Waldtypisierung Südtirol

Waldtypisierung Südtirol
Ökologische und waldbauliche Beschreibung des Waldtyps

Charakteristik des Projekts:
Die Waldtypisierung Südtirol ist ein Projekt zur Erstellung einer Waldtypologie und einer Waldtypenkarte über Südtirols Wälder und wurde im Zeitraum von 2001-2008 südtirolweit durchgeführt.

Zielsetzungen

Zielsetzungen
Ausschnitt der Waldtypenkarte
  • Bestimmung der potentiellen natürlichen Waldtypen Südtirols
  • Ökologische Beschreibung der Waldtypen: Lage (Geländeformen und Höhenstufen), Geologie, Boden, Nährstoff/Wasserhaushalt, Vegetation
  • Waldbauliche Charakterisierung der Waldtypen hinsichtlich Baumartenwahl, Waldpflege, Verjüngungsverfahren
  • Zusammenfassung der Ergebnisse in einem praxisorientierten ökologischen Handbuch
  • Darstellung der Waldtypen in der Waldtypenkarte im Maßstab 1: 25.000 mit Hinweisen auf mögliche Naturgefahrenprozesse

Methodik

Methodik
Grenzüberschreitender Workshop zur Waldtypisierung mit den Forstkollegen aus Osttirol.

Zur Anwendung kam ein Stratifizierungsverfahren. Durch ein Geoökologisches Modell basierend auf der Überlagerung von

  • Geologie: Bodenbildende Ausgangsgesteine (Substrate)
  • Geländemodell: Neigung, Exposition, Geländeformen
  • Strahlungsklima: Höhenstufen

wurden modellierte Waldstandortseinheiten abgeleitet. Diese wurden anschließend im Gelände durch Vegetation-, Standorts- und Bestandeserhebungen überprüft und beschrieben. Zur Charakterisierung der Waldtypen wurden auch die bereits vorhandene Literatur und die praktischen Erfahrungen des Forstpersonals miteinbezogen. All diese Informationen wurden zu einem praxisorientierten ökologischen Handbuch zusammengefasst, das nicht nur die waldbauliche Behandlung der einzelnen Waldtypen erleichtert, sondern auch auf ihre ökologische Bedeutung und auf mögliche Naturgefahren hinweist.

Ergebnisse: 111 verschiedene Waldtypen

Der Südtiroler Wald ist reich an unterschiedlichen Lebensräumen, das die 111 verschiedenen Waldtypen eindeutig belegen. Die Waldtypen reichen von den Flaumeichen- und Hopfenbuchenwäldern in der untersten Höhenstufe bis hinauf zu den Lärchen-Zirbenwäldern und Latschenbeständen in der hochsubalpinen Stufe. Für die große Anzahl an unterschiedlichen Waldtypen ist neben der Geologie der besondere Klimacharakter Südtirols verantwortlich. Während in Teilen Südtirols der inneralpine Klimacharakter vorherrscht, wird das Klima in den Zwischenalpen (Etsch- und Eisacktal) bereits milder. Im Süden unseres Landes ist schließlich bereits ein mediterraner Klimaeinfluss erkennbar.

Raritäten unter den Waldtypen

Ein besonderer Waldtyp sind die Hopfenbuchenwälder mit Stechpalme die sich nur auf Salurn beschränken. Auf frischen Standorten in der montanen Höhenstufe bilden sich im Etschtal kleinflächig Buchenwälder mit einer zweiten Schicht aus Eibe aus. Beeindruckend sind auch die Schluchtwälder, die sich vor allem aus Edellaubhölzern zusammensetzen und durch ihre Unzugänglichkeit ihren ursprünglichen Waldcharakter erhalten haben.

Die Schwarzerlen-Auwaldreste in Schluderns und Eyrs sind besonders schützenswerte Waldtypen im Vinschgau. Eine auf dem ersten Moment ungewöhnlich anmutende Baumartenkombination kann man am Vinschgauer Sonnenberg beobachten: Die Flaumeiche mischt sich mit der Lärche und bildet zweischichtige Flaumeichen-Lärchenwälder aus.

1.113 verschiedene Pflanzenarten

Im Zuge der Geländeerhebungen zur Waldtypisierung wurden 1.113 Pflanzenarten erhoben. Auch bei den Moosen besteht eine große Artenvielfalt, was die 173 verschiedenen Moose zeigen

49 Baumarten und 23 Kleingehölze

Im Südtiroler Wald wurden auf 1.290 Erhebungspunkten 49 verschiedene Baumarten und 23 Kleingehölze gefunden. Unter den Baumarten waren auch einige Überraschungen dabei. So kommt im Unterland in den Hopfenbuchenwäldern auch der Speierling (Sorbus domestica) natürlich vor. Dieser unscheinbare Baum kann nach der Form der Blätter leicht mit der Vogelbeere verwechselt werden. Erst im Herbst, wenn sich die apfel- oder birnenförmigen Früchte ausbilden, besteht Gewissheit, dass es sich um den Speierling handelt.

Im Burggrafenamt und im unteren Pustertal konnte auch die Stieleiche (Quercus robur) nachgewiesen werden. So sind in den Südtiroler Wälder mit der Stiel-, Trauben- und Flaumeiche drei Eichenarten natürlich vertreten.

Biodiversität fördert die Anpassungsfähigkeit an Klimaveränderung

Vielfältige Wälder haben auch im Hinblick auf die Klimaveränderung Vorteile. Da man nicht weiß, wie die einzelnen Baumarten auf einen mögliche Klimaanstieg reagieren, ist es wichtig, dass unsere Wälder möglichst naturnah und artenreich aufgebaut sind.

Biodiversität fördert die Anpassungsfähigkeit an Klimaveränderung

Biodiversität fördert die Anpassungsfähigkeit an Klimaveränderung
Speierling seltene Baumart in der kollinene Stufe

Stechpalme bei Salurn

Hopfenbuchenwald mit Stechpalme bei Salurn

 

Vielfältige Wälder haben auch im Hinblick auf die Klimaveränderung Vorteile. Da man nicht weiß, wie die einzelnen Baumarten auf einen mögliche Klimaanstieg reagieren, ist es wichtig, dass unsere Wälder möglichst naturnah und artenreich aufgebaut sind.

Beteiligte Institutionen

  • Amt für Forstplanung, Kontaktperson: Marco.Pietrogiovanna@provinz.bz.it
  • WLM, Büro für Vegetationsökologie und Umweltplanung, Innsbruck
  • Institut für Waldbau, Universität für Bodenkultur Wien
  • Institut für Waldbau, Universität von Padua

Publikationen

Publikation nur in PDF Format verfügbar

Die Waldtypenkarte findet man im „neuen Geobrowser“ unter www.provinz.bz.it/informatik/themen/maps-webgis.asp.