek (VMB) bietet den Fachkräften des Südtiroler Gesundheitswesens kostenlos Zugang zu den wichtigsten internationalen medizinisch-wissenschaftlichen Zeitschriften und Datenbanken, den neuesten wissenschaftlichen Publikationen. Hier finden Sie im Themenbereich Gender medicine aktuelle wissenschaftliche Beiträge und Veranstaltungshinweise: https://www.bmv.bz.it/de/bibliothek/gender-medicine-de.

 

Gesetzliche Grundlagen

Mit der Verabschiedung des Gesetzes Nr. 3/2018 wird zum ersten Mal in Italien das Geschlecht als Parameter in der Medizin eingeführt und schafft damit die Voraussetzung für die Berücksichtigung des Geschlechts als Determinante in klinischen Tests mit Arzneimitteln, bei der Definition von diagnostisch-therapeutischen Betreuungspfaden und in Ausbildungsgängen für Studierende und Ausübende von Gesundheitsberufen.


Zuständige des Sachbereichs

Irene Unterhofer
Tel. 0471 418156
E-Mail: irene.unterhofer@provinz.bz.it