KI in der Sanität: Südtirol-Studie zeigt ein differenziertes Bild
Bevölkerung akzeptiert künstliche Intelligenz als niederschwellige Unterstützung, ist bei klinisch-invasiver Nutzung oder Nutzung im Notfall aber skeptischer - Studie im Palais Widmann vorgestellt
BOZEN (LPA). Die Nutzung der künstlichen Intelligenz ist auch im Gesundheitsbereich angekommen, doch wie hoch ist die Akzeptanz der Südtiroler Bevölkerung der neuen Technologie gegenüber? Antworten liefert eine vom Institut für Allgemeinmedizin und Public Health Bozen konzipierte und vom Landesinstitut für Statistik (ASTAT) durchgeführte Bevölkerungsstudie, die am 27. April im Palais Widmann vorgestellt wurde.
„Künstliche Intelligenz wird die Medizin in den kommenden Jahren grundlegend verändern. Für uns ist aber klar: KI ist kein Ersatz für Ärztinnen und Ärzte oder für das medizinische Personal, sondern ein Werkzeug, das helfen kann, effizienter zu arbeiten und die Qualität der Versorgung weiter zu erhöhen", betonte Hubert Messner, der Landesrat für Gesundheitsversorgung und Gesundheit, in seinen Grußworten.
Damit spricht er der Südtiroler Bevölkerung aus der Seele, denn die Südtirol-Studie hat ein differenziertes Bild der Akzeptanz der KI in der Gesundheitsversorgung gezeichnet. "Die Erhebung wurde erfolgreich im Rahmen des probabilistischen ASTAT-Panels 'So denkt Südtirol' durchgeführt, welches schnelle sowie verlässliche Ergebnisse gewährleistet", erklärte Timon Gärtner, der Direktor des Landesinstituts für Statistik ASTAT. Die Ergebnisse hätten gezeigt, dass die Südtiroler Bevölkerung dem Einsatz der KI grundsätzlich offen gegenübersteht, wenn ein persönlicher Nutzen erkennbar ist. So befürworten 47 Prozent der Befragten den Einsatz von KI zur Unterstützung der eigenen Gesundheitsversorgung, 49 Prozent sind der Ansicht, dass KI in der Patientenversorgung die Gesundheit der Bevölkerung verbessern kann, und 75 Prozent halten den KI-Einsatz bei der Planung und Organisation von Arztterminen für sinnvoll.
Doch es gibt auch Bereiche, in denen der Einsatz kritisch gesehen wird. „Vorbehalte liegen in der Befürchtung begründet, dass der Mensch durch den Einsatz von KI zu wenig Kontrolle behält (45 Prozent), weshalb auch noch eine gewisse Skepsis gegenüber Fachpersonen besteht, welche KI verwenden (32 Prozent)", erklärte Dietmar Ausserhofer, Studienleiter und Wissenschaftler am Institut für Allgemeinmedizin und Public Health Bozen. Wo der Bevölkerung der direkte Kontakt mit Fachpersonen wichtig ist, zum Beispiel bei Aufklärung, Beratung, Behandlung und Entscheidungen in medizinischen Notfällen, werde die KI weniger akzeptiert.
Doris Hager-Prainsack, Allgemeinmedizinerin und Präsidentin des Instituts für Allgemeinmedizin und Public Health Bozen, leitet aus den Studienergebnissen das sinnvollste Vorgehen ab: "Wir sollten mit einfachen, alltagsnahen KI-Anwendungen beginnen, bei denen die Akzeptanz bereits hoch ist. Weiters müssen wir offen kommunizieren, wie KI eingesetzt wird und wer die Verantwortung trägt, denn 44 Prozent der Befragten befürchtet einen Verlust menschlicher Kontrolle. Diese Sorge ist ernst zu nehmen. KI kann uns helfen, mehr Zeit für das, was wirklich zählt, zu schaffen: das Gespräch mit den Patienten. Sie kann uns von der Bürokratie entlasten und somit den Kopf frei machen für die eigentliche medizinische Arbeit."
Landesrat Messner betonte abschließend: "Im Südtiroler Sanitätsbetrieb haben wir eine eigene Kompetenzsstelle für KI eingerichtet, die mögliche Einsatzbereiche bewertet und entscheidet, welche Anwendungen konkret sinnvoll und verantwortungsvoll nutzbar sind." Die Ergebnisse der Studie würden wichtige empirische Grundlagen für solche Entscheidungen liefern.
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