Waldzustand 2016

Forstschutz und Überwachungsdienst

Der Gesundheitszustand des Waldes wird vom Südtiroler Forstdienst seit 40 Jahren mit Sorgfalt beobachtet und überwacht. Dabei werden alle auftretenden Schäden in den Waldbeständen untersucht. Daneben werden auch Untersuchungen über Umweltbelastung durch Schadstoffe durchgeführt, mittels chemischer Nadel- und Bodenanalysen.

Klimaverlauf

Ohne zu sehr ins Detail gehen zu wollen, ist es dennoch sinnvoll das Klima des Jahres 2016 schematisch einzurahmen, denn es begünstigte außergewöhnlich stark die Ausbreitung biotischer Schädlinge und damit die Waldschäden.

Das Jahr 2016 war gekennzeichnet durch

  • Einen strengen Winter mit Temperaturen, welche um ca. 0,5 °C höher als im langjährigen Durchschnitt lagen
  • Ein Frühling mit allgemein mildem Klima, aber mit plötzlichen Temperaturstürzen und Schneefall im Talboden
  • Ein regenreicher Sommer mit außergewöhnlich vielen Gewittern und Blitzschlägen im August (häufig Ursache von Waldbränden)
  • Ende August und September mild und trocken.
  • Einen sehr wechselhaften Herbst und  - um das Jahr abzuschließen - einen Dezember ohne Niederschlag.

Abiotische Schäden

Auch abiotische Schäden können auf die Witterungsbedingungen zurückgeführt werden, sie spielten im langfristigen Durchschnitt aber eine untergeordnete Rolle. Die Schäden durch Schneedruck im schneearmen Winter 2015-2016 sanken wieder deutlich auf ein Normalniveau von 6.455 Vfm, was sogar der Hälfte der Schneedruckmasse vom Vorjahr entspricht; Nur 268 Vfm der Masse ist auf Schneedruck im Herbst zurückzuführen, der Rest des Schadholzes ist aufgrund von Nassschneeerieignissen in den ersten Monaten des Jahres angefallen. Der Schneedruck im Herbst 2015 schädigte 710 Bäume mit insgesamt 544 Vfm.

Bei den Windwürfen gab es eine starke Abnahme auf 12.758 Vfm, d.h. auf etwa ¼ des vorjährigen Schadausmaßes. Dies bestätigt den abnehmenden Trend, nachdem bereits im Jahr 2014 eine Reduktion der Windwurfschäden (-40%) festgestellt werden konnte. Der jahreszeitliche Schwerpunkt von Windwurfschäden liegt im Sommer. Dort wurden zwei Drittel der Schäden aufgrund von Starkwind- bzw. Sturmereignissen verzeichnet. Um das Bild der abiotischen Schäden abzuschließen, soll noch auf die im Monat Mai registrierten Frostschäden an Buchen in Hafling (Gesamtfläche von 12ha) hingewiesen werden. 

Biotische Schäden - Insekten

Borkenkäfer

Ein klarer Zusammenhang zwischen abiotischen und biotischen Schäden ist beim Befall durch Borkenkäfer gegeben, dessen Vermehrung in unmittelbarer Abhängigkeit von Witterungsereignissen, wie Windwurf, Schneebruch, Trockenheit steht.

Der Schadholzanfall durch Borkenkäfer im Jahr 2016 betrug insgesamt 27.549 Vfm und war somit fast doppelt so hoch als jener im Vorjahr 2015 (14.293 Vfm). 26.390 Vfm (96%) davon verursachte der Fichtenborkenkäfer, 1.159 Vfm (8%) der Kiefernborkenkäfer. Im Sommerhalbjahr erreichten beide Arten mit zwei Drittel des gesamten Schadausmaßes den Befallshöhepunkt. Nur ein Drittel entfällt auf das Winterhalbjahr.

Zur Kontrolle der Populationsentwicklung der Borkenkäfer, insbesondere des auf die Fichte spezialisierten Buchdruckers- Ips typographus, wurden Pheromonfallen eingesetzt, welche von den Forstinspektoraten Brixen, Meran und Welsberg betreut und kontrolliert wurden. Die periodische Entleerung der Pheromonfallen und die Zählung der gefangenen Exemplare ermöglicht es ein klares Bild der Populationsdynamik dieser Borkenkäferart zu erhalten. In der ersten Generation erfolgt normalerweise der größte Bruterfolg (im Juni), eine zweite Generation (im August) mit geringerem Bruterfolg ist möglich. Im Jahr 2016 entwickelten sich jedoch zwei getrennte Generationen. Die erste Generation war weniger stark ausgeprägt und die zweite Generation war immer vergleichbar war mit der Ersten, ihr manchmal aber in der Anzahl der Exemplare überlegen. 

Borkenkäfer

Es kann angenommen werden, dass der Grund dieser Abweichung die klimatischen Witterungsverhältnisse waren, insbesondere die Verteilung der Niederschläge. Sollte sich dieses Phänomen wiederholen, wäre dem mit einer genaueren Untersuchung nachzugehen.

Der Schaden der Waldgärtner (Tomicus spp.) als Triebfraß an Weißkiefern mit auffälligen Rotfärbungen großflächiger Bestände spielt aus forstwirtschaftlicher Sicht nur eine untergeordnete Rolle. Dies ist darauf zurückzuführen, dass dieser Käfer vorwiegend auf jungen, im Wachstum stehenden Trieben miniert um Geschlechtsreife zu erlangen. Schäden des Waldgärtners wurden in Schlanders, im Eisacktal und auf dem Hochplateau Ritten festgestellt. Es betrafen 2016 3.430 Baumindividuen auf 128 ha Fläche (rd. um 17ha).

Der Befall führt selten zum Absterben einer Pflanze. Dennoch ist er Gegenstand systematischer Erhebungen, da der Waldgärtner bei besonderer Vermehrungsintensität auch im Bast bzw. Rindengewebe der Stämme frisst und damit das Absterben des Baumes hervorrufen kann. In diesem Fall ist dies jedoch nicht eingetroffen.

Blatthornkäfer

Im Frühjahr 2016 hat der Feldmaikäfer (Melolontha melolonta L.), welcher temporär durch starke Massenvermehrung Obst- und Waldbäume befällt, im Passeiertal einen Kahlfraß im Ausmaß von 0,5 ha verursacht.

Rüsselkäfer

Die Forstinsekten zeigten im Jahr 2016 insgesamt einen Befallsverlauf, der im Bereich natürlicher Schwankungen bzw. Enwicklungszyklen lag, er war unterdurchschnittlich niedrig. Nur am Ritten traten im Frühjahr 2016 Verfärbungen an den äußeren Kronenbereichen der Buche durch den Buchenspringrüssler (Rhynchaenus fagi) auf. Die Intensität ist jedoch stark rückläufig im Vergleich zum vorherigen Jahr (Reduktion der Fläche um 21 ha im Vergleich zu den 400 ha im Jahr 2015).

Bedeutungslos waren auch ähnliche Blattbräunungen an Eichen durch den endemisch vorkommenden Eichenspringrüßler (Rhynchaenus quercus), welche auf 1.200 ha Eichenbuschwald (Reduktion um 180ha) auf den Hängen am Ritten in Erscheinung traten.

Kleinschmetterlinge

Zu auffälligem Blattfraß mit Blatteinrollungen war es 2014 bei Bozen-Haslach und bei der Haselburg bis St. Jakob gekommen. Der Eichenwickler (Archips xylosteana) trat damals massiv an Eichen und Hopfenbuchen in Erscheinung. Im Jahr 2015 war der Befall weniger intensiv und im Jahr 2016 gab es keinen registrierten Befall.

Mit einem Rückgang gegenüber dem Vorjahr verlief im Frühjahr das auffällige aber harmlose Auftreten der Traubenkirschengespinstmotte (Yponomeuta evonymellus), mit starken Gespinstbildungen an Ufergehölzen entlang von Flußläufen in großflächigen Gebieten (Vinschgau, Schnalstal; Sarntal und Gröden, Wipptal bis Pustertal) auf insgesamt rd. 14 ha (im Jahr 2015 45 ha). Die alljährliche Erhebung dieses unbedeutenden Forstinsekts hat nur Bioindikator-Funktion.

Unter die Kleinschmetterlinge, welche forstwirtschaftlich relevant sind, fällt auch die Lärchenminimiermotte (Coleophora laricella), bei welcher im Jahr 2016 – dem Trend der letzten Jahre folgend - ein Rückgang zu verzeichnen war: 2014 ergab sich eine Reduktion um 1.015 ha, im Jahr 2015 betrug die betroffene Fläche 113 ha und 2016 stabilisierte sie sich bei 107 ha. Diese Daten verdeutlichen die Bedeutung eines permanenten Monitoring– Netzwerkes, mit der Möglichkeit Trends und Perioden von Gradationen auch mittel- bzw. längerfristig vorauszusagen.

Beim Grauen Lärchenwickler (Zeiraphera griseana) war es zuletzt 2009/10 im Vinschgau zum Anlauf eines neuen Generationszyklus gekommen, der sich in den Alpentälern alle 8 Jahre wiederholt. Im Vinschgau und Meran/ Passeier war der Befallshöhepunkt, mit starken Kronenverfärbungen, in den Jahren 2010/11 erreicht. Damals waren jeweils Hunderttausende von Lärchen auf rund 1.500 ha befallen. Der Befall war allerdings ohne nachhaltige Schadwirkung in östlicher Richtung abgezogen. Landesweit war bereits ab 2012 ohne Unterbrechung kein Befall mehr zu verzeichnen.

Im Aufwärtstrend befinden sich jedoch die Pilzkrankheiten, welche die Lärche befallen. Darauf wird im nachfolgenden Kapitel ausführlich eingegangen.

Von anderen weniger relevanten Kleinschmetterlingen (Fichten-, Tannenwickler) an Nadelbäumen wurde 2016 kein Befall verzeichnet, außer vom Fichtennestwickler (Epiblema tedella), welcher bereits 2013 in Freienfeld auf 500 ha festgestellt wurde. Nun ist in Kiens auf einer Fläche von 70h a ein schwacher Befall (3% der Krone ist befallen) aufgetreten.

Räumlich begrenzt verlief weiterhin der Befall der Kleinen Fichtenblattwespe (Pristiphora abietina) an Fichten in Kaltern und Eppan. Betroffen waren ca. 19.200 Fichten (darunter auch Kronen von Altholz) auf 30 ha (15 ha Kaltern + 15 ha Eppan).

Es sollte beachtet werden, dass in diesem Fall Aufforstungen befallen waren, welche außerhalb geschlossener Bestände liegen und deshalb pathogenen Erregern stärker ausgesetzt sind. Die Eigenheit dieser Massenvermehrungen auf Provinzebene stellt einen interessanten Forschungsansatz hinsichtlich des Klimawandels dar. Dieses Monitoring wird deshalb seit Jahren betrieben.

Von den Kiefern-Gespinstblattwespen (Acan-tholida posticalis) gab es heuer hingegen keine Anzeichen. Im Mai 2015 kam es bei Bozen-Kohlern zu starken Nadelfraßschäden durch die Larven und in der Folge zu flächigen Verfärbungen der Kiefern auf 62 ha (red. 12 ha).

Eingeschleppte Insekten

Wirtschaftlich bedeutungslos waren einige vor Jahren eingeschleppte Miniermotten (Cameraria, Phyllonorycter) und Gallmücken (Obolodiplosis robiniae) an Laubgehölzen (Rosskastanien, Robinien). Sie finden inzwischen landesweite Verbreitung -vor allem lokal im urbanen Bereich (Brixen, Bozen). Im Montiggler Wald wird seit 2012 ein Befall einer weitern eingeschleppten Art, der Japanische Linden-Miniermotte (Phyllonorycter issikii) registriert. Die Befallsfläche beträgt 150 ha (reduziert um 7 ha), Schäden verursachte sie aber keine.

In Brixen wurde im Juli 2014 ein weiterer aus Asien eingeschleppter Schädling an der Sibirischer Ulme neu entdeckt. Es handelt sich um eine Blattwespe mit auffälligem Zickzack- Blattfraß, die East-Asian zigzag elm sawfly: Aproceros leucopoda (Takeuchi, 1939). Der wenig auffällige Befall wiederholte sich auch im Sommer 2015. Trotz mehreren Generationsfolgen kam es zu keinen Schädigungen an den Ulmen („Forest observer“ 2015).

Für Unruhe bei den Kastanienbauern sorgt seit 2011 auch die Neuausbreitung der Chinesischen Kastanien-Gallwespe (Dryocosmus kuriphilus). Der aus China stammende und 2002 in Italien eingeschleppte invasive Schädling der Esskastanie war in Südtirol erstmals 2009 im Raum Meran (Labers, Schenna, Burgstall) und im mittleren Eisacktal bei Vahrn und Aicha aufgetreten. Im Jahre 2011 kam es dann zu Befallsausdehnung in Vahrn-Aicha bis Vahrnersee, sowie im oberen Vinschgau (Schlanders, Kortsch, Vezzan). Im Frühjahr 2012 erfolgte eine explosionsartige Ausbreitung im Überetsch im Montigglerwald, auf 1340 ha (reduziert um 50 ha) sowie bei Leifers, Algund- Schenna, Tisens und Nals-Andrian. Aus dem Passeiertal wird 2014 und 2015 gemeldet, dass dort 90% der Kastanienbäume einen Befall durch die Gallwespe aufweisen. Eine ständige Beobachtung ist im Gange. Die typisch rotfarbigen Gallen, welche sich bei der Entwicklung der Larve an den Blättern und Blattspitzen bilden, beeinflussen bei starkem Befall die Vitalität der Pflanze.

Die effektivste Strategie diese Schädlinge zu bekämpfen, ist die Aussetzung des natürlichen Antagonisten im betroffenen Gebiet. Es ist dies der aus China stammende Torymus sinensis aus der Gattung des Dryocosmus. Die Weibchen des Parasitoiden legen im April ihre Eier in die neugebildeten Gallen oder in die Nähe der Larven des Parasiten. Nachdem die Parasiten- Larven aktiv werden dienen sie als Nahrung für die Larven des Torymus. Diese biologische Gegenmaßnahme mittels Einsatz von natürlichen Gegenspielern wurde in Zusammenarbeit mit dem Pflanzenpathologie Institut, der Universität Turin und dem Forstpersonal durchgeführt.

Die letzte große Aussetzungsaktion des Parasitoiden Torymus sinensis fand auf insgesamt 80 Standorten am 23. April 2014 unter Beteiligung von 16 Forststationen statt. Diese Aktion führte zu einer starken und raschen Ausbreitung des natürlichen Gegenspielers (Torymus), der sich bei gemeinsamen Kontrolluntersuchungen von Gallen durch die Förster im Juni 2014 und 2015 bereits als etabliert erwies.

Aus 63 Standorten, an denen der Gegenspieler Torymus sinensis im Mai 2014 freigelassen wurde, wurden 1.940 Gallen gesammelt und untersucht. Die Analyse von 4.227 Zellen (im Durchschnitt 2,2 Zellen pro Galle) zeigt 2015 landesweit, mit einer durchschnittlichen Parasitierungsrate von 67%, eine deutliche Zunahme im Vergleich zum Vorjahr (26%).

Bei einer Kontrolle auf der Kastanienplantage Montiggl-Priol am 30.09.2015 wurde eine Parasitierung von 59% festgestellt. Höhere Parasitierungswerte werden nur im Eisacktal erreicht: Ritten 96%, Jenesien 93%, Klausen 91%, Kastelruth 81%, Mühlbach 78%.

Im westlichen Teil des Landes sind die Werte weiterhin niedrig, jedoch mit steigender Tendenz: Schlanders 61% (14% im Jahre 2014), Latsch 40% (8%), Meran 60% (14%), Lana 36% (10%).

Angesichts dieser Ergebnisse haben die Aussetzaktionen der natürlichen Gegenspieler zu einem Stillstand der Parasitierungsrate geführt. Es werden Überlegungen angestellt, im Jahr 2017 dort mit dem Aussetzen der Antagonisten anzuschließen, wo die Parasitierungsrate noch niedrig ist, um den Prozess zu beschleunigen.

Großschmetterlinge

Bei Großschmetterlingen war 2016 kein Befall von schädlichem Raupenfraß zu verzeichnen; zuletzt wurde bei Atzwang und Kastelruth ein Massenbefall des Schwammspinners (Lymantria dispar) registriert. Im Abstand von 10-20 Jahren kommt es im Eisacktal und Etschtal zu Massenauftreten von Großschmetterlingen in Niederwäldern.

Kiefernprozessionsspinner

Kiefernprozessionspinner

Nach dem Sommer 2015, welcher durch Trockenheit und hohe Temperaturen gekennzeichnet war, ergab sich eine starke Befallszunahme des Thaumetopoea pityocampa. Besonders im Vinschgau (westliche Landeshälfte) - endemisches Gebiet dieses Insektes - wurde ein akuter Befall verzeichnet. Bei den ausgewerteten Untersuchungen wurde eine starke Zunahme gegenüber dem Vorjahr festgestellt. Im Landesdurchschnitt wurde das vierfache bei der betroffenen Baumzahl und das achtfache bei den Nestern erreicht. Im Jahr 2016 wurde auf einer betroffenen Fläche, welche zunächst konstant geblieben war, eine auffällige Abnahme der von Kiefernprozessionsspinners befallenen Bäume beobachtet. Die Anzahl der befallenen Baumindividuen hat von 884.732 (2015) auf 374.348 Individuen (2016) abgenommen.

Es sollte weiters eine Auffälligkeit erwähnt werden: im Jahr 2016 wurden auf dem Plateau Regglberg in Deutschnofen zum ersten Mal Nester des Prozessionsspinners entdeckt. Dies stellt ein sichtbares Zeichen des Klimawandels dar.

Im Pustertal kommt der Prozessionsspinner - auf Grund des kontinentalen Klimas - weiterhin nicht vor. In den mittleren Landesteilen verlief die Situation eher moderat.

Pilzkrankheiten

Pilzkrankheiten
Fichtennadelblasenrost (Chrysomyxa rhododendri)

Von Pilzkrankheiten an Waldbäumen ist auch für das Jahr 2016 der Fichtennadelblasenrost (Chrysomyxa rhododendri) zu verzeichnen. Es handelt sich um eine auffällige Pilzkrankheit, welche die Nadeln der Jahrestriebe stark verfärbt; der Pilz lebt in Wirtswechsel zwischen Fichte (Picea abies) und Alpenrose (Rhododendron). Der witterungsabhängige Pilz führt in starken Befallsjahren (feuchtes Frühjahr – warmer Sommer) zu Nadel- bzw. Zuwachsverlusten der Jahrestriebe der Fichten.
Je nach Witterungsverlauf (einschließlich möglicher Schädigung des Zwischenwirtes Alpenrose durch Frosttrocknis) kommt es zu großen Schwankungen im jährlichen Befallsauftreten und entsprechend auch in der Meldungsfrequenz. Nach einem akuten Befall in den Jahren 2010 und 2011 und eine deutliche Abnahme in den Jahren 2012-2013, ist es im Jahr 2014 zu einer Befallszunahme gekommen: ca 7.355 ha (red. 2.324) und 1.400.000 betroffenen Fichten. Dieser Befall steigerte sich im Jahr 2015 weiter und betraf eine Fläche von 53.260 ha (red. 22.140 ha) und über 6,6 Millionen Fichten. Im Jahr 2016 ist wieder eine Abnahme zu verzeichnen, mit ca 35.000 ha betroffener Fläche (red.Fläche 13.500 ha) und 4 Milionen befallenen Fichten.

Die Infektion der austreibenden Fichten durch Chrysomyxa beginnt im Frühling während der Blütezeit der Alpenrosen. Die auf der Blattunterseite der Alpenrosen gebildeten Basidiosporen werden durch den Wind verbreitet und müssen auf Fichtennadeln treffen, wo sie nur bei feuchter Witterung (Tau, Regen, Nebel) zu keimen vermögen. Der Pilz infiziert die eben aus den Knospen hervorbrechenden jungen Nadeln. Erst im Juli bis Aug./Sept. kommt es dann zur Ausbildung der auffälligen Aezidien auf den Nadeln.

Im Laufe des Jahres 2016 wurden in der ganzen Provinz auffällige Lärchenverfärbungen beobachtet, ab dem Juni und bis zu dem August, auf einer Seehöhe zwischen 800 und 2000 m. Dieses Phenomen wurde auf einer Gesamtfläche von ca 18.000 ha (red.Fläche ca 3.500 ha) festgestellt und die Ursache ist vorwiegend zur Lärchenschütte-Erreger Meria laricis zurückzuführen, welcher von den Niederschlägen im Frühjahr und Sommer begünstigt war.

Meria Lärchenschütte

Örtlich (Rittnerhorn, Villandereralm) wurden auch auf den Latschenkiefern auffällige Nadelverfärbungen beobachtet, welche von der Lophodermella-Kiefernschütte verursacht sind.

Lophodermello Kiefernschuette auf Latsche

Als chronische Pilzkrankheiten traten weiterhin Kastanienrindenkrebs (Cryphonectria parasitica) und Lärchenkrebs lokal in Erscheinung, wobei der Kastanienkrebs vor allem im Raum Vinschgau, Meran und Kaltern beobachtet wurde.

 Kronenverfärbung auf Schwarzkiefer

Kronenverfärbung auf Schwarzkiefer

Bei Lärchenkrebs ist eine genaue flächenmäßige Erfassung nicht möglich, da der Befall wenig augenscheinlich ist.

Hallimasch (Armillaria mellea) an Fichte / Kiefer wurde von einzelnen Stationen gemeldet.

Auch die Triebschwindenkrankheit (Cenangium ferruginosum) war vor allem im Vinschgau, auf einer Seehöhe von 700-850 m, bei weiterhin an Schwarzkiefer anzutreffen, vermutlich gemeinsam mit Auftreten von Diplodia-Triebsterben (Diplodia pinea oder Sphaeropsis sapinea). Die befallene Fläche beträgt ca 280 ha (red.Fläche ca 100 ha) und 11.000 betroffene Bäume.

Wie bei den Insekten werden auch für die Pilzkrankheiten neue Ankömmlinge gemeldet, welche vor allem aus Ostasien oder Amerika einschleppen. Es handelt sich um Krankheiten, die seit einigen Jahren bekannt sind, wie z.B. der Kastanienkrebs oder das Ulmensterben, oder aber auch neue Patologien wie:

Valsalnicola oxystoma o Cryptodiaporthe oxystoma, welche die Grünerle befällt. Sie wurde in Naturns auf einer Fläche von ca 1.000 ha (red.Fläche 10 ha) mit ca 5.000 befallene Pflanzen beobachtet. Die Art wurde aus Japan eingeschleppt und hat sich rasch in Europa und Nordamerika verbreitet.

Erlenrost (Melampsoridium hiratsukanum), derzeit in der ganzen Provinz auf der Grauerlen beobachtet. Dieses Pathogen, welches in Südtirol zum ersten Mal 2010 beobachtet wurde, ist vor allem im Sommer als oranger „Staub“ auf der Unterseite der Erlenblätter sichtbar, und ist für das frühzeitige Abfallen der Blätter verantwortlich.

Eschentriebsterben (Hymenoscypus pseudoalbidus), derzeit in der ganzen Provinz beobachtet. Dieser Pilz verursacht das Sterben der Trieben und dehnt sich progressiv im Inneren der Krone aus. Er kann die befallenen Pflanzen zum Aussterben bringen.

Im ganzen Land konnten auf ausgedehnten Flächen Wildschäden festgestellt werden. Eine umfassende Statistik ist aber nicht möglich, da die erst kürzlich erhobenen Daten nicht zwischen Verbiss-, und Fegeschäden im Jungwuchs und zwischen Schälschäden (durch Rotwild verursacht) in Stangen-, und Baumhölzern unterscheiden. 

Wipfelschäden

Wipfelschäden an Lärchen, welche durch Nagetiere (Eichhörnchen, Siebenschläfer) verursacht werden, traten im Vorjahr etwas schwächer auf als 2014. Sie waren auf örtlich begrenzte Zonen beschränkt. Insgesamt waren 240 Lärchen (Stangen- und Baumhölzer) in Gebieten der Gemeinden Freienfeld, Prad am Stilfser Joch und Schlanders auf einer Fläche von 32ha (reduziert um 3ha) befallen.  Der Schaden beläuft sich auf ca. 110 Vfm.

Abschließend noch eine landesweite Gesamtübersicht der Schadereignisse in Südtirols Wäldern. Das Ergebnis setzt sich aus den insgesamt 168 Meldungen zusammen, welche von den Forststationen im Laufe des Jahres eingegangen sind.

Waldschäden betroffene Flächen

Die landesweit von Schadereignissen betroffene Fläche hat im abgelaufenen Jahr 2016 im Vergleich zum Jahr 2015 abgenommen. Am häufigsten traten auch im Jahr 2016 „nicht letale" biotische Schäden auf (auf 5 % der Waldfläche Südtirols). Dabei macht der für die Fichte unbedeutende Fichtennadelblasenrost (Chrysomyxa rhododendri) mit mehr als 90% des Befalls den größten Prozentsatz aus.

Eine starke Abnahme der abiotischen Schäden ist auf die ausgebliebenen witterungsbedingten Schneedruckschäden und Windwurfereignisse zurückzuführen. Die Widerstandsfähigkeit der forstlichen Ökosysteme gewährleistet bei den meisten dieser Schadereignissen eine vollkommene Erholung derselben und garantiert langfristig die Regeneration der betroffenen Pflanzenarten oder -teile sowie die Vitalität der Lebensgemeinschaft Wald.

Die Prozentwerte in der Grafik beziehen sich auf die gesamte Waldfläche Südtirols und ergeben sich nach objektiven Parametern wie Verursacher des Schadens (Pathogene, Witterungsextrema, usw.), Flächenausmaß des betroffenen Gebietes und Verlust der Holzmasse (wichtig für die Kohlenstoffbilanz!).

Aus diesem Grund sind diese Werte nicht mit den Ergebnissen der Stichprobenerhebungen, die in Europa ab den 80iger Jahren durchgeführt wurden, vergleichbar.