Unterschutzstellungen 2022

Kirche Pius X. in Bozen

Kirche Pius X. in Bozen
Die Papst Pius dem X. geweihte Kirche ist zwischen 1963 und 1969 erbaut worden und wird nun unter Denkmalschutz gestellt. (Foto: LPA/Alexa Rainer)

Die Papst Pius dem X. geweihte Kirche ist zwischen 1963 und 1969 erbaut worden und befindet sich etwas zurückgesetzt an der Reschenstraße in Bozen. Geplant wurde sie von einem bedeutenden Architekten der Nachkriegsmoderne, Armando Ronca, der 1901 in Verona geboren und 1970 in Bozen verstorben ist. "Die Kirche Pius X. ist eine viel zu wenig beachtete Architekturikone der Stadt und für mich auch Roncas bedeutendstes Werk. Sie zeigt die für die letzte Schaffensphase dieses Planers typischen Elemente in Anlehnung an die Kirche Notre-Dame du Haut im französischen Ronchamp des Architekten Le Corbusier", erklärt Landeskonservatorin Karin Dalla Torre.

Dass vermehrt auch Gebäude aus dem 20. Jahrhundert unter Denkmalschutz gestellt werden, begrüßt Landesrätin Maria Hochgruber Kuenzer: "Die unvergessliche Kapelle Notre-Dame du Haut hat sich Mitte der 1950er-Jahre wie eine weiße Friedenstaube im französischen Ronchamp bei Belfort auf der Wiese niedergelassen. Wer hätte gedacht, dass die feinen Wirkfäden dieser Architektur mit ihrem Sichtbeton bis nach Bozen reichen, wo eine Schwester der französischen Taube steht?" Südtirols Autonomie, so die Landesrätin weiter, bestehe auch darin, Beziehungen auf internationaler Ebene zu knüpfen und sie in die Besonderheit der heimischen Geschichte und Traditionen einzubinden.

"Armando Ronca hat mit seinem nahezu unüberschaubaren Werk die Städte in Südtirol, im Trentino und in Mailand wesentlich mitgestaltet", unterstreicht Landeskonservatorin Dalla Torre. "Neben der prägnanten Erweiterung des Stadions San Siro in Mailand entstanden in Bozen und Meran Schulen, Hotels und Mehrfamilienhäuser sowie Ferienhäuser in Gröden." Im Rahmen der Unterschutzstellungsstrategie des Landesdenkmalamtes für die Architektur des 20. Jahrhunderts werden derzeit weitere Denkmalschutzbindungen für die Bauten von Armando Ronca vorbereitet.

Die Kirche Pius X.

In ihrer Begründung zur Unterschutzstellung beschreibt das Landesdenkmalamt die Kirche Pius X. wie folgt: "Die unregelmäßige, einschiffige Stahlbetonstruktur der Kirche mit gerundeten Formen in Beton hat an beiden Längsseiten je zwei tonnenartig auskragende Elemente, die im Inneren Seitennischen bilden. Die Außenwände weisen eine quergestreifte Struktur der Betonhaut auf, die von segelförmigen Dachelementen überragt wird. Das Innere wird über zwei überhöhte, kühn nach außen gewölbte Flügel und eine großflächige Glaswand erschlossen. Diese verbindet in einer kleinteiligen Rahmung Glasscheiben zu einem wabenartigen Farbmosaik. Der zurückgesetzte Eingangsbereich liegt unter einer kreuzförmigen Struktur aus Stahlbeton. Im Inneren liegt zwischen den beiden Eingangstüren eine hell ausgeleuchtete Kapellennische.
Im Inneren, dessen konkave Betonflächen wie ein mystisch-besinnlicher Bauchraum wirken, werden Schatten, Licht und die Farben der Glasfront als Gestaltungselemente eingesetzt. Der über dem erhöhten Altarbereich mittig gesetzte Lichtschacht taucht diesen und das Querschiff in ein diffuses Licht, das durch die natürliche Lichtführung einer schmalen Kette von kleinen Dreiecksöffnungen in den beiden Seitenwänden gerahmt wird."

Mit Dekret des Landesdenkmalsamts wird die Kirche Pius X. im Stadtviertel Don Bosco in Bozen unter Denkmalschutz gestellt.

INPS Gebäude am Siegesplatz in Bozen

INPS Gebäude am Siegesplatz in Bozen
INPS Gebäude am Siegesplatz in Bozen, Foto: LPA/Alexa Rainer

Das 1935-1937 von Paolo Rossi dè Paoli für das I.N.F.P.S. entworfene Gebäude am Siegesplatz in Bozen ist ein bedeutendes Beispiel für die klassische rational-monumentale Architektur der 1930er-Jahre in Bozen. Neben seinem architektonischen Wert hat das Gebäude auch urbanistische Bedeutung als Kopfgebäude zwischen der Cesare-Battististraße und der Freiheitsstraße auf dem Platz, welches die Säulengang-Typologie der Freiheitsstraße einführt. Das Gebäude ist ein Beispiel für ein Mehrzweckgebäude, das für die Unterbringung von Geschäften, Arbeitsräumen und Wohnungen der Beamten des Nationalinstituts für Soziale Fürsorge bestimmt war. Die Hauptfassade weist eine klassische Dreiteilung auf: ein zentraler zweigeschossiger Abschnitt auf dem Sockel mit Säulengang, der durch drei steinerne Gesimse unterteilt ist, welche die Stockwerke markieren und zwei weitere Geschosse mit einer einzigen Fensterreihe, auf der die Loggien angeordnet sind. Der zentrale Fassadenteil ist in Stein (Ceppo del Lago d'Iseo) verkleidet und hat einen steinernen Balkon, in dessen Verlängerung sich ein 12,30 m langes  Flachrelief des Bildhauers Corrado Vigni (Florenz 1888-1956) befindet, das Männer und Frauen in verschiedenen Arbeitssituationen zwischen zwei Siegesgöttinnen zeigt.

Das INPS Gebäude am Siegesplatz in Bozen wurde mit Beschluss der Landesregierung unter Denkmalschutz gestellt.