Adels-, Familien- und Hausarchive

Adels-, Familien- und Hausarchive

In dieser Gruppe findet sich neben umfangreichen Adelsarchiven (Künigl, Lachmüller, Wolkenstein, Welsperg, Oberpayrsberg, Schlandersberg, Toggenburg u.a.) auch eine größere Zahl kleinerer Familien- und Hausarchive.

Sammlung Familie Staffler – Kohlerer Bahn

Die bürgerliche Familie Staffler aus Bozen stammt von der Rittner Familie Staffler aus Siffian ab. Die direkten Vorfahren der Bozner Familie, die Staffler-Linie vom Schrofhof in Siffian, spalteten sich bereits im 17. Jahrhundert von den Staffler vom Stafflerhof in Siffian ab. Josef Staffler wurde 1846 in Atzwang geboren und durchlief eine Ausbildung im Gastgewerbe in Innsbruck, Bozen und Verona. 1868 heiratete er in Bozen Katharina Angermann, kaufte das Schloss Ried am Eingang zum Sarntal und führte in den folgenden Jahren verschiedene Gastbetriebe, u. a. das Bozner Bahnhofsrestaurant. In den 1980er Jahren kaufte er das in der Goethestraße in Bozen gelegene Gasthaus „Zum Riesen“. Zehn Jahre später erwarb er den Uhlenhof in Bauernkohlern und baute auch ihn zum Gasthof um. Sowohl die Beförderung der Gäste als auch der Waren für deren Versorgung musste mühevoll mit Karren und im Winter mit Schlitten erfolgen. Aus diesem Grund kam Josef Staffler der Gedanke, eine Seilbahn erbauen zu lassen. 1908 konnte die erste Schwebeseilbahn von Bozen nach Kohlern in Betrieb genommen werden. Bereits 1910 musste der Betrieb eingestellt werden, da die Bahn den von der Aufsichtsbehörde neu ausgearbeiteten Sicherheitsmaßnahmen nicht mehr entsprach. 1913 fand die Eröffnungsfahrt der nun wesentlich größer gewordenen zweiten Kohlerer Bahn statt. 1919 starb Josef Staffler und seine Erben konnten die Drahtseilbahn aufgrund finanzieller Verluste nicht mehr als reinen Familienbetrieb weiterführen. Die von ihnen im Jahr 1919 gegründete Kohlerer Bahn-Gesellschaft hielt von nun an zwei, die Familie Staffler ein Drittel des Kapitals. Mitglieder der Gesellschaft waren die Söhne von Josef Staffler, Josef und Franz Staffler, die Stadtgemeinde und das Spital Bozen und einige Bürgersfamilien, die in Bauernkohlern stattliche Sommerfrische-Villen hatten erbauen lassen. Auch der Gasthof Staffler in Bauernkohlern, ursprünglich Ursache und Ausgang des Baus der Drahtseilbahn, fiel nun der Gesellschaft zu. 1943 wurde die Kohlerer Bahn bombardiert und erst 1965 konnte die nunmehr dritte Bahn von Bozen nach Kohlern eröffnet werden. Das Vermögen der Staffler bestand in Bozen aus dem Gasthof „Zum Riesen“ (Goethestraße), dem sogenannten „Fäcklhaus“ (Goethestraße) und dem sogenannten „Marcherhaus“. Die Staffler lehnten den Anschluss Südtirols an Italien ab, wovon die Options-Papiere sowohl von Josef als auch von Karl zeugen. Außerdem war Karl Staffler Mitglied beim SOD, dem Südtiroler Ordnungsdienst, der sich aus der „Arbeitsgemeinschaft der Optanten für Deutschland“ formierte. Die Empfangsbestätigungen der „Widerrufserklärung der Option für die deutsche Staatsbürgerschaft“ bestätigen aber den durchgehenden Verbleib der Brüder Staffler in Südtirol. Josef Staffler starb 1949 und vermachte seinem Sohn Josef die Hälfte und seinen beiden anderen Söhnen Anton und Karl jeweils ein Viertel des „Riesen“. Diese Teilungsmaßnahme führte in der Folge zu einer nicht reibungslos verlaufenden Verlassenschaftsabhandlung, die sich über zehn Jahre hinwegziehen sollte. Josef und Karl Staffler verblieben in Bozen, während Anton Staffler die Pension „Sella“ in Kolfuschg eröffnete. Die Sammlung besteht aus Familienpapieren, wie Testamenten oder Ausweisen, Informationen zur Kohlerer Bahn in Form von Artikeln, Broschüren, Fotografien und Postkarten, losen Fotografien (entwickelte Fotografien, Negative, Glasplatten und Filmrollen) der Familie Staffler und zum Zweiten Weltkrieg, Unterlagen zur Genealogie der Familie, etwa Stammbäume, und letztendlich aus einer umfangreichen Sammlung an Sterbebildern, Fotografie-Utensilien oder Straßen- und Wanderkarten.

Z: [1480] 1880–1995 [2008]
U: 5 Archivkartons
E: erschlossen

PT

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